Atomkatastrophe Japan

Fukushima: Radioaktivität trat früher aus und war stärker als angenommen

21. Oktober 2011, 13:31
  • Artikelbild
    vergrößern 800x556
    foto: reuters/iaea/handout

    Während über dem schwer zerstörten Reaktorgebäude 3 mittlerweile ein Kran aufgebaut wurde, tauchen bedenkliche Zahlen auf: Der Austritt von Cäsium-137 entspricht der zweitgrößten Freisetzung von Cäsium in der Geschichte der Menschheit - nach Tschernobyl. Bei Xenon-133 wurde durch den Unfall in Fukushima der höchste Wert aller Zeiten verursacht.

Studie aus Österreich: "Bisher signifikantester Unfall nach Tschernobyl", Daten deuten auf "relativ frühe Kernschmelze" hin

Wien - Die Freisetzung radioaktiver Substanzen aus dem am 11. März bei einem Erdbeben und dem darauffolgenden Tsunami schwer beschädigten japanischen Kernkraftwerks Fukushima "begannen früher, dauerten länger und waren daher größer als in vielen bisherigen Studien und Berichten angenommen". Zu diesem Schluss kommen österreichische Wissenschafter in einer internationalen Studie über die Emissionen des radioaktiven Edelgases Xenon-133 und von Cäsium-137, teilten die Universität für Bodenkultur (Boku) Wien und die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) Wien am Freitag in einer Aussendung mit.

Wie Gerhard Wotawa von der ZAMG erklärte, wurde die Studie vom Fachblatt "Atmospheric Chemistry and Physics", ein Journal der "European Geosciences Union", noch vor der für wissenschaftliche Arbeiten üblichen Prüfung durch unabhängige Experten (Peer-Review-Verfahren) online zur Diskussion gestellt. Die beteiligten Wissenschafter weisen deshalb darauf hin, dass die Studie von den mit der Prüfung beauftragten Personen auch abgelehnt werden könnte.

"Größte zivile Freisetzung in der Geschichte der Menschheit"

Beim radioaktiven Edelgas Xenon-133 geht das Forscherteam von einer Freisetzung von 16.700 Peta-Becquerel aus (1 Becquerel entspricht einem radioaktiven Zerfall pro Sekunde, 1 Peta-Becquerel ist zehn hoch 15, also eine Billiarde Becquerel). "Das ist die größte zivile Freisetzung in der Geschichte der Menschheit, sie übersteigt die Emission von Tschernobyl um den Faktor 2,5", betonen die an der Studie beteiligten österreichischen Wissenschafter Petra Seibert vom Institut für Meteorologie der Boku, Gerhard Wotawa von der ZAMG und Hauptautor Andreas Stohl vom Norwegischen Institut für Atmosphärenforschung (NILU).

Es gebe zudem starke Hinweise darauf, dass die Freisetzung bereits am 11. März 2011 um 6.00 Uhr (koordinierte Weltzeit UTC) begann, also unmittelbar nach dem großen Erdbeben. Für Wotawa deutet das auf eine "relativ frühe Kernschmelze" in dem Katastrophenreaktor hin, wie er betonte. Xenon-133 wird vom Körper weder aufgenommen noch gespeichert und ist daher von geringerer gesundheitlicher Auswirkung. Die Forscher halten aber die Abfolge der Freisetzung für wichtig, um das Unfallszenario besser verstehen zu können.

Auch bei Cäsium zweitgrößter Wert aller Zeiten

Im Gegensatz zu Xenon-133 ist Cäsium-137 wegen seiner Eigenschaften und seiner langen Halbwertszeit von 30 Jahren von großer Bedeutung für die menschliche Gesundheit. Auch hier zeigt die neue Untersuchung nach Angaben der Forscher, dass "die Freisetzungen früher begannen und später aufhörten als in vielen bisherigen Studien angenommen". Die gesamte Emission beträgt etwa 36 Peta-Becquerel. "Das entspricht der zweitgrößten Freisetzung von Cäsium in der Geschichte der Menschheit, beziehungsweise etwa 40 Prozent der beim Unfall in Tschernobyl freigesetzten Menge", so die österreichischen Forscher. Aufgrund der meteorologischen Bedingungen seien jedoch nur etwa 20 Prozent des Cäsiums über Japan, der große Rest über dem Meer niedergegangen. In die USA und nach Europa seien nur geringfügige Mengen gelangt.

