ETA

"Bewaffneter Kampf beendet"

20. Oktober 2011, 21:06

Baskische Separatisten geben Strategie des Terrors auf

Bilbao/Madrid - Die baskische Untergrundorganisation ETA "Euskadi Ta Askatasuna" (Baskenland und Freiheit) hat sich nach 43 Jahren von der Strategie des Terrors losgesagt. Dies geht aus einem Kommuniqué der Organisation hervor, das die baskische Zeitung "Gara" am Donnerstag veröffentlichte. "Die ETA hat entschieden, ihre bewaffnete Aktivität definitiv einzustellen", hieß es in der Erklärung.

Die ETA appellierte zugleich an die Regierungen in Spanien und Frankreich, direkte Verhandlungen mit der Organisation aufzunehmen. Sie sagte in dem Kommuniqué jedoch nichts darüber aus, ob die Organisation sich auflösen und ihre Waffen abgeben will.

Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero (Sozialisten/PSOE) begrüßte die Ankündigung der ETA: "Wir werden eine Demokratie ohne Terrorismus haben", sagte er. Spanien werde aber das Leid der Opfer des Terrors nicht vergessen. Der baskische Regierungschef Patxi López (Sozialisten/PSE) betonte: "Mit dem Kommuniqué bestätigt die ETA ihre Niederlage. Die Organisation ist an ihr Ende gelangt, ohne auch nur ein einziges ihrer Ziele erreicht zu haben."

Friedenskonferenz

Mit der angekündigten Aufgabe der Strategie der Gewalt folgte die ETA der Forderung einer internationalen Friedenskonferenz, die die Terroristen am Wochenende zu einer Niederlegung der Waffen aufgerufen hatte. Das Treffen in der nordspanischen Küstenstadt San Sebastián war unter dem Vorsitz des frühere UN-Generalsekretärs Kofi Annan gestanden. An der Konferenz nahmenauch der Chef der nordirischen nationalistischen Partei Sinn Fein, Gerry Adams, sowie der ehemalige irische Ministerpräsident Bertie Ahern teil. Er hoffe, dass im Baskenland eine ähnliche Lösung gefunden werden könne wie in Nordirland, hatte Adams am Montag dem Radiosender RTE gesagt.

"Im Baskenland beginnen nun neue politische Zeiten", betonte die ETA in ihrem Kommuniqué. "Anstelle von Gewalt und Repression sollen Dialog und Einvernehmen den neuen Zyklus bestimmen." Zur Entscheidung der ETA dürfte maßgeblich beitragen haben, dass die Organisation in den vergangenen Jahren durch die Festnahme ihrer Führer und die Zerschlagung ihrer Terror-Kommandos erheblich geschwächt worden war. Sogar die Anhänger der verbotenen Separatistenpartei Batasuna (Einheit), die als der politische Arm der ETA gegolten hatte, gingen auf Distanz zu den Terroristen und verlangten eine Ende des Terrors.

ETA kämpft seit gut einem halben Jahrhundert für die Gründung eines unabhängigen baskischen Staates in Nordspanien und Südfrankreich. Ihr erstes Attentat verübte sie im Jahr 1968. Seither kamen bei etwa 4000 Terroranschlägen mehr als 830 Männer, Frauen und Kinder ums Leben. 2300 Menschen wurden verletzt. Tausende von Politikern, Richtern und hohen Beamten im Baskenland mussten von Leibwächtern vor den Terroristen geschützt werden. Das letzte Attentat der ETA liegt zwei Jahre zurück.

Die von der Europäischen Union als Terrororganisation eingestufte ETA kämpft seit mehr als vier Jahrzehnten gewaltsam für die Unabhängigkeit des Baskenlandes. Sie wird für den Tod von fast 830 Menschen verantwortlich gemacht. Im Jänner dieses Jahres verkündete die ETA eine Waffenruhe. Die spanische Regierung wies das Angebot jedoch zurück und verlangte die bedingungslose Aushändigung aller Waffen und die vollständige Auflösung der Organisation.

Die durch zahlreiche Festnahmen geschwächte Gruppe hat seit August 2009 keine Anschläge mehr in Spanien verübt. Im September gab die ETA bekannt, dass die meisten der 700 inhaftierten Mitglieder zugestimmt hätten, die Gewalt zu beenden. In Spanien finden am 20. November Parlamentswahlen statt, bei denen den Sozialisten wegen der Wirtschaftskrise eine herbe Niederlage vorausgesagt wird. Medienberichten zufolge habe die ETA danach getrachtet, ihre Entscheidung noch in der Amtszeit Zapateros bekanntzugeben. (APA)

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14 Postings
supermike
41
21.10.2011, 10:07
Gerade jetzt

wo bewaffnete Rebellen (wie z.B. in Libyen) salonfähig geworden sind geben die Ihren Kampf auf ?
Schwache Leistung.
Libyen hätte der ETA eigentlich zeigen müssen, dass man nur mit Waffen seine Forderungen durchsetzen kann und sogar international dafür gefeiert wird.

