Die ersten Jäger Nordamerikas

20. Oktober 2011, 20:19
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Neueste Untersuchungen zeigen: Ur-Amerikaner haben Mammuts und ähnlich große Mastodons schon viel früher gejagt und wohl auch dezimiert als bisher angenommen

Kopenhagen/Wien - Eske Willerslev ist einer der Stars jenes boomenden Forschungsfelds, das sich Paläogenetik nennt. Der 40-jährige Professor an der Uni Kopenhagen, der einige Jahre als Trapper in Sibirien lebte, hat zum Beispiel 2010 aus 4000 Jahre alten Haaren eines Ur-Grönländers erstmals das Genom eines längst verstorbenen Menschen rekonstruiert. Ende September erst gelang es ihm, aus Haaren von Aborigines die genaue Abstammung der ersten Bewohner Australiens zu ermitteln.

Seine jüngste Studie knüpft an einer Arbeit an, die er vor drei Jahren mitverfasste und in der er anhand von menschlicher DNA in 12.300 Jahre alten menschlichen Kotspuren aus Oregon im Nordwesten der USA die Besiedlung Nordamerikas rückdatieren konnte. Diesmal nahm Willerslev mit Kollegen den fossilen Rippenknochen eines Amerikanischen Mastodons (Mammut americanum) unter die genetische Lupe, in dem noch ein Teil einer Waffenspitze steckt.

Der Rippenknochen stammt aus einer Grabungsstelle im Bundesstaat Washington. Dort wurde bereits zwischen 1977 und 1979 ein einzelnes Mastodon ausgegraben. Einzelne Knochen des Tieres waren zerbrochen, von anderen waren Stücke abgeschlagen worden. So kamen bald Zweifel auf, ob der Rippenknochen mit der knöchernen Projektilspitze, die 2,5 cm in die Rippe eindrang, tatsächlich zu dem Skelett gehört oder später an die Fundstelle gelangte. Willerslev konnte diese Gretchenfrage mit Analysen der alten DNA klären.

Bei den Altersbestimmungen mittels C14-Methode zeigte sich dann, dass alle Proben gleich alt sind, nämlich etwa 13.800 Jahre. Das Tier wurde vor also rund 800 Jahre vor dem Beginn der Clovis-Kultur erlegt, die in den nächsten Jahrtausenden Nordamerika dominierte. Die Forscher folgern daraus im Fachblatt Science (Bd. 334, S. 351), dass die Clovis-Menschen auch nicht allein verantwortlich für den späteren Niedergang des urzeitlichen Großwilds in Nordamerika. Das dürfte sehr viel länger einem erheblichen Jagddruck ausgesetzt gewesen sein als bisher gedacht. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2011)

  • Vor fast 14.000 Jahren bohrte sich der Speer eines Ur-Amerikaners genau hier in den Rücken eines Mastodons.
    foto: texas a&m university

    Vor fast 14.000 Jahren bohrte sich der Speer eines Ur-Amerikaners genau hier in den Rücken eines Mastodons.

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