Schulden: Griechen werden 100 Milliarden los

21. Oktober 2011, 17:58
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Eurozone bereit zu weiterem Nachlass

Brüssel - Griechenland kann damit rechnen, dass die Partnerländer der Eurozone der Regierung in Athen deutlich entgegenkommen und Schulden in einer Größenordnung von mehr als 100 Milliarden Euro erlassen. Das zeichnete sich Freitag bei den Euro-Finanzministern zum Auftakt des Jumbo-Gipfels in Brüssel ab, der Sonntag im Kreis der EU-Staats- und Regierungschefs fortgesetzt wird. "Man sollte in eine Gegend kommen, wo der italienische Schuldenstand liegt, das sind 120 Prozent des BIP, also des Bruttoinlandsprodukts", hieß es in deutschen Regierungskreisen.

Der Gesamtschuldenstand Griechenlands betrug 2010 noch 144 Prozent (siehe Grafik), dürfte aber nach einer starken Rezession heuer auf mehr als 160 Prozent ansteigen, 360 Milliarden Euro. Ein "sanfter" Schuldennachlass wäre für Athen eine große Erleichterung, auch wenn er von einem Schnitt von 50 oder gar 60 Prozent - wie mancherorts gefordert - weit entfernt wäre. Frankreich und die Zentralbank wehren sich gegen allzu große Nachlässe. Inwieweit private Gläubiger, die Banken, dabei beteiligt werden, muss nun erst noch ausgehandelt werden. Jedenfalls sollen sie auf mehr als jene 21 Prozent ihrer Forderungen verzichten, die sie im vergangenen Juli bereits zugestanden haben.

Die Basis: Am Montag soll der Bericht der EU/IWF-Troika zur Schuldentragfähigkeit Griechenlands fertig sein. Davon hängt dann auch ab, ob die sechste Hilfstranche aus dem Rettungsfonds, acht Milliarden Euro, ausbezahlt wird, was aber als wahrscheinlich gilt. (tom, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.10.2011)

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