"Kniefall" vor FPÖ und BZÖ

Rückzieher beim Verhetzungsparagrafen

21. Oktober 2011, 17:20
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    foto: standard/corn

    Ein breiter anwendbarer Paragraf gegen "Verhetzung" als der bisher geltende wurde Justitia ausgeschlagen. Im Vorfeld hatten FPÖ und BZÖ laut Ängste um die Meinungsfreiheit geäußert.

Der Paragraf, der Minderheiten gegen Verhetzung schützen soll, wird doch nicht verschärft - Experten sehen "Verwässerung"

Wien - Zusammen mit dem Terrorpräventionsgesetz hat der Nationalrat am Mittwoch auch die Strafbestimmung gegen Verhetzung novelliert: SPÖ und ÖVP stimmten für den neuen Wortlaut von Paragraf 283 im Strafgesetz, der feindliche und bedrohliche Aufrufe gegen Minderheiten mit bis zu zwei Jahren Haft bedroht.

Doch besagter Wortlaut wurde durch einen rot-schwarzen Abänderungsantrag in allerletzter Minute modifiziert. Auf eine Art und Weise, die Verfassungsrechtler Bernd-Christian Funk von einer "Entschärfung der ursprünglichen Absichten, Minderheiten umfassender zu schützen" sprechen lässt. Während Grünen-Justizsprecher Albert Steinhauser gar einen "Kniefall von ÖVP und SPÖ vor FPÖ und BZÖ" sieht.

Zwar würden im Verhetzungsparagrafen jetzt sämtliche schützenswerte Gruppen aufgezählt, von ethnischen Minderheiten hin zu Homosexuellen, erläutert Steinhauser: So, wie es der Europarats-Rahmenbeschluss gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit verlangt. Doch die Hetze-Tatbestände seien im Vergleich zur Regierungsvorlage eingeengt worden. Auch die Anti-Rassismus-Organisation Zara und die Homosexuelle Initiative (Hosi) kritisieren eine "Verwässerung" der neuen Bestimmung.

"Feindseligkeit" straflos

Konkret ließen SPÖ und ÖVP zuletzt etwa den Passus aus dem Paragrafen streichen, laut dem - neben "öffentlich breit wahrnehmbaren" Aufrufen zu Gewalt - auch Aufrufe zu "sonstigen feindseligen Handlungen" strafwürdig sein sollten. "Ein Wahlslogan wie 'Lasst keine Fremden ins Land!' rückt damit aus dem Bereich des möglicherweise Strafbaren wieder heraus", kommentiert Verfassungsrechtler Funk. Auch die Strafbarkeit von Hetze gegen Einzelne wurde wieder entfernt. Und im Fall einer "Beschimpfung" muss nun bewiesen werden, dass sie in Absicht des "Verächtlichmachens" geschah, um sanktioniert zu werden.

FPÖ und BZÖ hatten bereits im Vorfeld vehement gefordert, dass der Verhetztungsparagraf nicht härter gefasst werden dürfe. Im Justizausschuss am 5. Oktober zitierte FPÖ-Mandatar Peter Fichtenbauer aus einem Blogeintrag von Ex-Presse-Chefredakteur Andreas Unterberger. Dieser glaubte in der Regierungsvorlage "teuflisch viele Ähnlichkeiten mit dem Ermächtigungsgesetz in Deutschland 1933" zu finden. Die Meinungsfreiheit sei in Gefahr.

Rot und Schwarz gaben der Regierungsvorlage im Ausschuss trotzdem ihren Sanktus. "Danach haben wir Überzeugungsarbeit betrieben", schildert Fichtenbauer. SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim stellt das anders dar: In "internen Diskussionen" seien Rot und Schwarz zum Schluss gekommen, "dass dieses Gesetz nicht zu scharf werden darf". (Irene Brickner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.10.2011)

Kommentar posten
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Harry Y.
 
32
24.10.2011, 19:46

User @Chien de pique macht sich Sorgen um die Anwendung eines erweiterten Verhetzungsparagraphen (das ist der, den wir nicht kriegen) durch einen blauen Justizminister (und um die, äh, Meinungsfreiheit). Ich darf ihm/r entgegnen, dass eine mögliche Anwendung durch einen schwarzen Justizminister nicht gar so weit davon entfernt sein muß. Wie wir schon gesehen haben.

Chien de Pique
00
27.10.2011, 15:20

Ja, stimmt. Und?

Promille Prolet
16
24.10.2011, 14:05
seid ihr eigentlich alle blind

politiker sind eine minderheit
hetze gegen politiker ist bald strengstens verboten

auch beamte sind eine minderheit

vor ein paar jahren ist die kirche mit ihrem versuch, den hader für seinen comic zu verfolgen, abgeblitzt. gott sei dank, möchte man ironisch sagen. aber wie würde das heute ausschauen? und wie in ein paar jahren?

und wozu das alles? damit niemand unliebsame tatsachen über eine einzige ganz bestimmte religion ausspricht, weil jeder vor der reaktion der gläubigen dieser (an sich ja friedlichen) religion mehr angst hat als der teufel vorm weihwasser. die anderen kirchen werden ihre lehren daraus ziehn und aggresiver werden.

nicht umsonst hat man den wahrheitsbeweis aus dem katalog der verteidigung entfernt.

