Report

Jeder dritte Pensionszugang krankheitsbedingt

21. Oktober 2011, 11:31

Fehlzeitenreport: 2010 im Schnitt 12,9 Tage Krankenstand

Wien - Ein Drittel aller Pensionsantritte, rund 30.000 Personen pro Jahrgang, geht auf gesundheitliche Gründe zurück und daraus resultieren Zahlungen in der Höhe von knapp drei Milliarden Euro. Das geht aus dem Fehlzeitenreport 2011 hervor, der am Donnerstagabend präsentiert wurde. Die unselbstständig Beschäftigten waren in Österreich im Jahresverlauf 2010 durchschnittlich 12,9 Tage im Krankenstand (2009: 13,2 Tage).

Der Fehlzeitenreport erscheint jährlich, heuer zum vierten Mal, und ist eine Kooperation von Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer Wien, dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger sowie der AUVA. Den Schwerpunkt des diesjährigen Berichts bildet eine Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Krankenständen und dem krankheitsbedingten frühzeitigen Austritt aus dem Erwerbsleben.

Psychische Gründe

Etwa jeder dritte Neuzugang in die Pension geht auf gesundheitliche Gründe zurück. Die Zahlungen für Invaliditätspensionen belief sich dabei auf mehr als 2,9 Mio. Euro. Gesundheitlich bedingte Austritte aus dem Erwerbsleben sind stark an eine Verschlechterung des gesundheitlichen Zustands unmittelbar vor Pensionsübertritt gekoppelt, heißt es im Bericht. So seien etwa gemessen an der Gesamtheit aller oberösterreichischen Neuzugänge in die Invaliditätspension im Jahr 2008 über 40 Prozent der Personen am Stichtag der Pensionszuerkennung krankgeschrieben gewesen.

32 Prozent aller Neuzugänge bei den krankheitsbedingten Frühpensionierungen erfolgen mittlerweile aus psychischen Gründen, 2004 lag dieser Anteil noch bei 24 Prozent so Alice Kundtner, Direktor-Stellvertreterin der AK Wien. "Aufgrund dieser besorgniserregenden Entwicklung muss so frühzeitig wie möglich mit Maßnahmen der gesundheitlichen Rehabilitation begonnen werden", erklärte Kundtner.

Weniger Krankenstandstage

Die Krankenstandsquote belief sich im Vorjahr auf 3,5 Prozent (2009: 3,6 Prozent). Es handelt sich dabei um das Maß der Zahl an Krankenstandstage im Verhältnis zu den Tagen in Beschäftigung. Erstmals lag sie bei den Männer mit 3,5 Prozent geringfügig unter jener der Frauen mit 3,6 Prozent. 2010 waren Beschäftigte im Schnitt 12,9 Tage krankgeschrieben. 1990 belief sich dieser Wert auf 15,2 Tage, im Jahr 2000 auf 14,4 Tage. Der leichte Rückgang im Vergleich zu 2009 (13,2 Tage) sei ebenso überraschend wie davor der Anstieg im Krisenjahr 2009, so der Studienautor und Wifo-Experte Thomas Leoni. Normalerweise steigen bzw. sinken die Fehlzeiten parallel zum Konjunkturzyklus. Er kam auch zu dem Ergebnis, dass in den vergangenen zweieinhalb Jahren der Anteil der Verletzungen an den Krankenstandsdiagnosen kontinuierlich stieg.

Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt

Ein bedeutender Teil der Invaliditätspensionisten hat schon geraume Zeit vor dem Eintritt in den Ruhestand mit Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt zu kämpfen. Nur 30 Prozent der Personen mit einem Pensionsneuzugang im Jahr 2008 waren in den fünf vorangegangenen Jahren durchgehend beschäftigt.

Leoni erklärte: "Die vorliegenden Ergebnisse bestätigen, dass im Falle einer Überlagerung von gesundheitlichen Problemen und Arbeitslosigkeit die Wahrscheinlichkeit eines Übertritts in die Invaliditätspension besonders hoch ausfällt." Strategien zur Reduktion des Invaliditätsrisikos sollten demnach nicht nur früh greifen, sondern auch einen Mix an Maßnahmen vorsehen. Neben der Gesundheit der Arbeitskräfte müsse auch die Beschäftigungssituation sowie das Arbeitsumfeld beachtet werden. (APA)

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12 Postings
jane doe2
00
24.10.2011, 12:31

Es ist ja in Ordnung, wenn was gemacht wird, dass weniger in die Frühpension gehen (Hacklerregelung sofort abschaffen)! Aber das man bei den kranken anfängt während die ÖBBLer noch massenweise kerngesund mit 50,51 oder 52 Jahren in Pension gehen ist an Schäbigkeit nicht mehr zu überbieten. Man sollte zuerst die ÖBBler, die mit diesem Alter in die Pension sind alle nochmals überprüfen (mal schauen was sie den ganzen Tag so machen, da kann man nämlich ganz schön und hart arbeiten in der Pense) und aus der Pension zurückholen. Es gäbe dann auch weniger Frühpensionisten und der Staat (Steuerzahler) wäre entlastet!

