Staatsschuldenkrise

Quacksalber am Krankenbett der Eurozone

Kommentar der anderen | Franz R. Hahn , 21. Oktober 2011, 19:11
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    foto: apa/patrick pleul

    Die gängigen EU-Arzneien gegen das Staatsschulden-Virus sind kontraindikativ, sagt Wirtschaftsforscher Hahn. Sein Gegenrezept: gleichzeitige Entschuldung von Banken und Regierungen.

Warum der Euroraum mit ständig neuen Finanzspritzen auf Pump nicht zu retten ist - Von Franz R. Hahn

Warum der Euroraum mit ständig neuen Finanzspritzen auf Pump nicht zu retten ist - und mit Reichensteuern schon gar nicht: Schuldenbrevier für verantwortungsvolle Staatenlenker in sehr ernsten Krisenzeiten.

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Die gegenwärtige europäische Staatsschuldenkrise begann 2008 als nationale Immobilienkrise in den USA, mutierte danach zur Finanz- und Bankenkrise (Lehman-Pleite), schwappte kurz darauf auf Europa über und infizierte dort die bereits immungeschwächten europäischen Banken. Diese verseuchten - gemeinsam mit einer veritablen Rezession - die ohnehin fragilen Randzonen des Euro-Raums mit dem Schulden-Virus so massiv, dass sie ohne intensivmedizinische Unterstützung durch Europäische Zentralbank (EZB), Währungsfonds (IWF) und EU-Kommission am Rand des Exitus stünden.

Nun erleben wir eine weitere Mutation dieses Virus, das ein Schulden-Rezidiv im europäischen Bankensektor auslöste, an dem nunmehr die gesamte Eurozone laboriert (und daran zugrunde zu gehen droht).

So oder so ähnlich würde sich eine Anamnese der gegenwärtigen Finanz- und Staatsschulden-Panfluenza aus Euro-medizinischer Sicht lesen.

Trügerische Hoffnungen

Die Therapien, die bisher zur Anwendung gelangten, waren und sind nicht geeignet, dem grassierenden Schuldenvirus den Garaus zu machen. Der Bailout der europäischen Banken wurde 2008 von den Euroländern auf Pump finanziert, ohne dass sich die Banken gezwungen sahen, "clean house" (Bilanzputz) zu machen. Der Bailout von Portugal, Irland und letztlich von Griechenland durch den europäischen Rettungsschirm EFSF bzw. von den Euroländern direkt wird ebenfalls auf Pump (Garantien, Anleihen) finanziert (werden). Dies führt zu immer komplexeren Verschuldungskaskaden in den öffentlichen und privat(bank-)wirtschaftlichen Sektoren im Euro-Raum.

Die Gefahr dabei ist, dass sie und damit der Euroraum mangels Substanz implodieren (werden). Es ist zu befürchten, dass dies nicht mehr allzu fern ist.

Die Verschuldungskrise in Europa hat eine Dimension erreicht, wo das traditionelle Arsenal an wirtschaftspolitischen Interventionsmaßnahmen (Konjunkturpakete, expansive Geldpolitik) wegen Wirkungslosigkeit kontraindikativ geworden ist. Exzessiver Einsatz dieser Instrumente verschlimmert die verfahrene Situation noch mehr.

Die verzweifelte Hoffnung der europäischen Politiker und vieler "Krisenexperten", dass lang ersehnte institutionelle Innovationen (europäische Wirtschaftsregierung, Fiskal- und Transferunion, Europäischer Währungsfonds, europäische Finanztransaktionssteuer etc.), hastig zurechtgezimmert, Europa geeint und gestärkt aus der Krise herausführen können, ist nicht nur eine trügerische, sondern eine höchst gefährliche. Dadurch wird das Problem auf eine Ebene verlagert, von der mit Sicherheit keine rasche Lösung erwartet werden kann.

Europa bzw. seinen politischen Spitzen fehlt es, neben geeigneten Institutionen, an allem, was für gemeinsames, kompetentes und vor allem rasches Krisenmanagement nötig wäre: Willensstärke, Kompetenz, Entschlossenheit und Mut.

Wie bei jeder Infektionskrankheit verschlimmern sich auch Verschuldungskrisen, je länger die wirksame Therapie auf sich warten lässt. (Wer rasch therapiert, heilt doppelt wirksam). Finanzmärkte werden immer volatiler und instabiler, weil sich die seriösen Investoren zurückziehen und das Feld jenen überlassen, die nur für eines sicher sorgen, einen schlechten Ruf und hohe Marktineffizienz. Überhöhte Risikoprämien, schwache Liquidität und Attentismus prägen das Geschehen auf den Finanzmärkten und steigern dadurch die Krise ins Unerträgliche.

