Innenminister Prinz Nayef soll Kronprinz werden
Auf der Liste der Söhne von Staatsgründer Ibn Saud, die noch für die
Thronbesteigung in Saudi-Arabien infrage kommen, steht Prinz Nayef seit
2009 ganz oben: Damals ernannte König Abdullah seinen Innenminister auch
noch zum Zweiten Vizepremier, ein Amt, das als Startposition gilt.
Kronprinz Sultan, der am Samstag starb, war damals schon unheilbar
krank.
Nicht alle sind glücklich über die Aussichten, dass Nayef, 1933 oder
1934 geboren, Kronprinz werden und König Abdullah einmal beerben könnte.
Von ihm gibt es eine Reihe von Zitaten, die ihn als konservativer und
weit weniger reformfreudig ausweisen als Abdullah. So sieht er - anders
als der zehn Jahre ältere König, der dem erzkonservativen Establishment
eine vorsichtige Öffnung in dieser Frage zumutet - keine "Notwendigkeit"
irgendeiner Partizipation von Frauen im öffentlichen Leben.
Was er von der Aufnahme von Frauen in die Schura, das beratende Gremium
des Königs, hält, ist unbekannt. Falls der König seine diesbezüglichen
Pläne noch umsetzt, wird es Nayef jedoch schwerfallen, dies wieder
rückgängig zu machen. Immerhin bekamen unter ihm als Innenminister im
Jahr 2001 die saudi-arabischen Frauen zum ersten Mal eigene
Personalausweise. Und als die Religionspolizei 2002 in Mekka die
Feuerwehr daran hinderte, Mädchen aus einer brennenden Schule zu retten
- weil sie vielleicht nicht genügend "bedeckt" seien, 14 starben -,
stellte er sich gegen die fanatischen Sittenwächter. Dennoch sind seine
Beziehungen zu den allerkonservativsten Kreisen des Königreichs bestens.
Prinz Nayef ist der 23. Sohn von Ibn Saud und einer der sogenannten
"Sudairi Seven", der Söhne von Ibn Sauds Lieblingsfrau Hassa bint Ahmed
al-Sudairi. König Abdullah, aus der Shammar-Linie, ist demnach sein
Halbbruder. Als dritte Frau ehelichte Nayef übrigens auch eine Sudairi,
die ab und zu mit ihrer Einkaufswut im westlichen Boulevard auftaucht.
Prinz Nayefs Ämter- und Würdenliste ist lang: Im Stadtrat von Riad saß
er mit 18, zwei Jahre später wurde er Gouverneur von Riad. Nach Vize-
und Staatsminister im Innenministerium wurde er 1975 Ressortchef. Mit
dem verstorbenen Kronprinzen hat er gemein, dass er nach 9/11 "die
Juden" verdächtigte, hinter dem Attentat zu stehen. Dabei kennt er als
Innenminister Al-Kaida wie kein anderer - und Muhammad, ein Sohn Nayefs
aus seiner zweiten Ehe, ist sogar Terrorismus-Abwehrchef. (Gudrun Harrer, DER STANDARD-Printausgabe, 24.10.2011)