Android 4.0: Die Stärke liegt im Detail

22. Oktober 2011, 12:31
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Zahlreiche kleine neue Funktionen und viele frische APIs für EntwicklerInnen - Vorinstallierte Apps können "ausgeblendet" werden

Im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung mit Samsung hat Google am Mittwoch nicht nur das neue Android-"Lead Device" Galaxy Nexus, sondern auch eine vollständig neue Version des eigenen mobilen Betriebssystems vorgestellt. Mit Android 4.0 unterzieht man die Plattform nicht zuletzt in optischer Hinsicht einer grundlegenden Überholung, führt zudem die zuletzt getrennten Smartphone- und Tablet-Ausgaben wieder zusammen. Doch auch wenn sich die Vorstellung zahlreichen neuen Funktionen widmete, kratzte diese doch nur an der Oberfläche, wie durch Blog-Einträge und Postings von Google-MitarbeiterInnen auf Google+ klar wird.

Nützliche Tricks

So weist Android-Entwickler Dan Morrill auf ein Feature hin, das die NutzerInnen sehr freuen wird - die Mobilfunkbetreiber aber eher weniger: Lassen sich doch nun auch vorinstallierte Apps aus der Programmliste entfernen, was wohl nicht zuletzt für die oft ungeliebten Zusatz-Apps der Hersteller genutzt werden könnte. Dabei werden diese zwar nicht vollständig deinstalliert, sie werden aber sowohl "versteckt" als auch beim Boot nicht länger automatisch geladen. Abzuwarten bleibt freilich, was die Hardwarehersteller davon halten, und ob sie diese Funktion dann nicht in ihren eigenen Geräten erst recht wieder deaktivieren.

Einstellungen

Einer vollständigen Überarbeitung hat man die Systemeinstellungen unterzogen, dies mit dem Ziel die Organisation logischer, das Aufspüren einzelner Einträge einfacher zu machen. Die GMail-Anwendung wurde nicht nur - wie berichtet - optisch neu gestaltet, es kann nun auch offline in den Mails gesucht werden.

Verschlüsselung

Mit Ice Cream Sandwich lassen sich jetzt auch Smartphones vollständig verschlüsseln, bisher war diese Möglichkeit den Honeycomb-Tablets vorbehalten. Die neue Softwaregeneration verspricht zudem eine in vielen Bereichen deutlich gesteigerte Performance, nutzt man nun doch die 2D-Hardwarebeschleunigung aktueller Grafik-Chips. Vor allem Aufgaben wie "drehen", "skalieren" oder auch die diversen animierten Effekte sollen davon massiv profitieren.

Barrierefreiheit

Ebenfalls neu ist ein "Explore by touch"-Modus, der - optional - mit Tönen dafür sorgen soll, den Screen auch ohne Blick auf den selbigen navigieren zu können, eine wichtige Verbesserung für den Bereich Barrierefreiheit also. Mit "Wifi Direct" ermöglicht Android 4.0 den drahtlosen Ad-Hoc-Austausch von Daten direkt zwischen zwei Geräten. Dritt-Apps könnten dies etwa nutzen, um den lokalen Tausch von Fotos oder Dateien nutzen, selbst das Streamen von Videos zwischen zwei Devices soll so möglich werden. Ebenfalls neu ist der Support für das Bluetooth Health Device Profile, das für die Verbindung zu drahtlosen medizinischen Geräten genutzt werden kann - irgendwo zwischen Spital und Fitness-Center.

Einheitlich

Die zentrale Änderung aus Perspektive der EntwicklerInnen ist fraglos das vereinheitlichte UI-Framework für Smartphones und Tablets. Dank "Fragments", "Action Bar" und Co. sollen sich einfach Apps erstellen lassen, die auf beiden Formfaktoren gut aussehen. Wie auch die in der Größe veränderbaren Home-Screen-Widgets übernimmt man dies von "Honeycomb", womit diese Flexibilität erst wirklich schlagend wird. Dazu kommt aber noch eine Fülle vollständig neuer APIs (Programmierschnittstellen).

Sozial

So gibt es jetzt ein Social-API, womit es einen vereinheitlichten Zugriff auf Kontakte, Profil-Daten, Status-Updates und Fotos gibt. Ebenfalls neu ist ein offizielles Kalender-API, auch wenn dieses wohl manchen EntwicklerInnen etwas Kopfzerbrechen bereiten wird. Haben viele doch für solche Aufgaben bislang undokumentierte APIs von Android verwendet - für die Google allerdings keinerlei Stabilitätsgarantie abgibt. Insofern müssen entsprechende Programme für Android 4.0 angepasst werden.

Erweiterbar

Es gibt neue Schnittstellen für Audio-Effekt, sowie eine Integration von Visual Voicemail direkt ins Anruf-Interface von Android, wie anhand von Google Voice bei der Präsentation bereits zu sehen war. Die Rechtschreibprüfung lässt sich extern erweitern, auch das Text-to-Speech-API macht man mit "Ice Cream Sandwich" offiziell.

Medial

Medien-Anwendungen können auf ein Low-Level-Streaming-API und das HTTP Live Streaming Protokoll in der Version 3 zugreifen. Dazu kommt die Unterstützung des Grafikformats WebP, sowie jene für Matroska-Container bei Vorbis und VP8. Android 4.0 bietet offiziellen Stylus-Support, sowie diverse Netzwerk-APIs mit denen Anwendungen Netzwerkzugriffe effizienter gestalten können. Dies auch unter dem Blickpunkt, dass die NutzerInnen in der neuen Version gezielt Anwendungen Netzwerktransfer im Hintergrund verbieten können.

Sicherheit

Neben der bereits erwähnten Verschlüsselung gibt es noch weitere sicherheitsrelevante Verbesserungen: Dazu gehört ein eigenes VPN-API - mit dessen Hilfe auch eigene Lösungen in diesem Bereich gebastelt werden können - sowie eines um im Schlüsselring sicher Login-Informationen und Passwörter abzuspeichern. Address Space Layout Randomization soll die effektive Ausnutzung von Sicherheitslücken erheblich erschweren, AdministratorInnen können künftig den Zugriff auf die Kamera unterbinden.

Offenes

Von all dem abgesehen, könnte sich Google auch so noch die eine oder andere kleine Überraschung in der Hinterhand behalten haben. Immerhin wurden laut dem Unternehmen beispielsweise alle System-Anwendung optisch umgestaltet - zu sehen gab es bisher aber nur einen Teil davon. So kursiert etwa schon seit Wochen eine für Ice Cream Sandwich neu gestaltete Version von Google Music, die man bisher allerdings nicht offiziell gezeigt hat. Wirklich spannend wird aber wohl vor allem, was die Android-Community in den kommenden Monaten alles mit den zahlreichen neuen APIs anstellen wird... (, derStandard.at, 21.10.11)

  • Neben dem großen neuen Features bietet Android 4.0 auch viele Detailverbesserungen.
    grafik: google

    Neben dem großen neuen Features bietet Android 4.0 auch viele Detailverbesserungen.

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