Die Banken stellen sich bei der kleinsten Unsicherheit tot und bleiben prophylaktisch gleich dauerhaft am Tropf der Notenbanken. Unternehmen agieren übervorsichtig und verschieben sinnvolle Investitionen in die Zukunft. Private Haushalte konsumieren noch weniger und sparen noch mehr, obgleich der ruhige Schlaf (auf den Geldpölstern) sich längst nicht mehr einfinden möchte. Das ist der Nährboden für das Entstehen von Folgerezessionen, die rasch zu einer Depression degenerieren (können).

Die Therapie, die dem ein Ende setzen kann, ist radikal, schmerzhaft und stellt einige Anforderungen an die Robustheit des Patienten. Wenn die Krankheit "Überschuldung von Banken und Staaten" heißt, dann muss die Therapie "Entschuldung von Banken und Staaten" heißen. Staaten und Banken müssen gleichzeitig ihre Verschuldungspositionen rasch und nachhaltig so stark reduzieren, dass sich Real- und Finanzwirtschaft durch solide privatwirtschaftliche und öffentliche Schuldverhältnisse wieder ergänzen, und nicht durch höchst unsolide, wie gegenwärtig, wechselseitig paralysieren.

Massensteuern erhöhen

Beide Sektoren gleichzeitig zu entschulden bedeutet, beide Seiten gleichzeitig mit ausreichend (Eigen-)Kapital auszustatten. Dies kann nur dann rasch erfolgen, wenn die Euro-Regierungen die aufkommensstarken Massensteuern (das sind zumeist Mehrwertsteuer und Einkommenssteuer) in ihren Ländern temporär so stark erhöhen, dass sie ihre Banken durch frisches staatliches Eigenkapital zum umfassenden Bilanzputz verpflichten und gleichzeitig die öffentlichen Verschuldungspositionen soweit zurückfahren können, dass die Finanzmärkte - durch Rückkehr der seriösen Investoren - Effizienz und Funktionsfähigkeit (zum Nutzen aller, also auch der Euroländer) wiedererlangen.

Das setzt voraus, dass die Euro-Regierungen fähig und willens sind, in ihren Ländern den nationalen Schulterschluss zu suchen und auch zu finden (idealerweise mit Opposition und Gewerkschaften). Es setzt auch voraus, dass sie fähig und willens sind, sich langwierigen und zeitraubenden Verteilungs- und Gerechtigkeitsdebatten, vor allem jedoch der S-Frage (Wer ist schuld an der Krise ist?) zu entziehen.

Ebenso sollten sie sich Steuerexperimenten und neuen, unerprobten Steuern verweigern, vor allem dann, wenn zu deren Einführung ein hoher Administrations- und Koordinationsaufwand erforderlich ist (Vermögenssteuern, Finanztransaktionssteuer).

Wird dieses kleine Brevier die Politiker endlich zu einer verantwortungsvollen Krisenpolitik bewegen? Natürlich nicht (bzw. hoffentlich nicht, werden sich vielleicht viele Leser wünschen)!

Europäische Krisenpolitik mit Quacksalbermethoden wird so weiter betrieben wie bisher - nicht, weil Politiker befürchten, dass eine Schocktherapie den Weg zum Abgrund eher verkürzt (Verschärfung der Rezession durch Steuererhöhung) anstatt verlängert, sondern weil Politiker, auch wenn "blöd und feig", auf alle Fälle schlau genug sind, sich nur gegenüber ihrer Klientel verantwortungsbewusst zu verhalten, und nicht gegenüber dem Staatsganzen. Ersteres lässt auf Wiederwahl hoffen, letzteres ist ein gesichertes Ticket für die Reise ins politische Nirwana. Und welcher Politiker will da schon hin. (Franz R. Hahn, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.10.2011)

FRANZ R. HAHN ist Wirtschaftsforscher in Wien und legt Wert auf die Feststellung, dass er für die Abfassung dieses Beitrags ausnahmsweise kein Zeilenhonorar von den Reichen und Superreichen bezogen hat.

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00
2.11.2011, 21:27

... dass sie ihre Banken durch frisches staatliches Eigenkapital...

woher nimmt aber der Staat das Geld um sich an den Banken zu beteiligen ? Steuern erhöhen wird wegen der aktuell hohen Steuerquote nicht funktionieren und enteignen der Bürger dürfte auch nicht das Mittel der Wahl sein.

