Eta schwört dem Terror ab

Baskischer Schachzug

Kommentar | Gianluca Wallisch, 21. Oktober 2011, 18:18

Die nach hunderten Festnahmen personell und auch in der Volksmeinung geschwächte Eta wittert nun Morgenluft

Einen Gewaltverzicht hatte die baskische Untergrundorganisation Eta schon öfter verkündet - und dann doch nicht eingehalten. Nun gelobt sie, dem Terror "definitiv" abzuschwören. Natürlich handelt es sich nicht um einen Gesinnungs-, sondern um einen wohlkalkulierten Strategiewandel zur Erreichung derselben Ziele: Entscheidend war, dass das baskische Wahlbündnis Bildu bei den spanischen Kommunal- und Regionalwahlen im Mai überraschend antreten durfte und prompt 25 Prozent der Stimmen einfuhr. Batasuna und andere politische Tarn-Organisationen der Eta waren bisher stets verboten worden.

Die nach hunderten Festnahmen personell und auch in der Volksmeinung geschwächte Eta wittert nun Morgenluft - auch für die Parlamentswahl am 20. November: Der Gewaltverzicht könnte sich als schlauer Schachzug erweisen, um Bildu in eine Machtposition zu manövrieren.

Umfragen zufolge würden die oppositionellen Konservativen siegen; sie waren aber stets beinharte Gegner der Eta. Sollten hingegen die Sozialisten von Alfredo Pérez Rubalcaba ihren überraschenden Höhenflug fortsetzen können und sollte Bildu eine ähnliche Performance wie auf Kommunalebene hinlegen, könnte das sozialistische Wahlbündnis aus dem Baskenland tatsächlich zum machtpolitischen Zünglein an der Waage werden, noch dazu auf nationaler Ebene. Andernfalls könnte die Eta ebenso schnell wieder zur Gewalt greifen, wie sie ihr abgeschworen hat. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.10.2011)

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20 Postings
Wolfgang Gleich
 
23
23.10.2011, 09:11
Baskenland - Kosovo

Warum gewährt man dem Kosovo, was man dem Baskenland vorenthält? War es nicht das Franco-Regime, dass dem Baskenland die Autonomie wieder wegnahm? Und hat sich ETA nicht deshalb gegründet, um von diesem Regime die Autonomie wieder zu erkämpfen?

Porqué no te callas?
00
7.11.2011, 16:12

"Warum gewährt man dem Kosovo, was man dem Baskenland vorenthält?" - weil das baskenland aber auch sowas von gar nichts mit dem kosovo gemein hat. dieser vergleich ist oberflächlich und töricht.

mica he
11
23.10.2011, 14:02
Nein: ETA wollte nie die Autonomie,

die das Baskenl. seit Ende der 70er Jahre bereits hat. Eine sehr umfangreiche Autonomie übrigens mit eigener Steuerhoheit usw. (deutlich umfangreicher, als andere Autonomien in Spanien und anderswo).
Im Gegensatz zum Kosovo
a) gehen erstens die Grenzen des von ETA erträumten unabh. "Baskenlandes" weit über die derzeitigen Grenzen der auton. Region hinaus (mindestens doppelt so groß)
b) sind die Anhänger der Unabhängigkeit auf bestimmte Gebiete konzentriert und hätten selbst in der autonom. Region nur eine knappe Mehrheit, ganz zu schweigen von Navarra, frz. Baskenland...
Eine Unabhängigk. wäre
a) ein Zeichen, dass man mit Terror Forderungen durchbringen kann
b) ein Ausliefern von fast 50% der bask. Bevölk. (bzw. je nach Gebiet auch mehr)

mica he
00
22.10.2011, 19:34
Das hätte ich mir ja denken können,

dass mein Vorposting nicht veröffentlicht wird.
Kritik an so einer Pseudoanalyse im Standard ist unzulässig...

mica he
05
22.10.2011, 18:46
Das ist keine Analyse

sondern absoluter Schwachs* und überdies eine grobe Verleumd*g der spanischen Sozialisten, die der Autor mit tendenziösen Formulierungen in ein Naheverhältnis zu den baskischen Radikalnationalisten ("sozialistische Wahlbündnis aus dem Baskenland") stellt.
Der Autor hat nicht nur keinen Schimmer von den Verhältnissen im Baskenland und in Spanien, er reproduziert auch (unreflektiert?) die Propaganda des rechten Flügels der spanischen PP (= extreme Rechte), die den span. Sozialisten Verhaberung mit den bask. Radikalnationalisten unterschiebt.
Ich finde es unglaublich, dass so eine "Analyse" in einer Zeitung wie der Standard erscheint.

na ja,...wenn´s so is.
20
22.10.2011, 22:25
blödsinn!

der pp ist genausowenig rechtsextrem wie der psoe linksextrem.
und wer glaubt schon den worten von ein paar vermummten die sowieso ins gefängnis gehören. ist ja nicht das erste mal das diese verbrecher
waffenstillstand, usw anbieten.

mica he
00
23.10.2011, 13:49
Der rechte Flügel des PP steht weit rechts

und hat u.a. lange behauptet, hinter dem 11. M 2004 sei ETA mit Unterstütz. des PSOE gestanden, um die PP-Reg. zu stürzen.
Jetzt wieder: die Ankündigung der Aufgabe der Terroranschläge sei nur dazu gedacht, den schon sicheren Sieg des PP bei den komm. Wahlen zugunsten des PSOE zu verh. und dann vom PSOE Zugeständnisse dafür einzuholen (siehe auch obige "Analyse"...)
Dabei wird ausgeblendet, warum ETA die Terroranschläge aufgeben will (polizeil. Erfolge, ständig nachlassende soziale Unterstützung im Baskenland, polit. radikalnat. Führung für Schwenk, ETA-Gefangene mehrheitl. für Schwenk etc.)
Polit. Zugeständnisse vom PSOE wird es dafür sicher keine geben (der PSOE war auch nie ETA-freundl., zahlr. PSOE-Mitgl. wurden von ETA ermordet...)

