Schweizer haben wenig Freude mit dem deutschen Wesen

20. Oktober 2011, 17:53

Viele Schweizer können mit deren "nassforschen" Art wenig anfangen

Bern - "Herr Ober, ich krieg noch ein Bier." Wer in dieser Tonart in einem Schweizer Lokal bestellt, darf keine Sympathiestürme erwarten. Außer, der Ober ist Deutscher - was häufig vorkommt. Damit ist ein Problem umrissen, das besonders in der Ostschweiz soziale Spannungen auslöst: die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte aus der EU und vor allem aus Deutschland, seit die Schweiz 2009 die Personenfreizügigkeit der EUübernommen hat.

Die Schweiz hat im internationalen Vergleich einen hohen Ausländeranteil: 1,7 Millionen der knapp acht Mio. Einwohner, rund 22 Prozent. Die größte Gruppe stellen die Deutschen, die Österreicher liegen an 6. Stelle (OECD 2009). Im Kanton Zürich leben derzeit rund 80.000 Deutsche und etwa 10.000 Österreicher (von insgesamt 1,3 Mio. Einwohnern).

Das "Problem" mit den Deutschen: Sie sind meist hochqualifiziert und überdurchschnittlich in prestigeträchtigen Berufen vertreten. Viele Schweizer können mit deren "nassforschen" Art wenig anfangen und vermissen deren Bereitschaft, sich ihrer gemächlicheren Lebensart anzupassen.

Initiative gegen Migration

Da hätten die Österreicher klare Vorteile, meint etwa selbst Thomas Heyn, Vizechef der Fachstelle für Integrationsfragen des Kantons Zürich: "Sie sprechen eine Sprache, die wir gern haben - und sie sind keine Deutschen."

Nach ihrem Erfolg bei den Referenden gegen den Bau von Minaretten und für die Abschiebung krimineller Ausländer hängt die SVP das Thema Zuwanderung auch in diesem Wahlkampf hoch. Rechtzeitig lancierte sie eine Volksinitiative "Masseneinwanderung stoppen" . Ein Ziel ist die Kündigung des Freizügigkeitsabkommens und neue Quoten. Zwar lehnt der SVP-Wirtschaftsflügel dies strikt ab. Aber Tilman Renz, Informationschef des EU-Büros der Bundesregierung, hält es für möglich, dass viele einen "Schuldigen" für ihre Ängste suchen und sich auf die Personenfreizügigkeit stürzen. "Dann könnten es 50,1 Prozent dagegen sein - und wir haben ein Problem." (Josef Kirchengast/DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2011)

Nick Tameer
00
12.11.2011, 19:40
... und wieder stellt sich die deutsche Frage:

Warum mag man uns nicht? (Ach!)

"Herr Ober, ich krieg noch ein Bier" klingt freilich in deutschen Ohren ("Herr Ober" sagt man in Deutschland übrigens kaum noch und "Frollein" ist praktisch nicht ehr zu hören) durchaus nicht arrogant, sondern eher leger und höchstens, je nachdem, vielleicht etwas zu kumpelhaft. Bedienungen fragen ja auch die Gäste an einem Tisch "Kriegt ihr noch was?" (für Nobelschuppen gilt das natürlich nicht) und diese Frage wird quasi vorweggenommen. Also eher ein kulturelles Missverständnis. Man macht als Deutscher, wenn man sich im Ausland auf Deutsch verständigt gelegentlich die Erfahrung, dass man auf solche Weise missverstanden wird.

aha15
01
13.11.2011, 12:11

das verstehen ist nicht der punkt. zwei grundregeln gelten in der (deutsch)-schweiz:

1) - immer GENAU die gleiche stufe einnehmen (nicht nur verbal) also kunde=verkäufer, nicht kunde > verkäufer.

2) immer verbal die hintertüre offen lassen, so, dass ein gesichtswarendes zurückziehen möglich wäre. also
"ich hätte gerne", "ich würde gerne" (nicht "ich kriege").

der_kleine_pariser
 
00
13.11.2011, 07:25

Ist aber schon so, dass es in der Schweiz, Süddeutschland und Österreich entweder als Frage oder im Konjunktiv formuliert wird.

Krieg' ich noch ein Bier?

oder

ein Bier kriegert' ich noch.

Und schon ist die Formulierung bazwoach.

censeo
01
24.10.2011, 23:45
Die Deutschen...

...treten häufig, vor allem in der Schweiz,Österreich und Italien etwas präpotent auf aber das sollte man einfach ignorieren.

(°)(°)
21
12.11.2011, 00:01
Stimmt!

Meistens liegt es daran dass sie oft ungemein professionell in ihren Berufen sind und mit den ortsansässigen Weichbirnen und Owezahran mittelfristig die Geduld verlieren.

der_kleine_pariser
 
02
13.11.2011, 07:31

Würde ich nicht sagen.

Deutsche sind nicht professioneller als andere. In vielen Bereichen sind sie sogar extrem schwach.

Versuchen's zum Beispiel einmal von einer deutschen Firma etwas zu kriegen, wenn denen ihr Glump ned funktioniert. Dann behaupten's ganz einfach, das gibt's ned, dass das nicht funktioniert und basta.

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