Dagmar Rehak Wien
 
11
3.11.2011, 19:20

Er borgt es sich von ihnen aus.

ela vie
00
2.11.2011, 14:10
gegenwärtige europäische Staatsschuldenkrise begann 2008

dem kann ich leider nicht zustimmen, denn über den äusserst bedenklichen zustand griechenlands hat die deutsche regierung zumindest schon seit 2004 bescheid gewusst und versucht, das irgendwie zu umschiffen, um die eigenen interessen deutschlands zu wahren. so aber auch die franzosen. und seit zwei jahren versucht man wieder nur den eigenen kopf aus der schlinge zu ziehen und wir damit immer mehr mit sich reissen.

Oddo Wolf
00
3.11.2011, 22:09

Beim Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems, das nach dem Zweiten Weltkrieg neu geordnete internationale Währungssystem von festen Wechselkursen, das vom goldhinterlegten US-Dollar als Leitwährung bestimmt war, wurden die bereits die Weichen gestellt.

Durch ständige Defizite in der amerikanischen Zahlungsbilanz, welche durch den Vietnamkrieg angeheizt wurde, konnten die USA der vorgesehenen Goldeinlösepflicht nicht mehr nachkommen. Damit brach das System fester Wechselkurse zusammen. Das internationale Vertrauen in die Werthaltigkeit des Dollars ist gesunken, die US-Inflation und Zinsen sind gestiegen. Die Geldmenge=Kredit wurde so aufgebläht, daß die gesamte Weltwirtschaft die Zinsen ohne Neuverschuldung nicht mehr bedienen kann. >Crash

da Novak
01
24.10.2011, 12:31
PANIK - zurück in die Steinzeit - mit höheren Seuersätzen!

Zahlreiche Ökonomen, u.a. am WIFO, entwickeln Steuermodelle, die uns von unserer jetzigen arbeits- und konsumgebundenen Besteuerung hin zu einem ressourcensteuernden Steuersystem bringen soll. Nun, erste tatsächlich tiefgreifende Krise des Euro und wir sollen die vorgestrigen Steuersysteme intensivieren? Ganz zu schweigen von der beschlossenen und wohl nie umgesetzten Transaktionssteuer und Vermögenssteuern, die uns wieder an OECD-Standard anschließen ließen.

Als langjähriger WIFO-Mitarbeiter hat Kollege Hahn doch sicher ebenfalls beobachten können, dass mit Ausweitung bestehender Steuereinnahmen die Ineffezienzen der bestehenden Fiskalstrukturen nur weiter zementiert. Und die schärfste Ineffezienz ist nun die Subventionierung der Banken.

Josef Mayer4
00
23.10.2011, 18:55
Da ich ein durchschnittlicher Dumpfdödl bin und Berge von Schulden sehe...

... kann ich mir irgendwie nicht vorstellen ob, und wenn ja wie, und bis wann, die jemals zurückgezahlt werden.
Ich würde gerne einen Experten fragen wie das funktionieren soll, leider sind es aber die Experten selbst die diese Berge verursacht haben.
Andere Dumpfdödls zu fragen bringt auch nichts, daher geh ich mal einfach davon aus, dass alles irgendwann, irgendwie zusammenbrechen wird.

Is da draußen irgendwer - aber bitte kein Experte - der mir sagen kann was dann danach kommt?

Lupus67
00
23.10.2011, 19:18
es geht immer weiter

bestes beispiel ex-jugoslavien.

wirklich schlimm ist es nur für die, die vom system leben. politiker, pensionisten, beamte die sonst nichts können.
und die, die sich zu 100% aufs "amerikanische" leben eingestellt haben (elektroheizung, 27. liftstock-apartment, wegwerfgesellschaft die nicht einmal einen knopf annähen kann)

alle anderen werden halt in schweinehälften, brotlaiben, oder sonst was bezahlt. schlimmstenfalls kann man dann sicher noch söldner bei raiffeisen (tschuldigung, dem "nachfolgestaat") werden.

Josef Mayer4
00
23.10.2011, 19:39
hmmmmm...

.... danke für diese "expertise"

Lupus67
00
23.10.2011, 20:02

na glauben sie dass es anders kommt? gerade unsere nähere nachbarschaft hat gezeigt, was passiert wenn ein staat zusammenbricht.

nicht gezählt werden dürfen die "scheinblasen" slovenien und kosovo, deren "fortschritt" ja rein durch die eu finanziert wurden (und hypo-raiffeisen, was aber eh wieder der steuerzahler mitträgt). und kroatien lebt auch nur vom tourismus der eu-länder.

