Die Behauptung der ÖVP, Moser sei "belastet", ist eine hinterfotzige Niederträchtigkeit
Gabriela Moser reagierte entrüstet. Niemals habe sie vor einer Gesetzesänderung Kontakt zur Telekom gehabt, beteuerte die grüne Anwärterin auf den Vorsitz im kommenden Untersuchungsausschuss. Was der Lobbyist Peter Hochegger da behauptet, sei eine blanke Unterstellung, ein "Vorwurf aus dem blauen Himmel".
Eine verunglückte, weil überhitzte Replik. Was, bitte, ist verwerflich daran, wenn sich eine einschlägig spezialisierte Abgeordnete mit Vertretern eines Infrastrukturkonzerns austauscht? Moser wäre eine schlechte Volksvertreterin, unterhielte sie nicht Kontakte zu Gott und der Welt. Dazu zählt, sich Anliegen von Wirtschaftsbossen anzuhören.
Zum Skandal würden Mosers Connections dann, hätte sie sich von der Telekom bestechen oder einkochen lassen: Mit Geld, Geschenken oder Einladungen zu exquisiten Jagdausflügen. Solange diesbezüglich aber nichts vorliegt, ist die Behauptung der ÖVP, Moser sei nun "belastet", eine hinterfotzige Niederträchtigkeit. Der Verdacht der Grünen liegt nahe: Die Schwarzen wollen lästige, investigativ begabte Fragesteller aus dem Ausschuss katapultieren.
Agiert so eine Partei, die volle Aufklärung will? Fast hätte man der ÖVP diesen Anspruch abgenommen, stimmte sie doch als erste Regierungspartei einem umfassenden Ausschuss zu; offenbar ein Irrtum. Wer Licht ins skandalöse Dunkel bringen will, sollte sich die Angeklagten zur Brust nehmen - und nicht die Ankläger. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.10.2011)