Die Deutschen sind die besten Europäer

Blog | Thomas Mayer, 22. Oktober 2011, 23:04
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    foto: apa/epa

Ohne Deutschland wäre die Europäische Union rasch am Ende

Ohne Deutschland, ohne dessen riesige finanzielle Beiträge für EU-Partner wäre die Europäische Union rasch am Ende. Sie würde auseinanderfliegen, weil einige Mitgliedsländer ökonomisch und gesellschaftlich zusammenbrechen würden. Aber das passiert nicht.

Denn Deutschland tut nun das, was Altkanzler Helmut Schmidt vergangene Woche bei seiner Rundum-Schelte für Europas politische Eliten (inklusive Kanzlerin Angela Merkel) in einer großen politischen Rede zum Abschied des aus Frankreich stammenden Präsidenten der Zentralbank, Jean-Claude Trichet, in der Alten Oper in Frankfurt verlangt hat:

Es zeigt sich erstens umfassend solidarisch, indem es Partnern in der Not beisteht und Kredithilfe auf vernünftige Weise für das nächste Jahrzehnt absichert.
Und Deutschland ist zweitens bereit, in Zeiten einer echten existentiellen Krise des Kontinents über den Tag hinaus nicht nur an sich, sondern an die europäische Gemeinschaft und ihre Zukunft zu denken, indem es - ganz gegen den Mainstream und die Populisten unserer Zeit - neben der Hilfe eine substantielle EU-Reform vorschlägt; den Weiterbau; einen inhaltlich-strukturellen Umbau der Union, der die Gemeinschaft stärkt und dem Chauvinismus einzelner wie dem nationalen Egoismus entgegentritt.

Das ist nicht gerade wenig. Das muss auch einmal festgehalten werden. Und es gilt schon mitten in dem am Freitag angelaufenen EU-Jumbogipfel, der nach Dauerverhandlungen auch der Finanz- und Außenminister ja erst am kommenden Mittwoch mit einem Euro-Gipfel auf höchster Ebene der Staats- und Regierungschefs en detail entschieden werden wird.

Samstagabend. Soeben ist die deutsche Kanzlerin Kanzlerin in Brüssel eingeflogen, trifft sich mit den konservativen Regierungs- und Parteichefs zur Vorbesprechung, später dann mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und Kommissionschef José Manuel Barroso, zum Austausch.

Außenminister Guido Westerwelle flog umgekehrt gerade wieder weg aus der EU-Hauptstadt, Finanzminister Wolfgang Schäuble führt noch Gespräche mit seinen Eurokollegen.

Ist das zu dick aufgetragen, auch wenn es von einem Nichtdeutschen aus einem kleinen Land kommt?
Durchaus nicht. Dafür gibt es gute Gründe. Sie sind zunächst in den inhaltlichen Festlegungen zu finden, die bereits vorliegen: Schäuble hat erfolgreich den Versuch Frankreichs abgewehrt, für Hebelgeschäfte in Billionen-Dimensionen zum Aufkauf von Staatsanleihen von Schuldenstaaten die Zentralbank einzuspannen, den Euro also zum "politischen Geld" zu machen.

Danke, die Inflation ist schon hoch genug! Gleichzeitig macht er dabei mit, den Griechen mehr als bisher zu helfen, indem deren drückende Schuldenlast durch höhere Privatgläubigerbeteiligung reduziert wird. Viele Details müssen noch verhandelt werden, aber es sieht entgegen allen Unkenrufen (auch bei der Bankenkapitalisierung) nicht so schlecht aus, wie manche Panikmacher und -schreiber behaupten.

Noch eindrucksvoller lässt sich die konstruktive Haltung Deutschlands aber bei der Notwendigkeit einer EU-Reform zeigen. Westerwelle hat den Partnern am Nachmittag vorgeschlagen, den EU-Vertrag dahingehend zu ändern, dass die Rolle der EU-Kommission gegenüber den Staaten gestärkt wird, wenn es darum geht, deren fiskalische Exzesse einzubremsen. Gleichzeitig soll der Europäische Gerichtshof dabei als oberster Schiedsrichter eine Rolle bekommen und die Nationalstaaten verurteilen dürfen, wenn die die Euro-Stabilität gefährden. Und die Reform soll mit dem EU-Parlament gemeinsam in einem Konvent erarbeitet werden, also öffentlich und nicht im stillen Kämmerlein zwischen Ministern und Regierungschefs. Das verdient eben Lob. Was wäre die Union ohne die braven Deutschen?

Die Gegenprobe: Nur wenige EU-Staaten sprechen sich für EU-Reformen aus, auch Österreich nicht, wenn man den dürren Worten folgt, die Außenminister Michael Spindelegger und Regierungschef Werner Faymann dazu einfallen. Der Kanzler scheint überhaupt ganz auf die Finanztransaktionssteuer fixiert, sie kommt praktisch in allen seinen Wortmeldungen zur Union und zur Krise vor.

