Verweile doch, es ist so schön

23. Oktober 2011, 16:32

Hallstatt lebt vom Tagestourismus. Ein neues Vier-Sterne-Hotel soll Gäste zum Bleiben verleiten

Wenn ein Ort so berühmt ist, dass er sogar in China nachgebaut wird, dann müssten die Touristen eigentlich dort Schlange stehen und viel Geld in den Tourismusbetrieben lassen.

Im Fall von Hallstatt ist das nur ein Traum. Das Weltkulturerbe mit seiner idyllischen Lage zwischen See und Berg und seiner 7000 Jahre alten Geschichte wurde zwar millionenfach fotografiert und durch Bollywood-Filme auch in Asien weit verbreitet. Aber die jahrzehntelange Vernachlässigung der Hotellerie und eine Konzentration auf den Bus- und Tagestourismus hat dazu geführt, dass das vielleicht schönste Dorf Österreichs zwar tagsüber mit Besuchern überschwemmt ist, die schnell ihre Fotos schießen und ein paar Souvenirs kaufen, nur wenige aber über Nacht bleiben. Mit etwa 70.000 Nächtigungen im Jahr läuft die Perle des Salzkammerguts unter "ferner liefen". Kein Wunder: Besucher fanden in den engen Gassen bis vor kurzem bloß einige Gasthöfe, Pensionen und Esslokale mit Touristenmenüs.

Modernisierungsschub

Das neue Heritage Hotel Hallstatt ist daher mehr als eine Vier-Sterne-Unterkunft. Mit seinem Bau soll der Tourismus in Hallstatt modernisiert und endlich ein betuchteres Publikum dazu verleitet werden, einige Tage am Ufer des Hallstättersees zu verbringen.

Dafür wurden drei alte Gebäude im Zentrum von Hallstatt renoviert, erweitert und mit elegant gestylten Zimmern versehen: das Haus Kainz, das Haupthaus direkt an der Schiffsanlegestelle, das schon früher als Hotel diente, bevor es in Erwartung einer (zum Glück nie gebauten) Uferstraße teilweise abgerissen wurde; das kleinere Haus Seethaler am Hang und das Haus Stocker, mit mehr als 500 Jahren eines der ältesten Gebäude im Salzkammergut, das wunderschöne Suiten und prachtvolle Ausblicke bietet. Die Nespresso-Maschine in jedem Zimmer ist nur eines der Details, die das Hotel so sympathisch machen.

Im Restaurant vom Haus Kainz kocht der deutsche Küchenchef mit Anspruch und Kreativität, und wenn nächstes Jahr die Autos vom Landungsplatz am See verschwinden - zumindest ist das so geplant -, dann wird die Hotelterrasse auch atmosphärisch den richtigen Rahmen bieten.

Das erste Jahr des Hotels, das je zur Hälfte der Gemeinde Hallstatt und privaten Investoren gehört, war holprig: Schlechtes Management ließ viele Zimmer leer. Aber schon im vergangenen Sommer gab es zahlreiche asiatische Reisegruppen, die auf ihrer Europatour statt in Salzburg oder Ischl in Hallstatt Rast machten; sie wurden in den Nebenhäusern untergebracht. Und die Nachricht, dass Hallstatt in der südchinesischen Provinz Guangdong als reiches Wohnviertel nachgebaut werden soll, brachte deutsche Individualtouristen, die bis dahin den Ort kaum gekannt haben, ins echte Hallstatt, erzählt Sabine Geiger, Marketingchefin des Hotels. Für Briten und Amerikaner ist Hallstatt dank seiner urgeschichtlichen Rolle stets ein Begriff gewesen.

"Albergo diffuso"-Konzept

Bis auf die schwierigen Wintermonate ist das Hotel nun gut ausgelastet. Ein weiteres Gebäude, das im Sinne des italienischen "Albergo diffuso"-Konzeptes zu einem ausgelagerten Teil des Hotels werden soll, wird gesucht.

