Frage des Vorsitzes soll nächste Woche geklärt werden
Wien - Einstimmig hat der Nationalrat Donnerstagabend beschlossen, den
Untersuchungsausschuss zu Korruptionsaffären in staatsnahen Betrieben
einzusetzen. Noch ungeklärt ist, wer den Vorsitz in diesem Ausschuss übernehmen
soll. Verhandlungen über diese Frage am Rande der Plenarsitzung am späten
Nachmittag brachten keine Einigung.
SPÖ und ÖVP wollen in der nächsten Woche aber eine für beide tragbare Lösung
finden. Die von SPÖ, Grünen und BZÖ präferierte Grüne Abg. Gabriele Moser wird
von ÖVP und FPÖ abgelehnt. Ein rotierender Vorsitz unter Einbindung der
Nationalratspräsidenten scheitert offenbar daran, dass sich der Zweite Präsident
Fritz Neugebauer (VP) nicht beteiligen möchte.
In der kurzen Debatte zu dem Vier-Parteien-Antrag zeigte sich SPÖ-Abg. Hannes
Jarolim überzeugt, dass man "das Problem in angemessener Zeit lösen" werde. Auch
Werner Amon (VP) sicherte zu, dass man sich um die Einigung bemühe. Bis jetzt
gebe es zwei "offiziell nominierte" Kandidaten - neben Moser auch FPÖ-Abg. Peter
Fichtenbauer -, aber für keinen eine Mehrheit.
Fichtenbauer sei "ein Angebot der FPÖ" - und Moser habe zwar "hervorragende
investigative Tätigkeit geleistet", aber wohl nicht die nötige Objektivität für
den Vorsitz, bekräftigte Walter Rosenkranz die blaue Position. FPÖ und ÖVP
trügen die überwiegende Verantwortung für die Affären, die im Ausschuss zu
behandeln seien - daher stünde es ihnen nicht zu, die Wahl Mosers zur
Vorsitzenden zu verhindern, wetterte der Grüne Peter Pilz gegen eine
"schwarz-blaue Blockade". BZÖ-Abg. Stefan Petzner drängte darauf, die
"Postenschachereien" um den Vorsitz endlich zu beenden. Dem BZÖ sei "relativ
egal", wer es wird, man würde "auch Frau Moser akzeptieren".
Konstituieren - und damit die Arbeit aufnehmen - soll sich der U-Ausschuss
bei der nächsten Plenarsitzung. Das wird die vom BZÖ verlangte Sondersitzung zur
Griechenlandhilfe sein. Sie dürfte am Freitag nächster Woche stattfinden.
Untersucht werden sollen im Ausschuss der Verdacht von Geldflüssen der
Telekom zu ehemaligen Ministern sowie die Themen Buwog-Privatisierung, Vergabe
des Blaulichtfunks, Inseratenschaltungen staatsnaher Unternehmen und
Ministerien, Lockerung des Glücksspielmonopols sowie mögliche
Staatsbürgerschafts-Käufe.
Zuvor hat der Nationalrat - einstimmig - BZÖ-Abg. Peter Westenthaler
"ausgeliefert". Die Staatsanwaltschaft Salzburg hat die Aufhebung seiner
Immunität beantragt, weil sie wegen Verdachts der Beihilfe zu Untreue ermitteln
will. Es geht dabei um ein von der BZÖ-eigenen Werbeagentur "Orange" für die
Casinos Austria erstelltes Gutachten um 300.000 Euro - das aber nur neun Seiten
umfasst und von einem nicht fachkundigen Mitarbeiter verfasst wurde.
Westenthaler bestreitet alle Vorwürfe. Nicht stattgegeben wurde dem
Auslieferungsbegehren des Landesgerichts Graz betreffend den FPÖ-Abgeordneten
Wolfgang Zanger im Zusammenhang mit einer Anzeige wegen übler Nachrede. (APA)