Böses Geld und alte Werte

21. Oktober 2011, 17:35
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Die neunte Frieze Art Fair gab sich heuer weniger konzeptuell und risikofreudig als bunt, lieblich und sofatauglich

Den Versicherungswert aller bei der Frieze offerierten Kunstwerke bezifferte Hiscox Ltd. mit 350 Millionen Dollar. Damit waren es 25 Millionen weniger als 2010, und doch war noch nie so viel Geld im Spiel wie aktuell. Nicht in Form von verzeichneten Umsätzen, sondern als künstlerisches Thema oder auch Gegenstand: "The days of this society is numbered" hieß es etwa auf einer der Dollarnoten von Rirkrit Tiravanija, und die Credit Card Destroying Machine von Michael Landy gehörte neben der Luxusyacht von Christian Jankowski zu den Publikumsmagneten der diesjährigen Schau.

Von der Messe im Rahmen der heuer insgesamt schwach ausgefallenen "Frieze Projects" in Auftrag gegeben, ist die 60 Millionen Dollar teure Yacht satte zehn Millionen mehr Wert, wenn man sie als signiertes Kunstwerk ersteht. Trotz kritischer Intentionen ließ einen diese platte "Kunst als Ware"-Aktion leider vollkommen kalt, während viele andere Galerien in Zeiten der ökonomischen Krise dagegen auf Wärme in Form gefälliger Buntheit und emotionaler Ansprache setzten. Mit Yayoi Kusamas bunter Plastik Tulip with All My Love ($ 450.000, Vicotria Miro), Will Rymans Rose ($ 275.000, Paul Kasmin Gallery) oder auch Tracey Emins poppiger Neon-Leuchtschrift You made me love you (Lehman Maupin) kam man an plakativen Arbeiten zum Thema Liebe nicht vorbei. Etwa auch im Skulpturenpark, den Johan Cretens Le Banc des Amoureux, eine blumenumrankte Parkbank zierte.

Weniger Sex & Politik

Im Vergleich zu den Vorjahren gab es weniger explizit Sexuelles, und auch auf Politisches haben die insgesamt 173 Galerien aus 33 Ländern weitgehend verzichtet. Die starke Präsenz "alter" Medien wie Malerei und Skulptur war dagegen auffällig: Gavin Brown's Enterprise gewann mit abstrakter Malerei (Martin Creed, Joe Bradley) zumindest offiziell den Standpreis. Vermutlich dürfte das Ausbleiben amerikanischer Sammler eher der Grund für die Vergabe des Preises an eine amerikanische Galerie gewesen sein.

Ein echtes Highlight bot dagegen die Galeria Helga de Alvear mit einer Einzelpräsentation der Portugiesin Helena Almeide, und der jungen Galerien vorbehaltene Sektor punktete mit spannenden Positionen (u. a. die in Wien lebende Künstlerin Nilbar Güres bei Rampa, Istanbul).

Die vier Wiener Galerien, die die hohen Messekosten auch heuer nicht scheuten, strahlten ebenfalls Zufriedenheit aus: Meyer Kainer waren mit ihrer gelungenen Präsentation rund um jüngste Bilder von Heimo Zobernig ganz vorn im Rennen um den Standpreis dabei, und Martin Janda gab den feinen Arbeiten seiner Künstlerinnen und Künstler (u. a. Svenja Deininger, Roman Ondák) erfrischend viel Raum. Dass eine Rückbesinnung auf Qualität notwendig war, begrüßte sowohl Martin Janda als auch Ursula Krinzinger, die mit Gavin Turk, Kader Attia oder Bjarne Melgaard auf seit langem der Galerie und ihren Künstlern verbundene Sammler fokussierte.

Dem allgemeinen Trend zur klassischen Präsentation hat sich Georg Kargl widersetzt: In Anlehnung an ein Computerspiel haben ihm Muntean/Rosenblum eine Behausung für Arbeiten von Michael Gumhold, David Maljkovic u. a. gezimmert - nicht ganz ironiefrei, aber laut Kargl erfolgreich, hat man als Ansporn für Käufer mit etwas kleinerer Geldbörse und Wohnung die Bilder dann doch ziemlich klassisch, etwa auch über dem Sofa aufgehängt. (Christa Benzer, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 22./23. Oktober 2011)

  • Richard Jacksons "Upside Down Man" bei Hauser & Wirth.
    foto: l. nylind/frieze

    Richard Jacksons "Upside Down Man" bei Hauser & Wirth.

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