Eine EU-Volksabstimmung in Österreich?

Kolumne | Hans Rauscher, 21. Oktober 2011, 19:08

Es könnte ein Referendum über einen neuen EU-Vertrag geben, das wohl auch ein Referendum über die EU selbst wäre

Mit einiger Beklommenheit betrachten die Freunde eines vereinten Europa die kommenden Tage, an denen nun endlich der große Plan (zur Rettung Griechenlands, der anderen Wackelkandidaten, Banken und eben des Euro) von den europäischen Führungspersönlichkeiten geschmiedet werden soll.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht unwichtig, was der österreichische Regierungschef in diesem Zusammenhang denkt, auch wenn Österreich angeblich oder tatsächlich in der EU nicht viel einbringt. Unter Umständen könnte das darauf hinauslaufen, dass Werner Faymann sein Versprechen an den inzwischen Verstorbenen Krone-Herausgeber Hans Dichand vom 26. Juni 2008 einlösen will/muss. Es könnte ein Referendum über einen neuen EU-Vertrag gaben, das wohl auch ein Referendum über die EU selbst wäre.

Faymann hatte damals gemeinsam mit dem Gerade-noch-Bundeskanzler und -SPÖ-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer einen Leserbrief an Dichand geschrieben, in dem er versprach, "dass zukünftige Vertragsänderungen, die die österreichischen Interessen berühren, durch eine Volksabstimmung in Österreich entschieden werden sollen". Abgesichert wurde diese einmalige Verpflichtung einem Zeitungs-Tycoon gegenüber auch noch durch einen SPÖ-Parteivorstandsbeschluss. Und letztlich dürfte der Coup für die ÖVP den Ausschlag gegeben haben, die Koalition zwei Wochen später aufzukündigen.

Vor wenigen Tagen nun reagierte Kanzler Faymann am Rande einer Veranstaltung auf eine Frage nach den nächsten Schritten im Euro-Drama gegenüber einigen Journalisten so: Es sei ja die Rede von einer europäischen "Wirtschaftsregierung", die stärker in die Budgethoheit der Euroländer eingreifen könne; er schien dieser Idee nicht negativ gegenüberzustehen. Er würde dann allerdings ein Referendum abhalten.

Wenig später sagte der Finanzsprecher der SPÖ, Jan Krainer, zum Kurier, ein "neuer EU-Vertrag dieses Inhalts werde ohne Volksabstimmung nicht möglich sein". Am Donnerstag schließlich antwortete Faymann auf eine Dringliche Anfrage des BZÖ, er stünde einer "Volksabstimmung prinzipiell positiv gegenüber, sollte es zu einem Reformvertrag mit wesentlichen Änderungen kommen, also z. B. Kompetenzen an eine EU-Wirtschaftsregierung abgegeben werden müssen".

Ob und wie bald eine Wirtschaftsregierung wirklich kommt, ist reichlich unklar. Dass es zu einer engeren Kooperation kommen wird müssen, um weitere griechische Tragödien zu verhindern - unter der Voraussetzung, dass die aktuelle Krise irgendwie bewältigt wird - ist aber ziemlich sicher.

Wirtschaftsregierung bedeutet automatisch Vertragsänderung. Faymann scheint nun davon fix auszugehen - und vielleicht eine solche Volksabstimmung geradezu herbeizuwünschen. Zur persönlichen Profilierung? Er müsste allerdings gewaltig über sich hinauswachsen - und seine berühmten Kontakte zu den Massenzeitungen gewaltig strapazieren -, wenn er eine solche Volksabstimmung gewinnen will. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.10.2011)

Kommentar posten
14 Postings
world-citizen
00
22.10.2011, 14:03
Ich bleibe dabei ..............

........... daß europäische Angelegenheit auf europäischer Ebene bestimmt werden sollten. Wenn man dazu das Volk befragen will, dann eben das gesamte europäische Volk.
Demos und Ethnos sind zwei völlig verschiedene Paare Stiefel.

http://www.wohnsitzbuergerschaft.blogspot.com/

der schwitzbär der schwitzt sehr
01
22.10.2011, 00:13
es wird keine Volksabstimmung geben

die würde unzweifelhaft verloren gehen, also wird es keine geben

Man wird uns erklären, daß man tolle Kompromisse ausgehandelt hat, die eine Ratifizierung rechtfertigen - und das gemeine Volk diese Dinge eh nicht beurteilen kann

Bei der Abstimmung im Parlament wird dann wieder herauskommen - aka Interviews der Abgeordneten vor der Lissabonvertrag-Abstimmung - daß 90% der Abgeordneten keinen blassen Schimmer haben, worüber sie da abstimmen, sondern "den Experten vertrauen"

Somit werden wir wieder durch die Entscheidung von ein, zwei Dutzend Naivlingen in die Katastrophe geführt

NB: Die tollen "Kompromisse", wie Transitvertrag, Veto-Möglichkeit und "der Schilling bleibt" - werden auch diesmal ein paar Jahre danach still & leise entsorgt

Franz Reisl
24
21.10.2011, 21:46
Die geplante Fiskaluniun halte ich für eine Fäkalunion.,.

