Diskussion

Pressefreiheit in Europa: "Ein ständiger Kampf"

21. Oktober 2011, 18:45

Aktuelle Entwicklungen in Europa belegen, dass Meinungsfreiheit ein ebenso kostbares wie zerbrechliches Gut ist

Wien - Warum sollte sich jemand für Pressefreiheit interessieren, wenn er oder sie nicht Journalist ist? Die Frage stellte Klaus Unterberger vom ORF-Zentrum für Public Value seinen Gästen Donnerstag im Studio 3 des Wiener Funkhauses: "Die Freiheiten, die wir in Westeuropa für selbstverständlich halten, sind in Gefahr, wenn Pressefreiheit bedroht ist", antwortete Anthony Mills von der Pressefreiheitsorganisation IPI.

Aktuelle Entwicklungen in Europa belegen, dass Meinungsfreiheit ein ebenso kostbares wie zerbrechliches Gut ist. Das zeigt sich vor allem beim ungarischen Mediengesetz: Um vergleichbar restriktive Regelungen zu finden, müsse man "bis nach China gehen", sagte Steve Hewlett, Gastgeber des BBC-Magazins The Media Show. Nicola Frank von der European Broadcasting Union kritisierte mangelnden Quellenschutz und die Zusammenlegung von Nachrichtenagentur und dem von der Regierung bestimmten öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

"Im Moment ist die Situation ruhig", sagte der ungarische Medienrechtsexperte Márton Nehéz-Posony. Sorge bestehe dennoch, aufgrund "der Möglichkeiten, die die Regierung zum Eingriff hat".

Verfolgte Journalisten

Um die Beschädigung der Pressefreiheit fürchten die Diskutanten nicht nur in Ungarn: Die Abhöraffäre führe in Großbritannien zu einer Vertrauenskrise in Medien. In Portugal stehe das öffentlich-rechtliche Fernsehen vor der Privatisierung, Frankreich werde ebenfalls von einem Abhörskandal erschüttert, große Defizite gebe es in Russland, Weißrussland, Bosnien, Kosovo und Mazedonien. "In der Türkei sitzen dutzende Journalisten wegen der Ausübung ihres Berufs im Gefängnis", sagte Mills. In Bulgarien, Griechenland und Irland habe es Anschläge auf Leib und Leben von Journalisten gegeben.

Und Österreich? Wie ist mit Begehrlichkeiten von Parteien umzugehen? Medien müssten versuchen, klarzumachen, für welche Werte sie letztlich stehen, sagte Frank: "Das ist ein permanenter Kampf". (prie, DER STANDARD; Printausgabe, 22./23.10.2011)

Hinweis
"Dialogforum" am 24. November um 22.30 Uhr in "Klartext" auf ORF 3 am Sendeplatz von TW 1.

JosyH1
01
23.10.2011, 19:17
Die lieben Medien lassen sich aber auch für genehme Berichterstattung mit Medienkooperationen durch die Regierungen kaufen und erpressen mit negativer Berichterstattung diese auch

Sie sind in Privatbesitz und als vierte Macht im demokratischen System keinerlei Qualitätskontrolle außer der Gewinnmaximierung verpflichtet.

Also bei aller Wichtigkeit der Medienfreiheit - ein Großteil der Probleme unserer derzeitigen REgierungsform rührt ebenfalls von mangelnder Qualitätssicherstellung.

Dabei müsste es nicht um Journalistenverfolgungen gehen sondern um empfindliche Strafen für Kampagnenjournalismus, zu einseitige Darstellungen, Nichterfüllung von Qualitätsstandards bei der Recherche/ zu hoher Anteil an Falschinformationen... etc. etc.

-ev. in Abhängigkeit von Auflage/ Zusehern und Umsatz. Prüfen müssten weiungsunabhängige Gerichte wie auch bei den anderen drei politischen Machtbereichen (Indik. Exik., Judik.)

Erwin Wolfram
00
23.10.2011, 12:58
...

wie wichtig die presse und pressefreiheit ist kann man wohl im internet sehen und zwar daran wie viele menschen unbezahlt dafuer arbeiten, weil die journalisten aus monetaeren und leistungsgruenden unfaehig sind brennende themen aufzunehmen, oder erst nach 20 jahren...

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