Die Wissenschafter haben für ihre Berechnungen die Daten von 1.000 Messungen der Konzentration und Deposition von Radioaktivität in Japan, den USA und Europa herangezogen. Laut Stohl ist das "die bisher umfangreichste Untersuchung". Für ihn besteht "kein Zweifel, dass der Unfall in Fukushima, zumindest bezüglich der Freisetzung von Xenon-133 und Cäsium-137, das bisher signifikanteste Unfallereignis nach der Katastrophe von Tschernobyl ist." (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 85
1 2 3
Bumo1
12
24.10.2011, 16:36
und sicherheitshalber hat man die Werte für

die Plutonium Freisetzung nicht verglichen ... vermutlich hätte da der Faktor zu verheerend ausgesehen

Gerhard Ingolf
32
26.10.2011, 10:56

Wenn Sie meinen "zu verheerend für die Atomkraftgegner" ist das richtig. Es wurde keines freigesetzt - zumindest nicht mehr als von den Kernwaffenversuchen da ist!

Etrillard
12
24.10.2011, 13:46

Mich würde interessieren, ob die Tepco-Mitarbeiter nach wie vor in 10 Min.-Schichten duch die kontaminierten Gebäude hasten, um den Kühlkreislauf in gang zu bringen, oder ob wieder alles normal läuft. Warum liest man dazu rein gar nichts mehr?
Was wurde aus den abertausenden Kubikmetern an verseuchtem Kühlwasser? Wie anfangs angedacht in ein riesiges Tankschiff umgepumpt oder langsam ins Meer abgelassen...?

Gerhard Ingolf
23
26.10.2011, 11:26

Kühlkreisläufe funktionieren (alle Reaktoren unter 100°C), derzeit arbeitet man an der Sicherung der Kühlkreisläufe (damit die Stromversorgung das nächste Mal einen Tsunami überstehen kann). Das Wasser wurde dekontaminiert und ist jetzt nur noch schwach radioaktiv. Es wurde in großen Taks die am Kraftwerksgelände errichtet wurden gelagert.
Das Geschäft mit der Angst boomt auch in Japan - Strahlungsmesssysteme gehen weg wie die warmen Semmeln - aber keine beunruhigenden Messungen!

Im Gegensatz zur APA die brav der allgemeinen (=gleichgeschalteten) politischen Meinung in Österreich folgt bringt NHK English auch positive Meldungen, und das aus erster Hand. Also wenn Sie sich objektiv informieren wollen, es gibt Möglichkeiten,

Nardon
00
4.11.2011, 18:15
Woher

haben sie ihre Infos.
Die letzten News von NHK sind von Juli die für mich wichtigeren
http://www.iaea.org/newscente... ate01.html
http://www.guardian.co.uk/news/data... nt-updates
sind von Juni!!
Core Cooling not functional!!
Sollte im November alles gut sein?

Gerhard Ingolf
22
23.10.2011, 22:24
Überprüfbarkeit?

Wenn man jetzt behauptet, dass vot 11 Monaten 16.700PBq Xe133 freigesetzt wurden ist das zu einem Zeitpunkt wo diese Behauptung weder bestätigt noch widerlegt werden kann. Xe 133 hat eine Halbwertszeit von 5,27 Tagen, von den behaupteten 16.700PBq sind heute also höchstens 1,6MBq vorhanden - ziemlich gleichverteit über die Erdoberfläche von 510Mkm², also etwa

iano mai
12
24.10.2011, 17:43
Lesens doch einmal das Paper ...

sie finden es hier:

http://www.atmos-chem-phys-discuss.net/11/28319/... 9-2011.pdf

und dann redens weiter ihr wirres Zeug. Hier wird ganz klar gesagt wann wo welche Daten erfasst wurden und wie diese gewonnen wurden.
Obs ihnen passt oder nicht, da sind Wisseschaftler am Werk und keine Atomlobbyisten.

Gerhard Ingolf
11
28.10.2011, 18:15

Na bitte: "Given the massive fuel
damage that has been reported for all three cores, there is little doubt that the noble
gas release fraction should be practically 100 %."

Wenn Sie das als seriös bezeichnen: Das Edelgas entsteht / ist im Material der Brennstäbe entstanden und daher im Kristallgitter gebunden. Wenn sich die Brennstäbe soweit erhitzt hätten, dass sie wirklich aufgeschmolzen wären dann wären auch Stoffe mit höherem Dampfdruck, z.B. Strontium in größerem Umfang freigesetzt worden. Nur "kaum Zweifel daran haben" dass alles Xenon innerhalb der ersten Tage freigesetzt wurde ist zu wenig.

Gerhard Ingolf
22
23.10.2011, 22:30

.. also etwa 1 ß-Zerfall pro 320km² und Sekunde. Das ist um Größenordnungen zu gering als dass es selbst mit den besten Messgeräten nachweisbar wäre. Und hat natürlich auch nicht den geringsten Einfluss auf unser Leben.

