"Wir müssen Party machen"

21. Oktober 2011, 18:34
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Vor laufender Kamera schütten sich Jugendliche in der Dokusoap in Landdiscos zu - Das sei "nicht nur Vergnügen", sagen vier von ihnen

Wien - Nein, erklären können sie den Erfolg nicht. "Keiner von uns hat damit gerechnet", sagt Spotzl. Dem Publikum gefalle, "dass wir so authentisch sind", sagt Eigi. "Wir spielen nichts", stimmt Pichler zu. Und Molti: "Wir zeigen, wie es in der Jugend zugeht."

Quotenerfolge

Zum mittlerweile fünften Mal feiert ATV Quotenerfolge mit dem Kollektiv "Molti, Spotzl, Pichler und Eigi", abgekürzt "MSPE", in Saturday Night Fever. Die Dokusoap über feuchtfröhlich-feiernde Jugendliche zwischen 18 und 21 ist das, was die Bildungselite gemeinhin unter "Unterschichtenfernsehen" versteht: Abgebildet wird Abendgestaltung mit Extras, die in der Zielgruppe als wichtig gelten: Alkohol, das andere Geschlecht und einen Slang, der sich durch möglichst schlankes Repertoire auszeichnet. Bei "MSPE" reduziert sich dieses in Momenten höchster Aufregung - etwa wenn im Discogewummer milieuverwandte Röhrljeansträgerinnen ("Weiber", "Kleschn", "Fotzn") sich vor ihnen aufbäumen - auf zwei Worte: "Voigas!" und "Oida!".

"Nicht nur Vergnügen"

Ausgestattet mit diesem Handwerkszeug erleben die vier gegenwärtig persönliche Höhepunkte. Ihre Berufe haben sie aufgegeben. Mit Manager besuchen sie abseits des Drehs weitere Discos zwischen Adlwang und Finkelham und verfügen über knapp 35.000 Fans auf Facebook. Das ist "nicht nur Vergnügen", sagt Spotzl. Zur Belustigung seien sie bis zu 50 Stunden pro Woche unterwegs. Fürs Kommen und Gröhlen zahlen die Discobesitzer, von ATV gibt es kein Geld. Für die vier ein klarer Deal: "Ohne ATV gäb's keine Auftritte. Mit den Shows bleiben wir im Gespräch", sagt Spotzl.

Keine Vorgaben

"Angefangen hat es bei uns in der Hausdisco in St. Pölten", erzählt Molti. "Einer von unseren Freunden ging bei minus zwei Grad im Brunnen baden. Dem Redakteur fiel meine große Klappe auf. Wir tauschten Nummern. "

Außer dem Drehort gebe es keine Vorgabe von ATV, sagt Eigi: "Es passieren auch so genug kranke Sachen." Den unausgesprochenen Auftrag zum Saufen erfüllen die vier gern: "Sicher, wir müssen Party machen. Aber das würden wir ohne Kamera genauso", sagt Spotzl. "Wir trinken gerade so viel, dass wir gut drauf sind", sagt Eigi. Dass die Definition dehnbar ist und im TV heftiger wirkt, akzeptieren sie: "Was rüberkommt und tatsächlich ist, sind zwei Paar Schuhe."

"Es ist Unterhaltung"

Dass Kritiker der freizügige Umgang mit Alkohol vor der Kamera entsetzt, verstehen sie nicht. Molti: "Jeder macht das. Der coole Onkel Charlie sauft sich auch die Hucke voll. Es ist Unterhaltung."

Was, wenn ATV kein Interesse mehr hat? "Das lassen wir auf uns zukommen. " - "Mit 30 Frau und Kind." - "Chef von einer hohen Firma." Zurück in den alten Beruf, Elektriker, Maurer oder Mechaniker? "Sehr unwahrscheinlich." (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 22./23.10.2011)

  • Spotzl, Molti, Pichler, Eigi.
    foto: standard/urban

    Spotzl, Molti, Pichler, Eigi.

  • "Wir zeigen, wie es in der Jugend zugeht." Wer es wirklich so genau wissen will, 
schaut dienstags auf ATV "Saturday Night Fever - So feiert Österreichs Jugend".
    foto: atv

    "Wir zeigen, wie es in der Jugend zugeht." Wer es wirklich so genau wissen will, schaut dienstags auf ATV "Saturday Night Fever - So feiert Österreichs Jugend".

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