Und die anderen EU-Staaten? Belgien, einst EU-Musterland, hat 400 Tage nach den Wahlen noch immer keine neue Regierung, die Slowakei sucht derzeit eine Übergangsregierung, Spaniens Premier Zapatero bangt seiner Abwahl entgegen. Portugal, Griechenland, Irland kämpfen gegen die Pleite, haben also andere Sorgen. Die Briten wollen die EU rückabwickeln, Kompetenzen in die Nationalstaaten zurückbringen. Die finnische Regierung lässt sich von den rechtsgerichteten "wahren Finnen" treiben, in Dänemark arbeitet sich gerade die neue Premierministerin ein. Frankreichs Nicolas Sarkozy pendelt zwischen Babybesuch und dem Versuch, Milliardenschulden der Banken irgendwie nach Europa zu bringen bzw. sich auf den Wahlkampf 2012 vorzubereiten, über Silvio Berlusconi und Italien sollte man besser schweigen. Bleibt Viktor Orban in Ungarn, bleiben Rumänien und Bulgarien. Nur Polens Premier Tusk, soeben eindrucksvoll wiedergewählt, erweist sich als glühender Europäer.

Die Lage Europas ist also nicht leicht im Moment. Wie gut also, dass es die Deutschen gibt. (22.10.2011)

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cincinpiefke
00
7.11.2011, 23:04
Unfassbar

Leute lasst das doch bitte, ich kann mit Lob nicht umgehen, als Deutscher bin ich richtig erstaunt über die vielen positiven Reaktionen unserer Nachbarn über uns. Das ist völlig ungewohnt, so was kennen wir hier kaum. Uns wird ja nachgesagt, sehr diszipliniert und Pflichtbewusst zu sein, leider bekommt man dafür nie Lob, nicht mal von den eigenen Vorgesetzten. Seine Pflicht zu tun, ist bei uns leider meistens selbstverständlich, so das man nur Ärger bekommt, wenn man dies mal schleifen lässt, aber Lob? Ne, ne, hört auf damit liebe Nachbarn, beschimpft zu werden ist uns viel vertrauter. ;-)
Ich glaube auch nicht, das die Britten eure Einschätzung teilen, obwohl die Engländer (Angel-Sachsen) ja auch von germanischen Volksgruppen abstammen.

censeo
51
24.10.2011, 23:34
Naturgemäß...

..sehen das die Briten und Franzosen anders und auch genug Österreicher...

censeo
40
24.10.2011, 23:00
Naturgemäß...

...sehen das Briten und Franzosen anders...

nik73
02
24.10.2011, 21:21
für mich gilt,

je weiter nördlich und auch östlich, umso lustiger sind die deutschen und vor allem den ostösterreichern mental nicht unähnlich, das ist zumindest meine erfahrung aus berufsjahren in deutschland und mit deutschen arbeitskollegen in österreich. die süddeutschen wiederum sind den westösterreichern sympathischer. also paßt es eh irgendwie mit den ösis und den piefkes....-))
inzwischen mag ich sie ganz gern...

senfspender
010
24.10.2011, 18:53
Endlich Mal ein objektiver Artikel...

...über D in einem Ösi-Blatt. Ja es stimmt: Wir sind die Schönsten, Größten und Besten und dazu noch so bescheiden und sympathisch !

Bitte bewerten Sie mit "rot"
010
24.10.2011, 17:53
Ohne die Deutschen gäbe es Europa in der Form nicht

Nette Menschen und Idioten gibt es überall. Aber von der Mentalität her, sind die Deutschen ein tolles Volk. Pünktlich, zuverlässig, gnadenlos ehrlich und direkt (weshalb sie im angelsächsischen Raum oft als "rude" bezeichnet werden - weil sie eben nicht so verlogen, oberflächlich, zuckersüß sind).
Wenn ein Deutscher dich anlächelt, dann meint er es ernst ;)

peter schmidt
 
00
2.11.2011, 16:29
Wenn ein (nord) deutscher Dich anlächelt

kommt in wenigen Sekunden ein Heiratsantrag. Insoferne meinen die das dann wirklich ernst. Wir waren mal in Norddeutschland geschäftlich tätig und haben dort den Damen Sekretärinnen Blumen, Konfekt etc. geschenkt. Die waren total fertig und aus dem Häuschen. Sowas ist denen vorher ein Leben lang nicht passiert.

Protheus
 
02
25.10.2011, 19:30
Bin ganz bei Ihnen.

Habe in meinem Leben bisher sehr gute Erfahrungen mit Deutschen gemacht. Das triezen mit Pifkies und Schluchtenscheißer gehört zwar dazu, daran merkt man aber auch, dass die Deutschen, oft ähnlich uns Österreichern, einen derben Humor pflegen.

dschoka
02
24.10.2011, 16:35

und tollen Fußball spielens auch!

don't follow me
21
24.10.2011, 16:38

Besonders der FC Bayern München - besteste Verein von Überhaupt. Die würden sogar Barca und Real schlagen.. nur halt.. Hannover ned. :)

senfspender
00
26.10.2011, 16:48
Daran erkennst du...

...daß Hannover an Real und Barca vorbeigezogen ist...

Nicolas Castillo
03
24.10.2011, 15:09
Liebe Lieblingsnachbarn ...

ihr habt Recht, ich kann euren Ärger verstehen.

