Milbenallergie: Allergene meiden statt leiden

21. Oktober 2011, 13:53
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Milbenallergiker leiden in den Wintermonaten ganz besonders - Ein neuer Patientenratgeber klärt auf

Wien - Milben quälen tausende Österreicher und rauben ihnen Schlaf und Lebensqualität. Bleiben die anfangs Grippe-ähnlichen Symptome unbehandelt, breitet sich die allergische Entzündung aus und wandert von Augen und Nase in Richtung Lunge. So kommt es, dass rund ein Viertel aller Hausstaubmilben-Allergiker asthmakrank ist. Der neue Ratgeber der Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung (IGAV), der am Wochenende beim „Tag der Lunge" im Wiener Rathaus präsentiert wurde, informiert über die Milbenallergie und zeigt Möglichkeiten der Diagnose, Therapie und wertvolle Tipps zur Allergensanierung auf.

Milben sind nach den Pollen der zweithäufigste Auslöser einer allergischen Reaktion. Auch wenn Milbenallergiker das ganze Jahr über mit ihren Beschwerden zu kämpfen haben, leiden sie gerade in den kalten Monaten besonders: Die Heizung wirbelt fortwährend Hausstaub auf, in dem sich Milbenallergene befinden und sich mit der Atemluft verbinden. Da die allergenen Partikel extrem leicht sind, können sie stundenlang in der Luft schweben, eingeatmet werden und auf die Schleimhäute der Augen und Nase sowie auf die Haut gelangen. Neben den Eiweißstoffen aus dem Panzer abgestorbener und zerfallener Milben, besitzt vor allem der Kot dieser kleinen Spinnentiere eine hohe allergische Potenz. 

Vom ersten Niesen zum Asthma

Da Hausstaubmilben vorzugsweise das Bett bevölkern, werden im Schlaf besonders viele Allergene eingeatmet und die Beschwerden sind in den Morgenstunden am stärksten. Die Allergie macht sich erst an Nase, Augen und der Haut bemerkbar. Bleibt die allergische Entzündung unbehandelt, weitet sie sich in Richtung Bronchien und Lunge aus: Reizhusten, Druckgefühl in der Brust, pfeifende oder rasselnde Atemgeräusche sind alarmierende Anzeichen einer Asthma-Erkrankung. „Ein Drittel bis die Hälfte der Personen mit Allergien der oberen Atemwege erleiden im Laufe der Jahre eine Ausweitung zum Asthma bronchiale," warnt Gert Wurzinger, Vorstand der Abteilung f. Lungenerkrankungen im LKH Hörgas/Enzenbach und der Pulmologischen Tagesklinik im LKH-Graz West.

Da die Symptome einem grippalen Infekt ähneln, wird eine Hausstaubmilbenallergie häufig mit einer in dieser Jahreszeit typischen Erkältung verwechselt. Dauert ein Schnupfen daher länger als vier Wochen an, sollte ein Arzt aufgesucht werden, damit eine geeignete Therapie in die Wege geleitet werden kann.

Drei Säulen der Allergie-Therapie

Die Behandlung einer Milbenallergie erfolgt auf drei Ebenen: Allergenvermeidung und Sanierung des Wohnraums, Linderung der Beschwerden und Entzündungsbehandlung sowie Ursachenbekämpfung. „Eine alleinige medikamentöse Behandlung ohne ernsthafte Hausstaubmilbensanierung des Wohnbereiches ist sinnlos. Und nur wenn diese Sanierungsmaßnahmen langfristig und umfassend betrieben werden, kann die Belastung deutlich spürbar eingedämmt werden," so Wurzinger. Der erste Schritt ist deshalb eine umfassende und konsequente Allergenreduktion, die am besten im Schlaf- bzw. Kinderzimmer beginnt.

Da die Allergenbelastung dadurch zwar eingedämmt, aber nicht vollständig vermieden werden kann, brauchen Hausstaubmilbenallergiker meist zusätzlich eine medikamentöse Behandlung. Antihistaminika erleichtern allergische Beschwerden wie Niesen, Juckreiz und tränende Augen. Ergänzend empfiehlt die WHO intranasales Kortison (Nasenspray). Asthma bronchiale wird mit Bronchien erweiternden und entzündungshemmenden Medikamenten behandelt. 

Spezifische Immuntherapie

Neben der Wohnraumsanierung und der symptomatischen Behandlung, haben Allergiker mit der Allergie-Impfung (spezifische Immuntherapie) zusätzlich eine gute Chance, ihre Beschwerden nachhaltig zu bessern. Wurzinger: „Bei der Allergie-Impfung geht es darum, die Überreaktion des Immunsystems Schritt für Schritt in den Griff zu bekommen. Dabei wird eine geringe Dosis des Allergie-Auslösers unter die Haut gespritzt beziehungsweise unter die Zunge getropft." Die Konzentration wird allmählich gesteigert bis sich der Körper schließlich an das Allergen gewöhnt. Diese Therapie ist dann besonders Erfolg versprechend, wenn Milben die Hauptverursacher allergischer Beschwerden sind und keine weiteren Allergien vorliegen. „Mit der spezifischen Immuntherapie werden nicht allein die Symptome gelindert, sondern es wird auch die zugrunde liegende Ursache bekämpft, wodurch in etwa 70 Prozent der Fälle dauerhafte Erleichterung erreicht und Asthma verhindert werden kann."

Der neue Ratgeber „Allergenvermeidung bei Milbenallergie" der Patientenorganisation IGAV (Interessensgemeinschaft für Allergenvermeidung) liefert wichtige und ausführliche Informationen über Allergenvermeidung und Therapiemöglichkeiten. Der Ratgeber ist Teil der Serie „Leben ohne Allergene".

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    Die Symptomatik einer Hausstaubmilbenallergie ähnelt der eines grippalen Infektes.

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