Umgekehrt müsste man nämlich die Libyschen Rebellen für die Gewalttaten verurteilen - hätten die statt Gewalt auszuüben verhandelt, hätte man 10.000`te Menschenleben gerettet.

DuesselDoofer
00
19.11.2011, 12:30
bei dir...

macht mir Rotstricheln besonders viel Spaß.

lg

Dr. Oaschhelmut Zdenko-Zdenk
00
21.10.2011, 10:00
Bedeutet das jetzt auch,

dass sie nicht mehr den Kommunismus via Revelution einführen wollen?

Carlito336
13
21.10.2011, 08:44
Autonomie und Frieden,

das ist jetzt wirklich greifbar.
Hoffentlich vergeigt der Staat nicht in letzter Minute die Versöhnung. Spanien darf diese ausgestreckte Hand nicht zurückweisen, muss jetzt politisch einen Schlussstrich ziehen. Die 700 inhaftierten Basken stellen nach einem Friedensschluss keine Bedrohung mehr dar.
Zapatero könnte so als der große Versöhner und Friedenstifter noch einmal durchstarten.

MARTIN FREUKES
 
22
21.10.2011, 08:21
Und die Waffen?

Wo sind diese? Wo ist die Entschuldigung ( wenn es eine gibt ) an den Opfern.
Gestern sprach man nur von den Terroristen im Gefängniss und im Exil, von den Kindern und Frauen welche durch die Indiskriminierten Attentate zum Opfer gefallen sind, verlor der Sprecher kein Wort.

Ausserdem wurde " nur " von einem Waffenstillstand gesprochen aber die Waffen werden nicht den Behörden ausgehändigt.

Dieses Theater ist nur dazu bestimmt, um bei den nächsten Wahlen eine Partei legalisiert zu bekommen.

Will die Terrororganisation ETA sich wirklich den demokratischen Regeln unterwerfen, dann müsse diese Meldungen mit unverdeckten Gesicht und einer Entschuldigung an die Opfer gemacht werden.

Ich B. Sisyphos
 
35
21.10.2011, 03:46

Irgendwie hab ich grad ein total intesives Dejavu-Gefühl. Täuscht das, oder beenden die den bewaffneten Kampf alle paar Jahre?

karl radek1
00
21.10.2011, 11:47
Stimmt. Das haben sie schon öfters angekündigt

Bloß haben sie bis jetzt vom Staat keine Antwort gekriegt.
Warum nur nimmt Spanien das Friedensangebot nicht an?

Ich glaub, die jeweiligen Regierungen ziehen aus der latenten Bürgerkriegssituation politischen Nutzen. Darum wollen sie den Konflikt auf kleiner Flamme erhalten. Ein Feindbild ist wichtig, wenn man sonst nichts auf die Reihe kriegt.

Herzerzog Johann
00
21.10.2011, 08:49

So ungefähr.

Herr Plumm
15
20.10.2011, 20:04

ach, ist es wieder mal soweit :-)

el Vasco
13
21.10.2011, 08:17
Nein ist es nicht.....

Wo von Sie sprechen sind die ganzen Waffenstillstände, eine ausdrückliche Ausage das sich ETA von den Bewaffneten Kampf zurück zieht gab es bis gestern nicht.

Gora Euskadi!

FloW ERlebnis
11
20.10.2011, 19:54
Halleluja! Schon erhoffte und sehr gute Nachricht.

Soll mit dieser hastigen Entscheidung wohl auch als letzter Sieg und "Abschiedsgeschenk" für Zapatero & Co gelten - haben es sich auch verdient.

MARTIN FREUKES
 
10
21.10.2011, 11:30
Verdient ? Was denn ?

Für was denn, wegen der verhöhnungen der Familienangehörigen der Opfer, oder die illegale Zulassung von Partein bei den letzten Gemeinderatswahlen ( Das Rathaus von San Sebastian ( Donostia )) verloren.

Oder illegale Aktionen setzen ( Fall Faisan ) und dann die eingesetzten Polizisten ohne Deckung der Justiz ausliefern ?

Weder politische oder moralische Verantwortung Übernehmen, für das unter Druck setzen der Justiz wegen der Freilassungen mit Flucht ( Juan Achaos ) eines Massenmörders ( 25 Tote und nur 19 Jahre Gefängnis ).

Für all diese Fehlhandlungen, rufen Sie ein Halleluja?

Mit Leuten wie Sie hat die Demokratie, die Justiz und Moral wenig Hoffnung.

asinus
01
21.10.2011, 08:25

Ja, den Abschied haben sie sich verdient...

Rodrigo Higgings
35
20.10.2011, 19:52
Kluge Entscheidung!

Die ETA braucht sich eigentlich nur noch zurück lehnen und abzuwarten, bis Spanien aufgrund seiner Schulden implodiert. :-))))

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