Darwin aus der Dose

20. Oktober 2011, 19:26
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Der Street-Artist Roa bannt riesige Tiere auf Mauern und Hauswände. Die Wiener Inoperable Gallery zeigt Zeichnungen des belgischen Künstlers

Wien - Den in Schwarz-Weiß gehaltenen Bildern haftet etwas Mystisches an, manchmal wirkt ihre Größe auch bedrohlich. Haushohe schlafende Ratten, seelenlose Vögel auf einem Fabriksilo oder Fische auf rotem Backstein. Auf einer Wiener Feuermauer prangt ein gigantischer Fuchs.

Der belgische Street-Artist Roa schwärmt für Tiere und sprüht sie überdimensional auf Häuserwände, verlassene Fabrikgelände oder Hinterhöfe. Vereinzelt auch im Verwesungszustand oder nur mehr als karge Gerippe. Eines haben sie gemeinsam: Sie spiegeln die Vergänglichkeit des Lebens. Im belgischen Gent aufgewachsen, zählt er heute zu den international herausragendsten Vertretern der Street-Art und wird mit Banksy, JR und Shepard Fairey in einem Atemzug genannt. Wie alle Künstler der urbanen Schmiede, hält Roa seine wahre Identität geheim. Warum aber Tiere? Sie erzählen ihm mehr über die Welt als irgendeine andere Kreatur, sagte er einmal in einem Interview.

Von Darwins illustrierter Ausgabe von Origin of the Species ist er besonders begeistert. Seine monumentalen Bilder findet man über den ganzen Globus verteilt: In New York, Mexiko, Paris oder Afrika. Welche Tiere er malt, hängt von der Region ab. In Gambia hinterließ er Giraffen und Elefanten.

Roa geht vor wie ein Wissenschafter; fertigt Skizzen an und malt dann vor Ort bis zu 18 Stunden. In der Ausstellung Decomposition in der Inoperable Gallery in Wien sind jedoch vor allem seine Bleistift- und Tuschezeichnungen von Tieren zu sehen. Mit "Künstlern, die urban sind" leistet die Galerie Pionierarbeit in diesem Kunstsegment. Ihr Schwerpunkt liegt auf internationaler Urban Art: Im November folgt eine Ausstellung mit der französischen Künstlerin Miss Van.  (Michael Ortner   / DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2011)

Inoperable Gallery, 7., Burgg. 24, bis 29.10.

  • Roa arbeitete mehr als zwei Tage an dem überdimensionalen Fuchs in der 
Westbahnstraße.
    foto: inoperable gallery

    Roa arbeitete mehr als zwei Tage an dem überdimensionalen Fuchs in der Westbahnstraße.

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