13 von 72 Spezies müssen mittlerweile als bedroht eingestuft werden
Bonn - Die Gefährdung von Zahnwalen wie Pottwal oder Delfin hat in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen - und die größte Gefahr droht den Tieren, wenn sie als Beifang in Fischereinetze geraten. Das geht aus einem Bericht hervor, den das UNO-Sekretariat des Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten (UNEP/CMS) am Montag in Bonn vorlegt.
Es handelt sich um eine Enzyklopädie der 72 Zahnwal-Arten, die der Kieler Professor Boris Culik zusammengestellt hat. Sie enthält die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Verbreitung, das Wanderungsverhalten und die Bedrohungen für diese Unterordnung der Wale, zu der unter anderem Pottwale, Belugas, Narwale, Schweinswale und die gesamte Delfin-Verwandtschaft zählen. Insgesamt ist die Artenanzahl hier fast fünfmal so groß wie bei der Schwestergruppe der Bartenwale.
Zwei weitere Arten als "bedroht" eingestuft
Verheddern sich Zahnwale in Stellnetzen, Drähten, Ringwadennetzen oder Grundschleppnetzen, bedeutet das nach der Studie für 86 Prozent der betroffenen Tiere den Tod. Selbst wenn sie nicht gezielt gejagt werden, leiden sie unter den Auswirkungen der Fischerei. Die Überfischung ihrer bevorzugten Beutetiere führte dazu, dass 13 Arten in diesem Jahr als bedroht eingestuft wurden. Im vor zehn Jahren veröffentlichten Bericht der CMS waren es noch elf Arten.
Culik fürchtet, dass weitere Zahnwalarten aussterben werden, wenn nicht bald spürbar gegen diese Bedrohung vorgegangen werde. Der wissenschaftliche Rat von CMS hat jetzt eine Resolution zum Fischen mit Stellnetzen vorgelegt, über die im November abgestimmt werden soll. Darin wird die internationale Gemeinschaft aufgefordert, sich umgehend für eine Verbesserung der Fischereimethoden einzusetzen, um die Bedrohung der Meeressäuger zu verringern.
Aber nicht nur der Fischfang macht den Tieren zu schaffen. Wale sind auf Laute angewiesen, um unter Wasser zu kommunizieren, zu navigieren und um Beute zu finden und zu fressen. Der Mensch behindert sie dabei etwa mit seismischen Untersuchungen, Bauprojekten unter Wasser, aber auch mit militärischem Sonar. Wegen dieses Lärms gelten jetzt 24 Arten als bedroht. Vor zehn Jahren waren es zwei. (APA/red)