Humanitäre Hilfe

Bitte keine Almosen

Gastkommentar | 21. Oktober 2011, 09:23

Will Österreich tatsächlich in Fragen der Menschenrechte und der humanitären Hilfe international eine Rolle spielen? Wenn ja, ist ein Kurswechsel angesagt: weg von einer Politik des Mitleids, hin zu einer Politik der Verantwortung - Von Max Santner

Es kommt Bewegung in die staatliche Hilfe für die vom Dürre und Hunger betroffenen Menschen in Ostafrika. Am 6. Oktober hat Außenminister Spindelegger in einer Aussendung angekündigt, ein Zeichen der Solidarität zu setzen und die österreichischen Hilfszahlungen aufzustocken. Und seit dem 12. Oktober ist klar, dass er es sehr ernst damit meinte. Die Bundesregierung versechsfacht die Hilfsgelder auf 8,5 Millionen Euro. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass zuvor kaum ein Land in der Europäischen Union weniger Geld zur Verfügung gestellt hat als Österreich, ist das erfreulich und ein Schritt in die richtige Richtung. Vielleicht schafft es Spindelegger, diesen Schwung mitzunehmen und wird jener Außenminister, der die staatliche humanitäre Hilfe neu organisiert - so, dass Österreich auch international in diesem Bereich nicht mehr unterhalb der Wahrnehmungsgrenze grundelt.

Einige Baustellen zu bearbeiten

Derzeit nämlich fällt ein Vergleich der humanitären Hilfe Österreichs mit der anderer europäischer Staaten - unabhängig welche statistischen Daten und welchen Zeitraum man analysiert - peinlich aus. Selbst in einem Bericht der ADA, jener Agentur, die für die Umsetzung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit verantwortlich ist, kommen die Autoren zum Schluss, dass die humanitäre Hilfe in Österreich mit zu geringen Mitteln ausgestattet ist, als dass unser Land "als profilierter Akteur national oder international auftreten" könne.

Wollen Spindelegger und Staatssekretär Wolfgang Waldner tatsächlich - wie angekündigt - "frischen Wind" in die EZA-Politik bringen, wartet viel Arbeit auf sie. Einige Baustellen liegen direkt in ihrem Ressort - zum Beispiel der im Außenministerium angesiedelte Auslandskatastrophenfonds. Obwohl er bereits seit 2005 existiert, wurde der Fonds 2009 erstmals dotiert - mit fünf Millionen Euro. Weite Sprünge können damit nicht gemacht werden.

Welche Behörde zuständig?

Zusätzlich zu der chronischen Unterfinanzierung kommt ein weiteres Manko. Es gibt keine Behörde, die die humanitäre Hilfe Österreichs koordiniert. Sogar im Außenpolitischen Bericht 2009 des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten wird diese Fragmentierung beschrieben. Dort heißt es: "Die bilaterale humanitäre Hilfe wird sowohl von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit als auch dem Bundesministerium für Inneres, dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft und dem Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport, von den Ländern und Gemeinden sowie von anderen öffentlichen Stellen finanziert und abgewickelt." Jeder mischt ein bisschen mit. Effizienz sieht anders aus.

Sensible Bevölkerung

Im Gegensatz zu ihren politischen Vertretern nimmt die österreichische Bevölkerung humanitäre Notstände sehr sensibel wahr und ist auch bereit, zu spenden, wenn es darum geht, Menschenleben zu retten. Bei zahlreichen Katastrophen übersteigt das private Spendenvolumen jene Mittel, die von der Regierung bereitgestellt werden um ein Vielfaches. Diese Solidarität der Österreicher ist zu würdigen, enthebt den Staat allerdings nicht seiner Verantwortung.

Notwendige Schritte

Um den gesellschaftspolitischen Stellenwert der humanitären Hilfe zu heben, müsste folgendes gelten: humanitäre Hilfe ist kein Akt des Mitleids, ist nicht als Almosen zu verstehen und hat mit Mildtätigkeit nichts zu tun. Sie basiert auf Rechten, konkret auf Menschenrechten. Es ist also nur schlüssig, wenn Österreich - immerhin Mitglied des UNO-Menschenrechtsrats - zusätzlich zu den (wichtigen) Resolutionen, die es in diversen Gremien (UN-Sicherheitsrat, UN-Menschenrechtsrat) einbringt, auch Geld in die Hand nimmt und bereit ist, Strukturen zu verbessern. So kann der Einhaltung der Menschenrechte Vorschub geleistet werden. Nicht nur Menschen, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, würden davon profitieren, auch der Glaubwürdigkeit der österreichischen Außenpolitik wäre ein wertvoller Dienst erwiesen.

Solange humanitäre Hilfe als Ermessensausgabe - im Sinne einer wohltätigen Spende - verstanden wird, kann Österreich seiner internationalen Verantwortung kaum nachkommen. Eine angemessene Mittelausstattung und die Zusammenfassung der humanitären Hilfe in einer einzigen Behörde sind zwei Grundvoraussetzungen, für eine aktive Rolle Österreichs in der humanitären Hilfe. Derzeit geben wir nur vor, diese zu spielen. (Max Santner, derStandard.at, 21.10.2011)

Der Autor leitet den Bereich Internationale Hilfe beim Österreichischen Roten Kreuz und spricht beim Humanitären Kongress am 21. Oktober auf der Universität Wien zum Thema: Humanitäre Hilfe: Quo Vadis, Österreich?

