"Bali-Anschläge Teil eines Krieges gegen USA"

2. Juni 2003, 14:09
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Mutmaßlicher Kopf der Bali-Attentäter vor Gericht - Computerexperte soll für Tod von mehr als 200 Menschen verantwortlich sein - Bei Schuldspruch droht Todesstrafe

Bali - Vor einem indonesischen Gericht hat am Montag der Prozess gegen einen mutmaßlichen Drahtzieher der Bombenanschläge von Bali begonnen. Imam Samudra wird vorgeworfen, die Anschläge vom 12. Oktober geplant und ausgeführt zu haben. Seine Anwälte und die Polizei erklärten, der 33-Jährige sei geständig. Samudra soll ein führendes Mitglied der Terrorgruppe Jemaah Islamiyah sein, der Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida vorgeworfen werden. Bei einem Schuldspruch droht ihm die Todesstrafe.

Samudra soll zudem an einer Reihe von Bombenattentaten auf Kirchen in der indonesischen Hauptstadt Jakarta zu Weihnachten 2000 beteiligt gewesen sein, bei denen mindestens 19 Menschen starben, hieß es von der Staatsanwaltschaft zum Prozessauftakt auf Bali. Der Computertechniker habe "terroristische Verbrechen geplant, die eine massive Zahl von Opfern forderten und große Angst auslösten", sagte Oberstaatsanwalt Nyoman Dila bei der Verlesung der 43-seitigen Anklageschrift. Die Attentäter hätten den Tod von Muslimen durch die US-Angriffe auf den Irak im Jahr 1991 und auf Afghanistan rächen wollen.

Der Angeklagte habe seinen Komplizen bei verschiedenen Treffen von einem "großen Projekt berichtet, einen Krieg gegen die USA zu entfesseln und mehrere Anschläge auf Bali zu verüben", hieß es von Seiten der Anklage. Zudem habe er die Anweisung gegeben, den Sprengstoff und einen Minivan zu besorgen, in dem die stärkste der beiden Bomben versteckt war. Nach Angaben der indonesischen Ermittler war Samudra Mitte der 90er Jahre in Afghanistan im Guerillakampf ausgebildet worden.

Samudras Anwälte forderten ein Ende des Gerichtsverfahrens. Die erst nach dem Terroranschlag erlassene Anti-Terror-Gesetzgebung dürfe nicht auf ihren Mandanten angewandt werden, argumentierten die Anwälte mit Blick auf das mögliche Todesurteil. Die Todesstrafe wurde erst durch die Anti-Terror-Gesetze möglich. Der Prozess wurde auf Mittwoch vertagt, damit die Staatsanwaltschaft diesen Einwänden entgegentreten kann.

Mitte Mai hatte auf Bali das erste Verfahren um den Anschlag gegen den Gelegenheitsmechaniker Amrozi begonnen. Er, zwei seiner Brüder und Samudra gelten als Hauptverdächtige. Am Montag wurde außerdem ein Verfahren gegen vier Verdächtige eröffnet, die zur Finanzierung des Anschlags ein Juweliergeschäft ausgeraubt haben sollen. Im Zuge der Ermittlungen wurden insgesamt etwa 30 Verdächtige festgenommen. Die indonesischen Fahnder sehen hinter der Tat die muslimische Extremistenorganisation Jemaah Islamiyah, der viele der Verdächtigen angehören sollen.

Bei dem Attentat auf zwei gut besuchte Nachtclubs auf der indonesischen Insel Bali waren am 12. Oktober 2002 mindestens 202 Menschen getötet worden. Die meisten davon waren ausländische Touristen. Der Terroranschlag gilt als der schwerste seit dem 11. September 2001. Die Angehörigen mehrerer Opfer besuchten am Montag den Prozess, der unter strengen Sicherheitsvorkehrungen auf Bali stattfindet. (APA/dpa/AP)

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