TA will Pflichtoffert-Preisabschlag ausschließen

2. Juni 2003, 20:49
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Rahmen für zweiprozentige Kapitalerhöhung soll geschaffen werden

Wien - Die Telekom Austria (TA) will am Mittwoch bei der ordentlichen Hauptversammlung (HV) per Satzungsänderung den im Übernahmegesetz vorgesehenen Preisabschlag für Kleinaktionäre im Falle eines Pflichtangebotes ausschließen, geht aus der Tagesordnung zur HV hervor. Seit Monaten gibt es in der Branche Gerüchte über einen Einstieg der Swisscom bei der TA. Zuletzt hatte es Anfang Mai geheißen, die Swisscom habe Interesse an der TA, nachdem im April erste Gespräche über einen Einstieg der Schweizer angeblich wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen gescheitert waren.

Zudem soll bei der HV am 4. Juni ein fünfjähriger Rahmen für eine Kapitalerhöhung um bis zu 10 Mio. Aktien oder 2 Prozent des Grundkapitals für ein Aktienoptionsprogramm geschaffen und der Vorstand zu einem Aktienrückkauf von bis zu 50 Mio. Aktien oder 10 Prozent binnen 18 Monaten zu einem Preis zwischen 9 und 15 Euro ermächtigt werden.

Corporate Governance stärken

Mit dem Ausschluss des Preisabschlags für Minderheitsaktionäre will die TA ihre Corporate Governance stärken und ihre Satzung an die anderer Unternehmen aus dem Portfolio der ÖIAG angleichen, erklärte das Unternehmen dazu. Außerdem sollen "alle Aktionäre künftig gleich gestellt sein". An sich schreibt das heimische Übernahmegesetz in § 26 Abs. 1 für Pflichtangebote vor, dass der Angebotspreis zumindest dem durchschnittlichen Aktienkurs der letzten 6 Monate entsprechen muss und zugleich den vom Käufer bezahlten Höchstkurs während der letzten 12 Monate um höchstens 15 Prozent unterschreiten darf. Dieser 15-Prozent-Abschlag soll nun durch einen neuen § 22 in der TA-Satzung ausgeschlossen werden.

Bei der HV will sich der Vorstand außerdem ermächtigen lassen, während einer Geltungsdauer von 5 Jahren das TA-Grundkapital von derzeit Nominale 1,0905 Mrd. Euro um bis zu 21,81 Mio. Euro oder um bis zu 2 Prozent durch Ausgabe von bis zu 10 Mio. auf Inhaber oder Namen lautende neue Stammaktien ohne Nennwert (Stückaktien) zu erhöhen, um Aktienoptionen zu bedienen, die Arbeitnehmern, leitenden Angestellten und Mitgliedern des Vorstandes der TA oder eines mit ihr verbundenen Unternehmens eingeräumt werden.

Aktienoptionsprogramm

Das Aktienoptionsprogramm hat eine Laufzeit von 1 bis 7 Jahren, die Ausübung der Optionen ist an die Profitabilität der Gesellschaft entsprechend branchenüblicher Indikatoren geknüpft. Der Ausübungspreis wird unter Berücksichtigung des Börsenkurses berechnet und beträgt mindestens 9 Euro pro Aktie.

Ferner sollen die TA-Aktionäre den Vorstand ermächtigen, bis zu insgesamt 50 Mio. TA-Aktien - oder bis zu 10 Prozent des bestehenden Grundkapitals - binnen 18 Monaten zu einem Preis von mindestens 9 und höchstens 15 Euro je Aktie zu erwerben. Das Aktienrückkaufsprogramm würde in Übereinstimmung mit dem österreichischen Aktiengesetz durchgeführt, das die Gleichbehandlung aller Aktionäre fordert, so die TA. Es würde entweder durch eine Reihe von Aktienkäufen über die Börse oder durch ein spezielles öffentliches Angebot abgewickelt werden. Die Durchführung eines Rückkaufprogramms setze das Vorhandensein ausschüttbarer Reserven im Einzelabschluss der Telekom Austria AG nach österreichischem HGB voraus.

Auszahlung einer Dividende nicht beeinträchtigt

Die Ermächtigung für einen Aktienrückkauf würde die Absicht der Auszahlung einer Dividende im Jahr 2004 für das Finanzjahr 2003 auf Basis einer 50-prozentigen Ausschüttung des Nettogewinns, nicht beeinträchtigen, betont die TA.

Die Telekom Austria, an der die Staatsholding ÖIAG 47,2 Prozent hält, soll laut Privatisierungsbeschluss der Regierung in dieser Legislaturperiode zu "bis zu 100 Prozent" privatisiert werden. Auch die Telecom Italia (TI) - sie hält derzeit noch 14,8 Prozent - wird sich voraussichtlich bis spätestens 2004 aus der TA zurückziehen.(APA)

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