Uschi Grandel
 
27
22.10.2011, 02:04
Wenn man näher hinschaut ...

All die Versuche, den Schritt der ETA als wahltaktisches Manöver zu verstehen, sind nicht haltbar. Grund für die Erklärung der ETA ist die Friedensinitiative der baskischen Linken, die vor zwei Jahren begann. Damals stand einWahltermin noch überhaupt nicht fest.
Stattdessen basiert die Friedensinitiative auf der Überzeugung, dass eine Lösung des Konflikts nur friedlich, durch Dialog, zu erreichen ist. ETA hat das Ende ihres bewaffneten Kampfes erklärt, um diese Strategie zu unterstützen. Es ist an der Zeit, dass auch die spanische Regierung staaatlichen Terror im Baskenland ad acta legt.

yomellamo
31
22.10.2011, 20:38

... sie sind schon unglaublich naiv ;)

Affe&Affe
21
22.10.2011, 09:45
...ja, eh... Abgesehen davon, dass die ETA in und für sich eine Schande für das Abendland ist.

Schnurz Homunculus
11
22.10.2011, 17:33
?????????????

Was ist schandbar daran, wenn man seine eigene Identität behalten will?

PS: zeigen Sie diesen Kommentar der Frau Sterkl und sie wird sich freuen, dass so "ausländerfreundliche" Kommentare hier abgedruckt werden.

na ja,...wenn´s so is.
00
22.10.2011, 22:55
äh,.. vielleicht kann man

morden, entführen, bomben legen, erpressen, u.a. ein bisschen schandbar nennen?

yomellamo
12
22.10.2011, 21:15

die identität der ETA ist, dass sie eine mordende bande ist. Und das ist nicht schützenswert.

Die identität der Basken wird durch die ETA nicht vertreten, jedenfalls nicht jene der Mehrheit der Basken. Die ETA stößt auch im Baskenland selbst nur auf ganz ganz wenig Sympathie.

Stephen Dedalus
23
22.10.2011, 14:23
genauso wie jene Abteilungen der spanischen Polizei,

die nachweislich während des "incommunicado" (der bis zu zweiwöchigen Phase nach Festnahme in Spanien, während der der Festgenommene keinen Anwalt und kein Familienmitglied sehen darf) nicht nur nachgewiesene ETA-Terroristen, sondern auch immer wieder unschuldige, aber "irgendwie verdächtige" Basken foltern, um Geständnisse zu erpressen (ja das kommt noch heute vor, und nein das sind keine Einzelfälle, sondern das ist ein absichtlich so aufgebautes System...).

Solange ein "Rechtsstaat" so etwas nicht unterbindet, wird es immer irgendwelche Spinner geben, die dann ebenfalls mit Gewalt bzw. im Extremfall Terror darauf antworten.

Archi
01
23.10.2011, 17:27

ich hab keine ahnung von den spanischen verhältnissen, aber wenn es wirklich so abläuft wie von ihnen beschrieben, kann man auch ihrer schlussfolgerung mit den spinnern nur zustimmen...

na ja,...wenn´s so is.
00
22.10.2011, 22:59
die eta antwortet nicht

auf gewalt,.. sie verursacht sie!

Stephen Dedalus
11
23.10.2011, 10:01
Die systematische Unterdrückung der baskischen Kultur

durch den spanischen Staat, die sich z.B. auch in den von mir genannten Polizeistrukturen manifestiert, kann man historisch schon sehr lange beobachten, viel länger als die ETA existiert.

Aber ich gehe davon aus, dass Sie das nicht hören wollen, weil es ist ja viel einfacher, schwarzweiss zu denken: Staat und Polizei automatisch gut (auch wenn sich beide einen Schmarrn um Gesetze scheren), und schon Verdacht auf Widerstand dagegen automatisch schlecht (auch wenn dann gelegentlich ein paar Unschuldige gefoltert werden).

Ich habe volles Verständnis dafür, dass nicht jeder intellektuell in der Lage ist, auch die vielen Nuancen zu verstehen, die in der realen Welt zwischen gut und böse existieren...

Porqué no te callas?
00
7.11.2011, 16:18

"Ich habe volles Verständnis dafür, dass nicht jeder intellektuell in der Lage ist, auch die vielen Nuancen zu verstehen, die in der realen Welt zwischen gut und böse existieren..." - naja mehr als du denkst. wenn das für dich eine großartige erkenntnis ist dann ist es mit deinen intellektuellen fähigkeiten nicht weit her.

und dass der "spanische staat" die baskische kultur zerstört ist ein schauermärchen. am besten fährst du mal hin und überzeugst dich davon. wenn du keine angst vor der realität hast...

Kohlhaas1
10
22.10.2011, 14:00
Da hast du Recht , aaaaber : es ist genauso eine Schande, wenn man denen dasabsolute Selbstbestimmungsrecht verwehrt.

UND das gilt nicht nur für Spanien.
Baskengebiete gibt´s nämlich auch in Frankreich.

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