K1981
00
24.10.2011, 21:28

@ÖBB&co: Sehe ich genauso...ein hohn an jeden normalen Steuerzahler...eine SAUEREI ist das!

BezirksvorStenzl
00
24.10.2011, 11:10
...vielleicht auch ein Grund...

Heimkinder der Jahre 50- Mitte ende der 60ziger Jahre,
wegen Seelischer u. Körperlicher Gewaltanwendung.

Arbeiter die an die 40.Jahre gearbeitet haben.

BezirksvorStenzl
00
24.10.2011, 10:54
...vielleicht auch ein Grund...

...Seelische u. Körperlich geduldete Gewaltbereitschaft der PolitKaste, in den Staatlichen Kinderheimen.

sociovation
03
21.10.2011, 17:35
Unterschiedliche Tätigkeiten führen bei Überbelastung

zu unterschiedlichen Folgeschäden.
Beim Bauarbeiter wird eher der Bewegungsapparat nach einiger Zeit kaputt sein, bei Bürojobs wird eher die Seele stressbedingt leiden.
Von einem höheren Pensionsantrittsalter wird allerdings weder die Wirbelsäule noch die Seele wieder gesund.
Was wir brauchen, sind Arbeitsbedingungen, unter denen man 50 Jahre arbeiten kann.
Das heißt aber, dass wir die Produktivität der "Ressource Mensch" MASSIV zurückfahren müssten.
Drehzahl reduzieren, Geschwindigkeit verringern - und das Pensionssystem ist wieder im Lot.
Wir warten auf die entsprechenden Vorschläge von Industrie, Handel, Gewerbe und vor allem den Arbeitgebern im Sozialbereich und in der Pflege.

bonifatius pangratius
01
21.10.2011, 16:18

es wäre schon viel getan, wenn die überstundenregelungen eingehalten werden und nicht all-inklusive-Verträge für Back-Office-Angestellte ausgestellt würden. mehr kontrolle in den betrieben würde auch weniger krankenstände und weniger frühpensionen mit sich bringen.

Herzerzog Johann
60
21.10.2011, 15:16
Die "gesundheitlichen Gründe" ...

... sind wie alles gewissen Modeströmungen unterworfen.

mml1
05
21.10.2011, 18:19
Auf, auf zum Pensionistenbashing!!!

Was bitte soll denn ein 55 + jähriger, der schwer krank ist arbeiten? Z.B. nach einem Schlaganfall mit Hämiparese und Aphasie? Oder bei einer therapieresistenten bipolaren Störung die bei progredientem Verlauf zu einer massiven Somatisierung und zu eklatanten Konzentrationsschwächen auch in euthymen Phasen geführt hat? Und außerdem darf man nicht vergessen, dass diese Menschen im Schnitt eine 11(!) Jahre kürzere Lebenserwartung haben und riesige Abschläge hinnehmen müssen. Die belasten das System weniger als "normale" Alterspensionisten. Abgesehen davon, dass die ASVG-Pensionisten zu 90 Prozent selbst gedeckt sind. Alles nur Unsinn, vor Allem das was der dumme Felderer vom IHS dazu zu sgen hat.

Fritz Meyer
03
21.10.2011, 16:24
Ebenso Ihre Postings.

Je nachdem, welches Ihrer Vorurteile die Kronenzeitung gerade wieder eifrig bestätigt hat.

Es gibt bei Hofer einen Käse, der heisst so ähnlich wie Sie. Aber in den sechs Monaten seiner Reife ist er qualitativ schon weiter gekommen, als Sie es noch im Rest ihres Lebens mit solchen Beiträgen schaffen werden.

Minister der Ökomonie
08
21.10.2011, 14:24
Placebos?

Jaja, wir finden etwa jede Woche eine Studie, die besagt, dass die (psychische) Gesundheit am Arbeitsplatz gefährdet ist, stark am Zunehmen und mal wirklich ein konkretes Problem wird.

Aber was wird konkret gemacht? Nix.

Solange der Mensch als Roboter für Steuergelder (oder Firmen) gilt, ist alles cool, und alle Maßnahmen haben nur dieses Ziel zu unterstützen. Es geht dabei ja nicht wirklich darum, Menschen zu helfen, dafür zu sorgen, dass sie menschenwürdig leben können - sondern es geht darum, wie schnell sie wieder Steuern generieren können.

Deutlich wird der misanthrope Aspekt im Krankenbashing, jeden, der nicht wie ein Roboter funktioniert, als einen Schmarotzer zu verunglimpfen.

Auch das macht krank.

lance link
03
21.10.2011, 14:02
natürlich wird auch das "der markt" regeln ...

myschkin
07
21.10.2011, 13:10

Arbeit macht krank im 21sten Jahrhundert.
Vom Fortschritt sind ist die große Mehrheit ausgeschlossen.
Eine Bankrotterklärung für diese Gesellschaft.

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