Ein Urlaub in Hallstatt ist etwas mühsamer als anderswo im Salzkammergut. Das Auto muss am Ortsrand abgestellt werden, die meisten Spaziergänge sind steil, die Badeplätze abgelegen, Skigebiete wie Krippenstein oder Gosau noch viel mehr. Und bis auf eine Sauna im Heritage Hotel gibt es so gut wie kein Wellnessangebot.

Aber dafür bieten die Salzwelten einen faszinierenden Einblick in Europas Ur- und Industriegeschichte. Im Keller eines Sportgeschäfts gibt es Ausgrabungen zu besichtigen, die bis ins 13. Jahrhundert zurückgehen. Eine Bootsfahrt auf dem See bietet jenen Blick auf Hallstatt, der dank Postkarten und Posters um die Welt gegangen ist. Der lässt sich auch erhaschen, wenn man den Ostufer-Radweg entlangradelt.

Wenn die Sonne untergeht und die Busparkplätze sich wieder leeren, dann entwickelt Hallstatt seinen wahren Zauber. Für einen Kurzurlaub ist dieses Dorf mit seinen Kirchen, engen Gässchen und liebevoll gepflegten Holzhäusern eine einmalige Destination. Was Chinesen mit viel Mühe nachbauen, kann mitten in Österreich im Original genossen werden. (Eric Frey/DER STANDARD/Printausgabe/22.10.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2
Der Wappler
01
25.10.2011, 09:36
Der Wappler liebt Obertraun und die Nina

Hallstatt, immer wieder hallstatt! Vergeßt nicht obertraun, denn das gefällt mir viel besser als das enge Hallstatt, das die Japsen plündern!

aufgeklärtbisheiter
00
25.10.2011, 05:49
SoSoSoSoSo
14
24.10.2011, 13:44
Bezahlte Werbeeinschaltung

Beim Lesen des "Artikel" frage ich mich, ob dies eine bezahlte Werbeeinschaltung ist. Es entspicht nämlich NICHT den Tatsachen, dass das "Heritage" das einzige Hotel in Hallstatt ist. Dieses Hotel ist auch nicht neu. Es besteht seit dem Jahr 2008. Zu den "privaten Investoren" gehört auch der Ex-Bürgermeister von Hallstatt, der das Projekt Jahre lang in seiner Funktion als Bürgermeister forciert und die entsprechenden Steuermittel dafür lukriert hat...... Es ist auch eine Frechheit zu behaupten die Hallstätter würden Ihre Gäste neppen! Jeder einzelen im Ort vom Trafikant bis zur Pension bemüht sich, die Bedürfnisse der Gäste zu befriedigen. Was immer vergessen wird, ist, dass der Erhalt der historischen Bausubstanz sehr kostenintensiv ist.

Wunderbare Welt
 
07
24.10.2011, 10:57
wenn man sich über den geldgeilen

artikel wundert braucht man nur einen unscheinbaren blick auf den verfasser werfen. mister capitalism eric frey ist dafür verantwortlich. man muß nicht alles kommerziell verwerten herr frey bis wir es nicht mehr erkennen.

Ingrid Goeschl
00
24.10.2011, 22:58

Lustig, genau das Gleiche habe ich mir auch gedacht, als ich (und zwar erst nachdem ich meine erste Stellungnahme gepostet habe) noch auf den Namen des Verfassers sah.

Nach noch mehr Touristen für Hallstatt rufen kann nur jemand, den der Erhalt so einer Stadt völlig wurscht ist.

Erisian Liberation Front
41
24.10.2011, 10:26
die meisten Spaziergänge sind steil,

Das macht den angenehmen Teil des Ortes aus, auf dem Weg zum Salzbergwerk finden sich so gut wie keine Städter und schon gar keine Bobos.
Die kommen einem bestenfalls in der Schrägseilbahn unter.
Aber die nehme ich aus Prinzip nicht.
Die Nespresso Maschine im Hotel können sich die gerne behalten.