Josef Wöss
00
23.10.2011, 18:04

da würde sich der schweinegrippevirus aber freuen, wenn die staaten so krank sind, dass sie sich keine präventivmaßnahmen mehr leisten können - wieder mal eine historische chance für die rückkehr der naturgewalten...

fyi
00
23.10.2011, 14:18
2 Anmerkungen

- "Der Nährboden für das Entstehen von Folgerezessionen" liegt meines Erachtens tiefer: im ungelösten Überschuldungsproblem.

- Auf die "S-Frage" im Text sollte eine weitere S-Frage (System) folgen.

Dr. Dieter Zakel MA
 
04
23.10.2011, 12:47
"The lender of the last resort"

ist nach wie vor der Steuerzahler und Bürger. Und der wird durch verschiedene Mittel enteignet werden, damit die Politiker wieder Bewegungsraum für das erhalten was sie als Einziges können: Das Geld fremder Leute ausgeben.

AlliGator
00
23.10.2011, 15:50

Endlich mal jemand, der das erkannt hat.

Geschäftsmodell der Politiker ist es, Geld auszugeben das ihnen nicht gehört.

Jetzt basteln alle an einem Rettungsschirm, der den Mythos der "unsinkbaren Staatsanleihen" retten soll, damit die Politiker weiter Schulden machen können.

Wird alles nicht funktionieren.

mikromalist
 
11
23.10.2011, 11:56
Ich habe 100mal gegen die Botoxoekonomie

angeschrieben. Aber das ist jetzt alles Wurscht. Es brennt, es brennt, .. und das hauptsächlich weil wir in der Zwischenzeit glauben es brennt unloeschbar.

Es hilft jetzt nichts mehr, wenn Feuerwehrleute, Sprengexperten, Katastrophenschützer und Zuseher beisammen hocken und sich gegenseitig mit guten Ratschlägen überbieten - von nieder brennen lassen bis eigene Häuser isolieren.

Es geht jetz nur mehr mit Zusammenstehen, gemeinsamem Löschen (mit Löschschaum, Wasser, .. und nicht mit Kerosin) und gemeinsam wieder aufbauen.
Nur DADURCH entsteht wieder Vertrauen.
Und DANACH nie wieder Botoxoekonomie.
Und DANACH nie wieder Kapitalismus ohne Adjektive mit und ohne Steuergeld ...

rundinho
11
23.10.2011, 11:53

Auch wenns mich ideologisch anstinkt, grundsätzlich keine schlechte Analyse.
Was der Autor allerdings nicht sehen will, ist die Tatsache, dass nicht nur Finanzmärkte sondern auch der Massenkonsum ein wichtiger und sensibler Faktor in unserer Wirtschaftswelt ist. Ohne glaubwürdigen (zumindest zukünftigen) Beitrag der Kriesengewinnler der letzten Jahre an den Kosten werden neue Massenbelastungen bestenfalls zur Konsumverweigerung führen - schlechtestenfalls zu ernsthaften sozialen Problemen.

Stiffelio87
01
23.10.2011, 11:09

Meint der Autor des Artikels das ernst:
"Ebenso sollten sie sich Steuerexperimenten und neuen, unerprobten Steuern verweigern, vor allem dann, wenn zu deren Einführung ein hoher Administrations- und Koordinationsaufwand erforderlich ist (Vermögenssteuern, Finanztransaktionssteuer)."
Als hätt's Finanztransaktionssteuer und Vermögenssteuer noch nie gegeben?

Ist der ganze Artikel samt Nachsatz zur Person des Autos Ironie?

Errorrrrrr
22
23.10.2011, 11:17

he franzi, schreib an artikel in dem du sagst das nur die erhöhung der UST uns helfen kann. i gib da egal wie lang der artikel is 10 mille dafür.
aber schreib am schluß:
FRANZ R. HAHN ist Wirtschaftsforscher in Wien und legt Wert auf die Feststellung, dass er für die Abfassung dieses Beitrags ausnahmsweise kein Zeilenhonorar von den Reichen und Superreichen bezogen hat.

Big Bad Bank
05
23.10.2011, 10:58
Mann oh Mann

Wollen wir mal hoffen, dass niemand in der Politik auf diesen Herren hört.

Es ist wirklich unfassbar, wie hier "Lösungen", die auf überhaupt keinen seriösen volkswirtschaftlichen Theorien basieren, als große Weisheit verkündet werden.

Die Krankheit, Herr Hahn, heisst nicht "Überschuldung". Die Krankheit heißt "Strukturkrise des Euro, hervorgerufen durch eine Finanzkrise, die durch mangelnde Regulierung ausgelöst wurde".