Markus Finster
00
17.11.2011, 13:09

Haderer.

die Großmutter
02
25.10.2011, 10:47

das ist schon auffällig dass gegen die "friedlichste aller Religionen" kaum was öffentlich gesagt und geschrieben wird, da haben Sie recht.

Peter Hammer 06
00
24.10.2011, 13:52
Kennt der VSSTÖ die Adresse vom Hr. Faymann? ...

...Gusenbauer haben die doch auch in der Früh aus dem Schlaf geweckt.
Wird Mirijam Müller und Co. wie Barbara Blaha und Co. die Morgenruhe des Werner F. stören?

Promille Prolet
37
24.10.2011, 13:43
lasst keine fremden ins land?

es müßte doch noch möglich sein, gegen zuwanderung zu sein, ohne dafür gleich eingesperrt zu werden...

diegonki
00
30.4.2012, 10:17

sie werden ihrem namen voll und ganz gerecht

Animation
 
00
29.1.2012, 16:21
nein

Der Schakal
12
24.10.2011, 08:59
Das Gesetz sollte doch...

...die Österreicher und innen in einigen Jahren vor Übergriffen schützen.

mfg

die Großmutter
00
25.10.2011, 10:49

oh, so arg wirds doch nicht werden, oder ?

denke
11
24.10.2011, 06:42

Ich bremse auch für
Effen
politisch Korrekte
Feministinnen
Radfahrer die vom Gehsteig kommen

Harry Y.
 
01
24.10.2011, 03:03

Ex Gesetzestext §283/2: "...wer öffentlich gegen eine in Abs.1 genannten Gruppe oder einem Mitglied dieser Gruppe HETZT, oder....."

Hier fehlt eine Definition. Was ist Hetze? Was nicht mehr? So vage formuliert läßt das vieles offen.

Beim Absatz 1 fehlen Gruppen, die durch ihre Zugehörigkeit zu einem Stande bzw. (Einkommens)schicht bzw. ihrer Abhängigkeit vom sozialstaatlichem Einkommen bzw. per staatlicher Definition bestimmter Gruppe bestimmt werden, so wie z.b. Erwerbsarbeitslose, oder Invaliditätspensionisten oder Asylwerbern, (Erweiterung erwünscht). Hier ist auch dezidierte politische, unlautere, Stimmungsmache offensichtlich erwünscht.

Wobei ich leider dazu sagen muß, dass ich die neue Formulierung des § NICHT zur Verfügung habe.

Promille Prolet
11
24.10.2011, 13:51

hetzen bedeutet eigentlich jagen, treiben, hinterherrennen...

in der derzeitigen form empfinde ich den text als verfassungswidrig weil formaldelegation

denke
12
23.10.2011, 18:39

Der Versuch - nach der Vorbild des "Krieges" gegen den Terror - durch zurückfahren des Rechtsstaates, den Aufstieg des Rechtspopulismus zu stoppen, wird gewaltig in die Hosen gehen.
Dieser linke Dollfußismus wird ihm vielmehr die Mittel in die Hand geben.

Harry Y.
 
01
24.10.2011, 02:36

Deine Blauen u. Orangen sind keine Rechtspopulisten. Nicht nur.

denke
00
24.10.2011, 06:38

Und was sind deine blauen und orangen genau?

Harry Y.
 
00
24.10.2011, 19:39

WOS, dass weißt du net?

brix
12
23.10.2011, 14:49
unterberger?

alles klar!

denke
11
24.10.2011, 06:43

Psychologie ist ein spannendes Thema.
Ein Reizwort genügt um jede kritische Reflexion auszuschalten.

Mr. Bubbles
16
23.10.2011, 09:55

wtf? holt die nassen fetzen!

Ernst Guevara
63
23.10.2011, 09:00
das verstehe wer will, warum sozialdemokraten da mitmachen

das gesetz zur verfolgung und unterdrückung von andersdenkenden (neusprech: "terrorprävention") wird noch schärfer, aber rassistische, antisemitische und sonstige verhetzung ist erwünscht und wird daher nicht durch ein schärferes gesetz sanktioniert. wenn ich die meinung vertrete, österreich ist ein autoritärer staat, wo die demokratie nur fassade ist, hetzt dieser staat wohl seine uniformterroristen auf mich los, schliesslich werden ja auch personen als "extremisten" eingestuft, die flugblätter ins parlament werfen. wenn ich aber subtil und in gemäßigter wortwahl dazu aufrufe, die migranten in lager zu stecken und umzubringen, gibt es dagegen keine gesetzliche handhabe. ein krankes SPÖ/ÖVP regime, das sich vom FPÖ-faschismus treiben lässt.

denke
22
23.10.2011, 18:30

In Lager stecken?
Umbringen?
Was trollst Du denn da zusammen?

Harry Y.
 
22
24.10.2011, 01:26

Also von Lagern sind wir gar nicht weit entfernt.

Hudri Wudri
11
24.10.2011, 16:42
Dank Haider sind wir wieder etwas naeher dran...

erste Feldversuche, angezeigte Migranten ohne Gerichtsbeschluss wegzusperren, liefen ja schon zu seinen Lebzeiten in Kaernten an.

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