Ingrid Goeschl
04
24.10.2011, 10:09
So schön Hallstatt ist, so überlaufen ist es bereits jetzt.

Hallstatt ist bereits jetzt ieine Art Freilichtmuseum, mit unfreundlichen Wirten und viel Nepp.

Das noch auszubauen durch mehr Nächtigungen ist ja geradezu skurril und durch eine Geldgier verursacht, die überhaupt keine Rücksicht auf die Erhaltung eines Kulturerbes nimmt.

Tulip die Teufelstaube
00
24.10.2011, 04:09
"Verweile doch, es ist so schön"

Der Titel des Artikels ist schon etwas ungünstig gewählt!
Oder ist der Mephisto aus Hallstadt?

spitzenkandidat.2.0.
022
24.10.2011, 00:07
Die Nespresso-Maschine in jedem Zimmer ist nur eines der Details, die das Hotel so sympathisch machen.

ist das ernst gemeint?

Erisian Liberation Front
14
24.10.2011, 10:23
ist das ernst gemeint?

Glaubens im Ernst, daß ein Bobo einen guten Kaffee erkennen würde, wenn man ihn darin badet?

Wunderbare Welt
 
01
24.10.2011, 10:58
ein echter bobo trinkt keinen kaffee....

er sitzt hat und hat latte

Erisian Liberation Front
01
24.10.2011, 11:02
Aber nur

wenn er darunter leidet kein Mango-Lassi zu bekommen....

Frohe Weinnächte
 
20
24.10.2011, 09:23
naja, für die bauern ist das halt ein grund.

Mann40
05
23.10.2011, 21:59

"Mit etwa 70.000 Nächtigungen im Jahr läuft die Perle des Salzkammerguts unter "ferner liefen"."

Für so ein kleines Dorf eigentlich ganz beachtlich.

Die Nespresso-Kaffeemaschine als Zeichen der Sympathie?

fizcaraldo
04
23.10.2011, 21:38

Hallstadt ist ja schön, aber was soll man dort länger als einen Tag machen?

asinus
00
24.10.2011, 00:52

...und die bemalten Totenschädl anschaun.

nihil obstat
03
23.10.2011, 21:56

Wandern, essen, saufen, pempern - wie in jedem anderen Urlaub auch. ^^

fizcaraldo
00
25.10.2011, 12:15

Dafür muss ich aber nicht nach Hallstadt. Da fahr ich lieber wo hin wo ich mich nicht durch Horden japanische Touristen kämpfen muss.

Wunderbare Welt
 
00
24.10.2011, 10:59
wollen sie totenschädl....

bumsen?

Über uns der Himmel - vor uns das Meer
00
24.10.2011, 12:09
skullial cumshot?

Franz Woyzecks liebste Erbse
12
23.10.2011, 23:49

In einem Dorf, in dem die Söhne die Totenschädel ihrer Väter bunt anmalen und in einem Häusl aufschlichten ?

Gary Grantscherbn
15
23.10.2011, 22:28

nur dass es dort ganz besonders morbid ist...ich liebe das Salzkammergut, aber dort möcht ich wirklich nicht hin.

nihil obstat
017
23.10.2011, 20:28

"Die Nespresso-Maschine in jedem Zimmer ist nur eines der Details, die das Hotel so sympathisch machen."

Nespresso ist ein ausgemachtes No-go. Danke für den Hinweis - jetzt kann ich meinen nachhaltigen Urlaub woanders verbringen. ^^

Der Kirk der auf seine Tochter wartet
07
23.10.2011, 20:21

dort regnets gefühlt auch jeden tag

LGL
01
24.10.2011, 07:55
das tut es im Salzkammergut überall

dafür ist es um so schöner wen es mal nicht regnet. Habe übrigens in Salzburger Baumärkten sogar Gartenschläuche gesehen, aber ich glaube die waschen damit nur die Autos.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.