Auch schön, dass es ein notwendiger Bestandteil der "Therapie" ist, dass man nicht mehr fragen darf, wer an dem ganzen Saustall eigentlich schuld ist! Echt eine Heuchelei obersten Ausmaßes, Herr Hahn.

amused8
19
23.10.2011, 09:52
Um in einem Staat ein Geldsystem einzuführen, muß zuerst Geld emitiert werden. Zwei Möglichkeiten. Fall a ist feudalistisch, nicht nachhaltig. In einer echten Demokratie sollte es nur Fall b geben. Nicht vergessen: Geld ist ein öffentliches Gut!!

a) Vermögende gründen Privatbanken, vergeben Kredite (also Geld) an Vermögende gegen Vermögenssicherheiten, kassieren für den Kredit Zins und Zinseszins. In diesem System müssen alle Vermögenslose für die Vermögenden arbeiten, um zu Geld zu kommen, Zins und Zinseszins erwirtschaften. Das ist unser heutiges System, da die Staaten ihr Geldschöpfungsmonopol nicht wahrnehmen.

b) der Staat in Vertretung aller Bürger emitiert Geld. Geld das der Staat selbst braucht, ist schulden- und zinsfrei. Kredite werden wie jetzt vom Staat an die Bürger gegen Sicherheiten vergeben. Zinsen sind nur noch Steuerungselemente der umlaufenden Geldmenge, dienen nicht wie unter a) dem Profit.
Verfassungsgesetze verhindern einen inflationären Mißbrauch (Monetative).

x
00
2.11.2011, 23:16

...Geld das der Staat selbst braucht, ist schulden- und zinsfrei...

Sobald ein Staat direkt auf die "Gelddruckmaschine" zugreifen kann ist der nächste Schritt unweigerlich eine Hyperinflation. Egal welche Gesetze man da zur Verhinderung eines inflationären Missbrauchs machen will. Man denke an diverse 'Schuldenbremsen' in verschiedenen Ländern die dann einfach immer wieder aufs hinaufgesetzt werden.

Dagmar Rehak Wien
 
00
3.11.2011, 18:21

Warum sollte der Staat ungehemmt Geld drucken?
Und wann ist das vorgekommen mit dem inflationären Missbrauch und der Schuldenbremse, und wer hatte da das Geldschöpfungsrecht?

x
00
3.11.2011, 21:04

was würde Griechenlands Regierung in der jetzigen Situation tun ?

Steuern erhöhen, Staatsausgaben immer weiter reduzieren, Beamte kündigen, trotz Streiks, Widerstand der Gewerkschaften, ... oder einfach Geld "drucken" (wenn sie es könnten) ?

Was glauben sie würde ein Staat tun ?

Dagmar Rehak Wien
 
00
4.11.2011, 09:11

Ein Medium in den Staat stellen, in dem sich Werte ohne Reibungsverluste bewegen können.

sensortimecom
01
23.10.2011, 10:29
Funzt nicht

Das ist MMT ("modern monetary theory").

Funktioniert aber nur solange, als du als emittierender Staat vom Nachbarstaat, der deine Fähigkeit zur Emittierung WERTHALTIGEN(!) Geldes anzweifelt, die Glaubwürdigkeit mit "schlagkräftigen" Argumenten untermauern kannst. Wenn er das trotzdem nicht kapiert;-) und wenn deine Währung gegenüber der Nachbarwährung absauft, musst du mit militärischen Mitteln nachhelfen...

Vergiss das. Das System ist auch als "Chartalismus" bekannt und hat schon zu vielen Kriegen geführt...

amused8
01
23.10.2011, 11:10

Unsinn. Kriege, weil man die Gold brauchte um die Währung zu stützen bzw. um mehr Geld emitieren zu können, hat es zu Hauf gegeben (Beispiele: Römisches Reich, Eroberung Lateinamerikas durch Spanien auf der Suche nache dem Goldland - Eldorado) Abwertungen von Währungen im Fiat Geldsystem sind normal, in Europa vor dem Euro hat es viele gegeben. Niemand ist wegen einer Abwertung in den Krieg gezogen!!!

Und wenn sie schon MMT ansprechen. Die sagen ja zu Recht, dass ein Land, um mit seiner Währung auf sicherer Seite zu sein

a) das Geldmonopol selbst wahrnehmen muß
b) kein Handelsbilanzdefizit aufweisen darf

a) und b) gilt zum Beispiel für China. Die rollen damit die Weltwirtschaft von hinten auf.

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