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18 Postings
HansPeter10
00
23.10.2011, 17:02

Mitleid? Wer hat mit uns Mitleid, wenn wir von Griechenland ausgesaugt werden. Die Geldsumme die dort hingeht ist aber schon beachtlich. Da bleibt halt weniger für Andere übrig.

frankazanka
31
23.10.2011, 09:59
das mitleid und das gewissen

der autor hat recht. mit mitleid und vor allem dem schlechtem gewissen ist niemandem geholfen. dass es vielen leuten schlecht geht, damit produkte bei uns so billig sein können, ist fakt. dass wir zu viele ressourcen verbrauchen und die erde mit plastik und abgasen kaputtmachen, ist fakt. es geht nicht darum, mit einem schlechten gewissen herumzulaufen, sondern die augen aufzumachen, sich zu informieren und zu handeln.

frankazanka
21
23.10.2011, 10:12

und konkret für die entwicklungshilfe bedeutet das eben, effizienter zu werden. nicht nur mehr geld, sondern auch sinnvoll eingesetztes geld.
für alle die hier schreien "die sollen sich doch dort erstmal selbst auf die beine helfen" - das geht schwer, wenn man zb durch kriege und dürren, für die man nichts kann, nichts besitzt und gerade am verhungern ist. logischerweise muss es kurzfristige und langfristige hilfe geben, die auch über geld hinausgeht.

HansPeter10
00
23.10.2011, 17:05

Also die Dürren lass ich durchgehen, aber für Kriege sind die die schon vor Ort verantwortlich.

Wüstenfloh
23
22.10.2011, 22:29
Welche Verantwortung?

Ich habe die Leute nie ausgebeutet, trage also keine Verantwortung. NGO`s, die mir das einreden wollen, kriegen keinen Cent mehr von mir. Im übrigen ist ja bekannt, daß vor allem die höheren Chargen des Roten Kretzes geradezu üppige Gagen kassieren!

HansPeter10
00
23.10.2011, 17:04

Sehr richtig, ich trage auch für die Greuel des 2.WK keine Verantwortung!

Erisian Liberation Front
18
22.10.2011, 11:58
weg von einer Politik des Mitleids, hin zu einer Politik der Verantwortung

Kurzfassung:

Weihnachten kommt und sie wollen einen Dauerauftrag anstelle der Einmalspenden.

Johannes Benn
512
21.10.2011, 13:23
.

zuerst wird mitteln mitleid erzeugt werden und soll man sich auch noch einreden lassen es handele sich gar nicht um mitleid sondern im verantwortung, geradezu eine pflicht zu helfen.
wie waere eine politik der selbstverantwortung?
die hilfbeduerftigen gegenden sollten dann hilfe bekommen wenn sie selbstverantwortung uebernehmen das heißt an erster stelle geburtenkontrolle stattfindet

suboptimal
 
45
21.10.2011, 21:53
oder die Dürre

und Kriege verbieten, gell?

Wir helfen den Verhungernden erst dann, wenn sie "Selbstverantwortung" übernehmen und Geburtenkontrolle einführen?
Für solche wie Sie wird sich noch Ihre Tastatur fremdschämen.

kerstin stiege
01
23.10.2011, 13:30

warum nicht ?

eine vernünftige geburtenkontrolle würde doch viele probleme lösen.

maxbz
16
21.10.2011, 22:42
Dürre ist nur vorgeschoben, Hauptgrund ins Unfähigkeit und Korruption

Dürren sind in vielen Teilen der Welt so regelmäßig, wie bei uns der Winter.
Viele Regierungen handeln aber absolut verantwortungslos und lassen sich dann vom Westen helfen und das immer wieder neu, seit Jahrzehnten. Das muss endlich ein Ende haben.

http://www.spiegel.de/politik/a... 05,00.html

Johannes G.
214
21.10.2011, 11:43

Der Autor verschweigt nur, dass er selber ein gewisses Interesse and mehr Geld hat. Schliesslich will er ja in seiner Organisation mehr Gewicht haben, mehr Personal, mehr Projekte mehr Geld, das ist gut für die Karriere.
Und die NGO community umfasst mittlerweile hunderte z.T kleinster NGOs, die um Geld und Prestige kämpfen. Jeder mischt ein bisschen mit. Effizienz sieht anders aus.

j.h.k.
03
21.10.2011, 11:36
Will Österreich tatsächlich in Fragen der Menschenrechte und der humanitären Hilfe international eine Rolle spielen?

was für eine dämliche frage! natürlich nicht!!

Londo Mollari
 
011
21.10.2011, 10:44
entwicklungshilfe ist anmaßend und heuchlerisch

viel schöner wäre es, mit den anderen ländern der erde schlicht fair umzugehen. dann brauchts auch nicht so eine spielwiese für pseudogutmenschen wie "entwicklungshilfe".

Weltstaat
 
01
23.10.2011, 14:15
Sehr richtig!!

grün

Fritz Meyer
06
21.10.2011, 15:47
Ein passendes Zitat.

"Charity degrades those who receive it and hardens those who dispense it." - George Sand

Johannes Benn
10
21.10.2011, 13:24
.

fair wuerde fuer mich bedeuten:
die eine seite verschont die andere mit migration dafuer verschont die andere die erste seite mit ausbeutung.

bläh! bläh!
01
22.10.2011, 09:55

die werden zuhause aber auch vom westen ausgebeutet...

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