Verdacht: Amt und Minister wollen sich in Szene setzen
Wien - Zwei lachende Gesichter sind auf den Deckblättern zu sehen, doch sie sorgen rundum für Unmut. Von Gleichmacherei sprechen manche, die mit den Foldern werben sollen - und hegen einen Verdacht: Will sich da eine Regierungsstelle über abhängige Institutionen in Szene setzen?
Helle Empörung herrscht bei den Mitgliedern des Dachverbandes "Dabei". 47 Organisationen sind es, die sich, auf ganz Österreich verstreut, für die berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen einsetzen - von der Lebenshilfe bis zur Caritas, von pro Mente bis zu Jugend am Werk. "Doch nun", befürchtet Verbands-geschäftsführerin Marlene Mayrhofer, "müssen wir vielleicht wieder bei null anfangen".
Auslöser für den Ärger: Das Bundessozialamt, das die verschiedenen Projekte im Vorjahr mit 45 Millionen Euro finanziert hat, will den Anbietern ein einheitliches Gesicht verpassen. Eine gemeinsame Dachmarke und Werbelinie sollen jahrelangem "Wildwuchs" ein Ende machen, sagt Peter Tajmar von der beauftragten Agentur Creative Marketing.
Mayrhofer hält das für fatal. Mühsam hätten die lokalen Organisationen Vertrauen zu behinderten Menschen und potenziellen Arbeitgebern aufgebaut: "Unser Erfolg beruht auf persönlichen Kontakten." Müssten die Vermittler nun unter dem Logo des Sozialamts, vor dem viele Klienten Schwellenangst hätten, auftreten, drohe dieses "zarte Pflänzchen" zu verwelken: "Da werden zehn Jahre alte Marken zerstört."
Günther Schuster, Leiter des Bundessozialamts, sieht das Problem woanders. Oft gebe es Kritik von Betroffenen, die sich schlecht über das Angebot informiert fühlten - die einheitliche Darstellung soll das ändern. Beworben würden aber nur Leistungen und nicht Amt oder zuständiges Sozialministerium, sagt Schuster: "Ich glaube, der Minister weiß nicht einmal, dass wir das tun."
Seit einer Nachfrage des Standard weiß er es. Auch im Büro von Rudolf Hundstorfer (SPÖ) beteuert man: "Der Minister will sich nicht in den Vordergrund stellen." Für die Organisationen ist auf den Folderentwürfen laut Schuster ein Platzhalter für Logos vorgesehen; außerdem sei noch nichts entschieden und die Diskussion offen. Daran wollen die Kritiker vorerst aber nicht teilnehmen - weil das wie eine implizite Zustimmung wirken würde. (Gerald John, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.10.2011)