Der Sommer des Nichtstuns

21. Oktober 2011, 17:44
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Gelungenes Spielfilmdebüt: "L'estate di Giacomo"

Einmal gehen Giacomo (Giacomo Zulian) und seine Freundin Stefania (Stefania Comodin) auf den Rummel. Sie fahren Karussell, sie bleiben an einem Platz stehen, an dem Paare tanzen. Die beiden tanzen auch, sie geben ein Bild des Glücks, und sie finden sich dabei selbst ein Stück weit komisch.

Diese späten Sequenzen, die luftige Fahrt bei Dämmerlicht und das sanft ironisierte Verführungsspiel auf dem Tanzboden wirken im Gesamtzusammenhang des Films geradezu ereignishaft: Zuvor hat man die beiden Teenager nämlich auf langen Wanderungen, beim Krachmachen, Herumstreunen oder beim Sich-mit-Flussschlamm-Bewerfen beobachtet und sich mit ihnen treiben lassen.

L'estate di Giacomo begleitet seine jugendlichen Protagonisten durch einen Sommer des Müßiggangs. Die Inszenierung in langen, ungeschnittenen Einstellungen und Gängen, aber auch das Agieren der Personen und das weitgehende Fehlen einer dramatischen Handlung geben dem Film von Beginn an den Anstrich eines Dokumentarfilms. Nicht zuletzt wegen des italienischen Schauplatzes (inklusive Luna Park) fühlt man sich im besten Sinne an La Pivellina erinnert.

L'estate di Giacomo ist der erste Langspielfilm des 1982 geborenen Alessandro Comodin. Er hat ihn mit einem kleinen Team und vertrauten Menschen in jenen Gegenden im Friaul, am Fluss Tagliamento gedreht, in denen er selbst aufgewachsen ist. Diese Sicherheit merkt man nicht nur an der selbstverständlichen Einbindung von Giacomo, dessen lautstarke, fordernde Art, sich zu verständigen, anfangs gewöhnungsbedürftig ist. Und nicht nur auf den Märschen durch unwegsame Aulandschaften.

Mit demselben sicheren Gespür verdichtet der Film auch ganz langsam eine Stimmung, die von Freiheit, Leichtigkeit und Zuneigung erzählt, in die sich aber auch ein bisschen Wehmut mischt: Der Herbst hat schon angefangen. (Isabella Reicher, DER STANDARD - Printausgabe, 22./23. Oktober 2011)

  • 24. 10., Künstlerhaus, 21.00
  • 25. 10., Gartenbau, 15.30
  • Sommerliebe: Giacomo Zulian und Stefania Comodin.
    foto: viennale

    Sommerliebe: Giacomo Zulian und Stefania Comodin.

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