Die Internationale Schutztruppe Kfor versuchte am Donnerstag eine von 16 Barrikaden abzubauen, die Serben im Nordkosovo errichtet haben
Die Spannung in dem Gebiet hat erneut zugenommen.
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Mit "Hajde!" - auf Deutsch "Gemma!" - fordern die Leute vor der großen Brücke in Mitrovica Journalisten nachdrücklich auf, sich zu schleichen. Im hauptsächlich von Serben besiedelten Teil der Stadt ist erhöhte Spannung zu spüren. Aus Lautsprechern schallt die serbische Nationalhymne. Die Menschen, die vor der Barrikade am Fluss Ibar sitzen, sind zornig und ängstlich.
Am Donnerstag versuchten deutsche und österreichische Einheiten der Kfor vor dem Dorf Jagnjenica die Barrikaden, die zuletzt von Serben aufgebaut wurden, abzureißen. Die Kfor setzte Tränengas ein, um die serbischen Demonstranten zu vertreiben - an vorderster Front standen Frauen. Bei der Konfrontation wurden etwa 20 Serben sowie zwei österreichische und sechs deutsche Kfor-Soldaten durch Rauch und Tränengas leicht verletzt.
Die Straße war am Freitag allerdings noch immer nicht offen. Die serbischen Demonstranten harrten weiter aus. Die Kfor hatte in der Zwischenzeit aber die "alternativen" Straßen und Wege, auf denen man bisher die Barrikaden der Serben umfahren konnte, gesperrt. Der Nordkosovo war damit praktisch völlig unerreichbar.
Trotz Verhandlungen zwischen der Kfor und den Bürgermeistern der vier serbischen Gemeinden konnte keine Einigung zum Abbau der Barrikaden erreicht werden, obwohl auch die serbische Regierung in Belgrad Bewegungsfreiheit für die Kfor und die EU-Rechtsstaatsmission Eulex einfordert. Die Serben im Nordkosovo spielen da allerdings nicht mit. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen ihnen und der Kfor geht also in eine nächste Runde.
"Die Kfor vereint uns" , sagt der serbische Staatssekretär Oliver Ivanović ziemlich gelassen in seinem Büro in Nordmitrovica. Er sieht dabei zu, wie die internationale Schutztruppe "in der Falle" sitzt und nennt klare Bedingungen für den Abbau der Barrikaden: Die Kfor dürfe nicht mehr wie bisher den Transport von kosovarischen Zöllnern an die beiden Grenzübergänge im Norden unterstützen - die Zöllner werden jeden Tag per Helikopter an die Grenze gebracht. Zweitens dürfe auch die Eulex nicht an die Grenze gebracht werden, falls diese den kosovarischen Zöllnern hilft, an die Grenze zu kommen. Drittens dürften keine kosovo-albanischen Polizei-Spezialeinheiten in den Nordkosovo kommen.
Die Kosovo-Serben bestehen darauf, dass die Situation an der Grenze wieder so wird wie vor dem 25. Juli, also ohne kosovarische Zöllner. Maßgebliche europäische Staaten und die USA unterstützen allerdings die kosovarische Regierung dabei, dass die Grenzen kontrolliert werden, nachdem auch ein Zollabkommen zwischen Belgrad und Prishtina erreicht werden konnte.
Die Kosovo-Serben unter der Führung von Ivanović sind bereit, wieder den von der EU moderierten Dialog mit Prishtina zu unterstützen, falls ihre Bedingungen erfüllt werden. Entscheidend sind für sie nicht Belgrads Parolen, sondern ihr Sicherheitsbedürfnis.
In Mitrovica waren am Donnerstag die Sirenen von Krankenwagen nicht zu überhören. Ein Kosovo-Albaner hatte in dem Dorf Dobrusa einen Serben erschossen und zwei weitere Serben angeschossen. Es handelte sich um eine Familie, die aus Serbien in ihr altes Dorf nahe Peja/Pec zurückgekehrt war. Dort bebaute allerdings der mutmaßliche Täter seit Jahren illegal das Feld, das den Serben gehört. Als diese ihn nun aufforderten, das Land zurückzugeben, holte er sein Gewehr und schoss. (Adelheid Wölfl aus Mitrovica /DER STANDARD, Printausgabe, 22.10.2011)