Graz muss halt aufpassen wie ein Haftlmacher, dass nicht irgendeine dahergelaufene Stadt glaubt, das Attribut von wem anderen umgehängt bekommen zu dürfen
Genusshauptstadt, das ist doch ein Titel, der den satten Klang von Weltläufigkeit, entspanntem Selbstbewusstsein und köstlichem Phäakentum in sich vereint. Das zieht, das möchte man sein als Stadt! Die Rede ist von Graz, aber das weiß inzwischen eh jeder. Oder nicht? Die Stadt mag zwar ein berüchtigt schwerer Boden für Spitzenrestaurants sein, sie ließ sich den Begriff aber 2009 patentrechtlich sichern, weshalb sie ihn seither ganz exklusiv und alleinig führen darf - egal wie es in echt ausschaut.
Mehr ham's nicht braucht
Graz muss halt aufpassen wie ein Haftlmacher, dass nicht irgendeine dahergelaufene Stadt glaubt, das Attribut von wem anderen umgehängt bekommen zu dürfen. So geschehen in einer Presseaussendung zum eben mit Riesenerfolg abgefeierten Slow-Food-Treffen Terra Madre (am Ende gar eine Genuss-Veranstaltung?) im Wiener Rathaus: Da schrieb doch ein ruchloser PR-Texter in einer zwar versteckten, aber immerhin vorhandenen Bildunterschrift einer Presseaussendung etwas von einer "Genusshauptstadt Wien". Na, mehr ham s' nicht braucht.
Vonseiten Graz-Tourismus wurde eine drohende Mail abgefeuert, derlei "Verletzung der Markenrechte" mit sofortiger Wirkung zu unterlassen und jegliche Spuren einer etwaigen Genusshauptstadt Wien aus sämtlichen Medien zu entfernen. Weil, sonst könnte am Ende echt wer draufkommen, dass gar nicht Graz ...(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.10.2011)