Aracni Santini
01
23.10.2011, 11:03
Weiß jemand wie es mit den Fischen aus dem Paziifik aussieht

das würde mich echt brennend interessieren. Es wurden die Grenzwerte für Fisch hochgesetzt und die tragen bekanntlich kein Brandzeichen über die Herkunft. Papier ist geduldig (Fanggebiete...) Wie werden Fischerboote überwacht, wo sie fangen? Wie wird der Fisch, der bei uns im Frostregal zu kaufen ist untersucht? Von wem wird der auf radioaktivität untersucht und wie viele Proben? Schlußendlich landen Fischstäbchen aus dem Pazifik auf dem Speisezettel unserer Kinder. Auch in der Schule und im KiGa wird mit Fisch aus dem Pazifik nicht gegeizt!

Erstversuch
01
28.10.2011, 12:39
Un ich dachte Howard Hughes wäre tot

Gerhard Ingolf
22
23.10.2011, 22:48

Die Grenzwerte wurden nicht hochgesetzt und bei den Messungen von Fischen die im Umkreis von 30km um Fukushima gefangen wurden wurde keine bedenkliche Konzentration von radioaktiven Stoffen gefunden - auch von Greenpeace nicht!

Und die Fläche innerhalb der 30km-Zone (in der die Werte auch nicht bedenklich sind) macht weniger als ein Hunderttausendstel der Pazifikfläche aus. Sie können sich ausrechnen wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Sie einen Fisch auf den Tisch bekommen, der radioaktiv nahe dem zulässigen Grenzwert belastet ist.

Aracni Santini
31
22.10.2011, 15:26
alles eaysy alles harmlos - Atomkraft hält die Erde "sauber"...

http://www.ippnw.de/startseit... werte.html

http://www.heise.de/tp/artike... 647/1.html

Schön, was man bei uns alles so im Handel bekommtt

grifter
325
22.10.2011, 10:11

Wie es von Anfang an sowieso klar war - Es ist wie die Parabel vom Frosch, der sofort aus kochendem Wasser hüpfen würde, wenn man ihn hineinwerfen würde, jedoch in langsam erwärmtem Wasser hocken bleibt, bis er gar ist.
Genau so wurde auch hier die Öffentlichkeit behandelt.

Abwiegeln, beschönigen und Abstreiten was das Zeug hält und erst mit Teilwahrheiten herausrücken, wenn es gar nicht mehr anders geht, wie ein alter Strizzi der schon zum zehnten Mal vor Gericht steht.

Das Ganze über Monate hinweg durchziehen, und die Frösche nehmen es wesentlich entspannter und teilnahmsloser zur Kenntnis.
Ein 'genialer' PR-Schachzug gegen die Menschen.

FriedaKistner
19
22.10.2011, 14:45
Diese Salami-Taktik

hat einen netten Namen: Desensibilisierung.

Man gewöhnt die Menschen ganz einfach daran, dass sie mit Beschönigungen, Halbwahrheiten und Unwahrheiten leben müssen.

Das führt für die Betroffenen in zwei Richtungen. Eine kleine Minderheit wehrt sich (vermutlich erfolglos) dagegen und wird dabei verunglimpft oder sogar kriminalisiert.
Der Rest verfällt in Lethargie und Resignation und blendet schlussendlich die unliebsamen Ereignisse gänzlich aus.

Von daher ist Desensibilisierung eine äusserst erfolgreiche Strategie; leider!

Heavyweather
01
23.10.2011, 23:30

Der Tierschützerprozeß ist ein Lehrbeispiel dafür.

maggo22
00
22.10.2011, 13:27

Alles nur Restrisiko...

Roter Baron
14
22.10.2011, 09:43
und TRITT NOCH IMMER AUS

tagtäglich !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

peak oil
11
22.10.2011, 15:38
zum "glück" kann man das nicht sehen...

zum glück für die betreiber natürlich.

parapente
00
22.10.2011, 09:08
Plastikplane drüber,

damit man die Ruinen nicht sieht.

zlgrppnprtzpnt
 
01
22.10.2011, 03:06
.MS.
11
22.10.2011, 01:13
In der Überschrift fehlt ein "Offiziell"

Im Internet wurden die offiziellen Angaben von der ersten Minute an stark angezweifelt.
Dieses Maß an Lügen ist ein Faktor, der in Studien zur Rekator(un)sicherheit bisher nie eingeflossen ist.

Gerhard Ingolf
31
23.10.2011, 21:48

In der Überschrift wird der Eindruck erweckt, dass diese Studie die Wirklichkeit wiedergibt.
Diese Studie wurde von Österreichischen Wissenschaftern der Bodenkultur und Meteorologie erstellt, die von Haus aus die Katastrophe übertrieben dargestellt haben. Wo bitte haben die ihre Messwerte her? In Europa und Nordamerika wurden kaum radioaktive Niederschläge registriert, und die Messungen in Japan sind öffentlich zugänglich.
Im übrigen ist diese "Studie" nichtmal überprüft!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 85
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.