Wir sind nicht nur Schuld daran, dass die Griechen nix als Oliven ernten, nein, auch für das italienische Staatsdefizit zeichnen wir uns mitverantwortlich. Ebenso liegt es an uns, dass sich dieses kleine Irland selbst an die Wand gefahren hat, und wenn in Paris bald die Lichter ausgehen, ja, das waren wir dann auch. Ganz zu schweigen von Kriegen, Klimawandel, moderner Sklaverei und Naturkatastrophen, alles unser Verdienst.

Eigentlich sind wir Deutschen doch so richtig mies.

cannery row
00
24.10.2011, 15:07
wenn das so ist..

bin ich dafür, neben waldviertler-, burgenländer-. und sonstigen wochen auf dem rathausplatz auch eine deutschlandwoche zu installieren - mit eisbein, königsberger klopsen und dem leiwanden deutschen dünnbier, von dem man so viel trinken kann.
das ist das mindeste.

Jürgen Rembremerding
13
24.10.2011, 16:03
Da spricht ein ehrlicher Mann!

Nicht jeder bekennt so offen, seinen Heimatbezirk niemals verlassen zu haben!

Araquin
1313
24.10.2011, 14:35
Ist das das Ergebnis von zu viel deutschem Privatfernsehkonsum?

Nicht nur gibt's nur mehr "Jungs" und "nen" und "das Teil" und "lecker", jetzt kommen auch noch solche unqualifizierten Lobhudeleien.

Die Deutschen, wie alle anderen in Europa, machen das, was ihnen selbst nützt. Da ihre Banken ordentlich mit drinnenhängen in dem Schlamassel, rettet man die, die diese runterziehen können.

Hätten die Deutschen keine Angst vor einem Dominoeffekt, täten sie nichts.

Und da ich beruflich zu 95% mit ihnen zu tun habe: Ihre mangelnde Korrumpierbarkeit und ihr fehlendes Intrigantentum sind erfreulich.

Humor und Selbstironie haben sie mit wenigen Ausnahmen jedoch nicht drauf. Und das kann sehr, sehr "dröge" sein.

dieter tafel
11
24.10.2011, 15:07

Naja wobei es mittlerweile schon auch ein paar vereinzelte Ecken gibt(Berlinumgebung, Hamburg) mittlerweile, wos auch ab und zu ein bissl ironischer zur sache geht. Nicht Wien aber durchaus zum aushalten mMn.

politisch verfolgt
14
24.10.2011, 13:05
den deutschen

konnte man immer schon recht leicht jeden quatsch einreden. die geschichte zeigt es.

Konopke
00
26.10.2011, 14:59

Das ist wahr. Hoffentlich hat man ihnen diesmal zur Abwechslung etwas Gutes eingeredet. Ich finde "Mutti" Merkel macht ihrem Spitznamen alles Ehre: sie hält den (Europa-) Laden zusammen.

Rudi Nierlich
52
24.10.2011, 11:42

... ihr sozialwirtschaftliches Engagement kann man wirklich hervorheben! ... Überheblichkeit und Kritiksucht gehen aber leider oft bei den Ds mit einher.

durchausbeinander
112
24.10.2011, 10:28
Ich find einfach nur

dass sich die Deutschen in den letzten 20 Jahren zu einer tollen Nation entwickelt haben.

sebaestschn ...
12
24.10.2011, 13:16
sehe ich aus so...

der kleine bruder darf den großen bruder ruhig loben.

Ich bin der Meinung, dass die EU vor allem durch die wirtschaftlich stärksten Länder in Zentraleuropa zusammengehalten wird. dazu gehören für mich vor allem die Benelux-Länder, DE, AT und auch (Nord-)Italien - wenn man sich die landkarte ansieht, geht der wirtschaftsmotor im herzen europas schon weit über die grenzen de's hinaus. Frankreich ist für mich der Junior-Partner, weil es würde nicht gut aussehen, wenn die grande nation nicht mitreden darf. nicht zuletzt, CZ und PL mausern sich hier auch ebenfalls zu wirtschaftmotoren, sodass Zentraleuropa an sich eigentlich das ganze am dampfen erhält. der rest europas ist leider ein bissi peripherie und absatzmarkt.

Ich Bins6
24
24.10.2011, 10:35

was wiederum viele selber Deutsche aber nicht so sehen...

carl guggelhupf
32
24.10.2011, 10:10
Mir wird Deutschland immer peinlicher

Gut, einige sind noch geistig aktiv, immerhin, aber der Großteil ist wie im Beton. Lassen sich Stück für Stück entmündigen, aber gehen nicht auf die Strasse obwohl es bei locker 40 Millionen Bürgern weder vorne noch hinten reicht zum Leben. Grauenhaft.

Nicolas Castillo
00
24.10.2011, 14:34
ja genau, so um mich rum ...

nagt jeder Zweite am Hungertuch. Ist wirklich nicht zum Aushalten.

der Pott kocht
02
24.10.2011, 13:39

das war Ironie mit den 40 Mio., oder?

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