Bericht

Industrielle Fischerei gefährdet zwei weitere Zahnwal-Arten

23. Oktober 2011, 17:23

13 von 72 Spezies müssen mittlerweile als bedroht eingestuft werden

Bonn - Die Gefährdung von Zahnwalen wie Pottwal oder Delfin hat in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen - und die größte Gefahr droht den Tieren, wenn sie als Beifang in Fischereinetze geraten. Das geht aus einem Bericht hervor, den das UNO-Sekretariat des Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten (UNEP/CMS) am Montag in Bonn vorlegt.

Es handelt sich um eine Enzyklopädie der 72 Zahnwal-Arten, die der Kieler Professor Boris Culik zusammengestellt hat. Sie enthält die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Verbreitung, das Wanderungsverhalten und die Bedrohungen für diese Unterordnung der Wale, zu der unter anderem Pottwale, Belugas, Narwale, Schweinswale und die gesamte Delfin-Verwandtschaft zählen. Insgesamt ist die Artenanzahl hier fast fünfmal so groß wie bei der Schwestergruppe der Bartenwale.

Zwei weitere Arten als "bedroht" eingestuft

Verheddern sich Zahnwale in Stellnetzen, Drähten, Ringwadennetzen oder Grundschleppnetzen, bedeutet das nach der Studie für 86 Prozent der betroffenen Tiere den Tod. Selbst wenn sie nicht gezielt gejagt werden, leiden sie unter den Auswirkungen der Fischerei. Die Überfischung ihrer bevorzugten Beutetiere führte dazu, dass 13 Arten in diesem Jahr als bedroht eingestuft wurden. Im vor zehn Jahren veröffentlichten Bericht der CMS waren es noch elf Arten.

Culik fürchtet, dass weitere Zahnwalarten aussterben werden, wenn nicht bald spürbar gegen diese Bedrohung vorgegangen werde. Der wissenschaftliche Rat von CMS hat jetzt eine Resolution zum Fischen mit Stellnetzen vorgelegt, über die im November abgestimmt werden soll. Darin wird die internationale Gemeinschaft aufgefordert, sich umgehend für eine Verbesserung der Fischereimethoden einzusetzen, um die Bedrohung der Meeressäuger zu verringern.

Aber nicht nur der Fischfang macht den Tieren zu schaffen. Wale sind auf Laute angewiesen, um unter Wasser zu kommunizieren, zu navigieren und um Beute zu finden und zu fressen. Der Mensch behindert sie dabei etwa mit seismischen Untersuchungen, Bauprojekten unter Wasser, aber auch mit militärischem Sonar. Wegen dieses Lärms gelten jetzt 24 Arten als bedroht. Vor zehn Jahren waren es zwei. (APA/red)

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12 Postings
Franz Josef Lolinger
00
24.10.2011, 21:32

2050 ist der Letzte Fisch eh aufgefressen!

fuerTiere
00
24.10.2011, 13:42
Wir nennen ihn den „Blauen Planeten“,

aber nur 1,3% der Weltmeere stehen unter Schutz – und auch das großteils nur auf dem Papier. Bei näherem Hinsehen findet man heraus, dass tatsächlich weniger als 0,1 % zu strikten Schutzzonen erklärt sind.
Jeden Tag sterben Wale und Delfine durch Schiffskollisionen, zunehmenden Unterwasserlärm, Ölkatastrophen, als Beifang in Fischernetzen und in manchen Fällen sogar an Nahrungsknappheit. Der Klimawandel könnte die Situation noch verschlimmern.
64% der Weltmeere und ein Großteil der Lebensräume von Walen und Delfinen liegen auf hoher See - außerhalb des Rechtsbereiches von Einzelstaaten. Doch hier gibt es nur sehr wenige Schutzgebiete – nämlich 5.

Roter Baron
00
24.10.2011, 12:54
forschung heißt das

wenn japanische walfänger bis zum südpol runtergondeln...

roter baron

Gianni Agnelli
00
25.10.2011, 11:55

Um wenige Exemplare einer über 300.000 Tiere zählenden Population von Zwergwalen zu jagen, richtig. Selber fischen wir (alle) die Meere leer, stopfen unser Maul mit massenproduziertem Fleisch voll, sind dann aber heuchlerisch am Raunzen, wenn andere diese ach so liaben Viecherl jagen. Soll doch mal ein Inder kommen und sich darüber beschweren, dass wir Rind essen, oder (noch schlimmer), ein Muslim, dass Schweinefleisch verzehrt wird.