Schwarz Grün
00
22.10.2011, 08:46
das zeigt primär ,,,,

in welchen "geistigen" kategorien sie denken

Friederich Adalim
00
22.10.2011, 07:43
Soll jetzt wirklich, das, was Sie denken, reden und im Kopf haben...

...als Muster für die EU herhalten? Oder habe ich Sie da missverstanden?

Hausmeister und Bruder vom Lugner
10
21.10.2011, 21:41
Unsere bestens informierte und sachlich sattelfeste Bevölkerung wird sicherlich zum Wohle aller abstimmen!

Wie man hört will Berlusconi seine Partei umbenennen. Sollten seine Landsleute über ein ähnlich ''gutes'' Langzeitgedächtnis wie die unsrigen verfügen, dann darf er bei der nächsten Wahl mit mindestens 100 Prozent rechnen!

Im übrigen sollten wir in einem Land das von Krone und Heute dominiert wird (wo keiner weiß, wer die wirklichen Eigentümer sind) auch über Kultur und andere Dinge im Sinne des guten, alten österreichischen ''Zawos brauch ma des'' mindestens einmal wöchentlich über etwas abstimmen!

Und statt des Bundesadlers sollten wir das Konterfei des Herrn Karl ins Parlament hängen: Gott schütze Österreich vor seinen Bewohnern!

Pierre d´Aubusson
12
21.10.2011, 21:33
Die Volksabstimmung

über die Änderungen der Bundesverfassung wegen des EU-Beitritts fehlt ohnehin noch.
Wird jeder sagen, daß da ja garnichts geändert wurde. Sage ich: ja, noch ärger! Da gibts einen Gesetzgeber, der bestimmt, was alles in österreichisches Recht umgesetzt werden muß. Und wenn es dann plötzlich Verordnungen von Außerhalb gibt, die in österreichische Verordnungen münden, die aber keine österreichische Gesetzesgrundlage haben, dann fällt mir auf, daß Dollfuß wenigstens das Kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz als Legitimation, als Rechtsstaatlichkeitsnachweis hatte...

Toni Meister
00
21.10.2011, 21:00
Die angedachte Wirtschaftsregierung...

...besteht bekanntlich aus 4 Koordinierungs-Sitzungen pro Jahr. So wird die Volksabstimmung m.E. gekonnt ausgewichen.

Bauti
05
21.10.2011, 19:34

Lieber Herr Rauscher, ich bin kein Freund unseres HBK, aber ich darf Ihnen als Jurist versichern, dass eine Änderung der Verträge wie sie jüngst angedacht wird, nun einmal nach unserer Bundesverfassung einer Volksabstimmung bedarf.

Ggg14
00
21.10.2011, 21:22

Jurist oder nicht. Wir wissen alle, wie schwammig in Österreich Gesetze formuliert sind. Wo eine wesentliche Änderung der Verfassung beginnt, kann niemand allgemeingültig definieren.

myschkin
22
21.10.2011, 20:07

http://ahriman.com/ketzerbri... /kb148.htm

¦Max Roth
Moloch’s Ableger
Warum Iren, Holländer und Franzosen gut daran tun,
die EU, so wie sie ist, abzulehnen
.....
?Exkurs: Demokratie und Rechtsstaat, Verfassung und Gesetz, nationales Recht und internationales Recht
?Wurde die EU im Vergleich zur alten EWG »demokratisiert«?
?Ist der deutsche Abschluß des Lissabonner Vertrages ein Verfassungsbruch?
?Was steht im Lissabonner Vertrag?
- Das Europa der Regierungschefs
- Das Europa der Selbstermächtigung
- Das Europa der Hungersanktionen, das Europa der NATO-Hilfstruppen
- Das Europa des Willkürstrafrechts, das Europa der Polizei
- Das Europa des Kapitals, das Europa der Lohndrückerimporte
.....

Stimme des Volkes
23
21.10.2011, 19:34
Volksbefragung zur EU wird leider nie kommen

Denke mal, dass jede Art einer Volksbefragung zum Thema EU oder ähnliches leider nie kommen wird, da sich die EU-Politiker dann alle neue Jobs suchen müssen.
Das wissen die genau und daher wird es dazu leider nie kommen.
Die Bevölkerung wird nicht nocheinmal so dumm sein sich belügen zu lassen!

Peter Widzky
11
21.10.2011, 20:04
du meinst sich nocheinmal belügen lassen....

ich verweise hier einfach mal auf den berühmt-berüchtigten ederer tausender

zimbo
 
10
21.10.2011, 19:50
Wir d wahrscheinlich unter "Bussibärlifreiheitsklausel" laufen.

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