Lasst den Gaisstein, wie er ist!

    31. Mai 2003, 13:05
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    Keine Markierung, aber ein Zaun am alpinsten Gipfel der Voralpen?

    Der Gaisstein bei Furth im Triestingtal bewegt wieder einmal die Gemüter, denn sein Gipfelbereich soll erneut durch einen Zaun abgesperrt werden. Und das erbost die Gaisstein-Fans, die den Berg für den alpinsten Gipfel der Voralpen halten – und für einen der schönsten obendrein.

    Schon im 18. Jahrhundert las man im Gebirgsfreund: "Würdige nur einmal auch Du den Gaisstein einer Besteigung, lieber Bergfreund, dann werden Dir die Augen aufgehen oben auf dem schneidigen Grate vor der ungeahnten Herrlichkeit, Romantik und Größe seiner Felswände!"

    Das löste einen Boom aus, man wollte sogar eine Hütte auf dem "Matterhorn des Waldgebirges" errichten, zumal auch der bekannte und viel beachtete Touristenführer von Förster-Ronniger urteilte: "Als stolzes Wahrzeichen (...) erhebt sich, nach Norden in gewaltigen Felswänden abstürzend, der Gaisstein, dem Beschauer von jeder Seite einen imponierenden Anblick gewährend."

    Sehr bald aber versank der Berg wieder in einen Dornröschenschlaf, nach dem Zweiten Weltkrieg war seine Besteigung verboten. Noch immer führt keine markierte Route auf seinen höchsten Punkt, der seit ein paar Jahren ein Gipfelkreuz trägt.

    Im Gipfelbuch, das in einem hölzernen Sitz deponiert ist, liest man etwa: "Hoch überm grünen Furthertale, ganz nah dem blauen Himmelszelt auf kühnem Fels ein kleines Bankerl, für uns der schönste Platz der Welt." Oder: "Lasst den Gaisstein, wie er ist, alles andre wäre Mist." Wer den Gipfel kennt, reiht sich gerne in die Schar derer ein, die für freien Zugang eintreten. Nun ist die schönste Zeit, den Gaisstein kennen zu lernen.

    Die Route:
    Man fährt mit dem Auto von Weißenbach an der Triesting Richtung Furth, biegt in der Schromenau nach links (Wegweiser Steinwandklamm) ab und fährt dann beim alten Kalkofen rechts in das Ebelthal bis zu einem aufgelassenen Steinbruch. Man wandert in das Tal hinein bis zu den letzten Häusern, dann beginnt die Steigung.

    Nach einer scharfen Rechtskurve bei einem Stadel zweigt der Weg nach links ab, man erreicht den verfallenen Bauernhof auf der Himmelsreith und gelangt – alles unmarkiert – in den Wiesensattel oberhalb des Anwesens. Direkt im Sattel beginnt ein schmaler, teilweise mit Steinmandln gekennzeichneter Weg, der zum Gipfel führt. Gehzeit ab Steinbruch 2 Stunden.

    Zurück geht es auf der Anstiegsroute bis zur Himmelsreith, dort wechselt man nach links auf die rote Markierung, um über den Gaissteiner zum Gehöft Amöd zu gelangen. Nach rechts (Süden) führt eine schmale Straße zum Ausgangspunkt. Ab Gipfel 1½ Stunden. Gesamtgehzeit 3½ Stunden, Höhendifferenz 550 m. Kein Stützpunkt. Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 75 (Puchberg)

    Von Bernd Orfer
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      Symbolfoto

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