Dabei informieren sich die Leute bei uns kaum. Es werden ja keine bedrohten Arten gejagt, die Fangquote ist sehr niedrig, sehr viele Japaner haben noch nie Walfleisch gegessen. Wir haben gelernt, dass Walfang böse ist, also ist das halt so.

Cthulluh
00
28.10.2011, 11:06
Nehmen sie jetzt allen Ernstes die japanischen Walfänger in Schutz?

Eine Untat bleibt eine Untat, auch wenn es gleichzeitig noch andere Untaten gibt. Es sagt ja niemand, dass die Leerfischerei der Meere OK ist, weil die bösen Walfänger noch immer unterwegs sind. Der Beifang von Delfinen im Zuge der Thunfischfanges konnte durch Druck des Konsumenten abgestellt werden. Jetzt ist der Thunfischbestand selbst gefährdet, also muss man hier Öffentlichkeitsarbeit leisten. Geld regiert nach wie vor die Welt, noch...

Gianni Agnelli
00
28.10.2011, 13:03

Es geht nicht darum, jemanden in Schutz zu nehmen. Sondern man sollte sich die Frage stellen, warum wir bei Walen so empfindlich reagieren, selbst wenn es sich um nicht gefährdete Minkwale handelt. Warum ist es eine Untat, 100 Stück einer Population >300000 zu jagen? Ich glaube, es handelt sich dabei um einen irrationalen "Mythos Wal". Ich war heuer einige Monate in Island, dort wird mit dem Thema viel rationaler umgeganen, ganz einfach auch, weil Walfang dort historisch wichtig war. Und nein, Isländer sind nicht böse, weil sie ein paar Wale töten. Aber da gibts bei uns einen riesen Aufschrei. Über Themen wie die von ihnen angesprochene Thunfische hört man fast nix, aber mit denen lässt sich eben schwerer auf die Tränendrüse drücken.

Cthulluh
00
28.10.2011, 16:31
Island hat meiner Meinung nach auch eine gesunde Einstellung

was den Walfang betrifft. Fact ist, dass die Isländer sich, wie die anderen Nationen auch, an das Moratorium halten, während Japan eine Lücke nützt und sich weder an Quoten noch an Verbote hält, da die (nachweislich zu Verzehr erlegten) Wale zu "wissanschaftlichen" Zwecken erlegt werden.

Gianni Agnelli
00
28.10.2011, 17:10
Erstmal danke, dass sie nicht einfach zu steiten beginnen, oder mich beschimpfen, weil ich nicht ihrer Meinung bin, wie es in diesem Forum leider zu oft passiert :)

Also zu Island: Die habe in den vergangenen Jahren aber auch teilweise "zu wissenschaftlichen Zwecken" mehrere hundert Minkwale gejagt, bekommen sie in Reykjavik in vielen Restaurants zu kaufen. Hier muss man sogar Japan insofern "verteidigen", als dass der Export von Walfleisch von Island nach Japan die dortige Nachfrage übersteigt. Island hat sogar >100 Seiwale getötet in den vergangenen Jahren, von denen es nur 80.000 gibt. Das alles passiert unter Protest der Weltgemeinschaft, getrieben natürlich von den Bürger, die eben den Wal lieben. MMn wäre es wesentlich vernünftiger, den Walfangnationen GERINGE Fangquoten auf nicht-bedrohte Arten zuzugestehen, denn dann ist ein Diskurs möglich und "Fang zu wiss. Zwecken" nicht nötig.

Sitacui
50
23.10.2011, 23:12

72 Arten sind schon viel. Ab und zu verschwindet eine, und dann erfindet die Evolution eben wieder eine neue. Das ist der Kreislauf des Lebens.

Fritz Meyer
00
24.10.2011, 11:24
Dann schauen wir doch mal...

wann das einmal über uns Menschen gesagt wird.

Solche wie Sie tragen ja schon eifrig dazu bei.

Fairy Tail
02
23.10.2011, 22:11
Esst verdammt nochmal Fisch von heimischen Kleinfischern und lasst den anderen Schrott im Supermarkt stehen!

Dem Meer gehts echt dreckig. =(

Weit haben wirs gebracht
00
23.10.2011, 19:39

Wie genau funktioniert das, dass "der Mensch" auf 71% der Erde nonstop mit "Bauprojekten, seismischen Untersuchungen und militärischem Sonar" für das Aussterben von Walen sorgt?

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