Der Präsident, die Piste und das Meer

Benno Zelsacher, 20. Oktober 2011, 17:32
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    foto: apa/gindl

    Skifahrer Hans Grugger, ÖSV- Präsident Peter Schröcksnadel und ÖSV-Teamchef Mathias Berthold.

ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel hat traditionell ein ausreichendes Budget aufge­stellt. Trotzdem sorgt er sich ein bisserl um den Sport im Schnee

Sölden - "Ivica Kostelic finde ich gut. Er ist ein perfekter Skifahrer." Sagt Peter Schröcksnadel, der Präsident des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV). Gut an Kostelic findet Schröcksnadel wohl auch, dass der Mann dem Ruf des Schnees und nicht des Meeres gefolgt ist, obwohl vor seiner Zagreber Haustür quasi die dalmatinische Küste liegt.

Das war aber weniger eine Geschichte mit dem Hintergrund einer spezifischen Struktur, sondern der individuelle Einfall seines Vaters Ante, eines ehemaligen Handballers, der sich in den Kopf gesetzt hatte, aus seinen Kindern Weltklasseskifahrer zu machen. Das ist zweifellos gelungen.

Ivicas Schwester Janica gewann nahezu alles, was es in der alpinen Welt zu gewinnen gibt. Und Ivica amtiert als Gesamt-Weltcupsieger. Wie er sich heuer tut, wird man zum ersten Mal am Wochenende in Sölden sehen können. Der Kroate musste sich im April wieder einmal einer Knieoperation unterziehen und hat Trainingsrückstand.

Die österreichische Skifahrt ist zwar traditionell breit aufgestellt und im Nationencup seit 21 Jahren unbesiegt. Doch der Gesamtweltcup wurde zum bisher letzten Mal 2007 (Nicole Hosp) bzw. 2006 (Benjamin Raich) gewonnen. "Wir haben Fehler gemacht", gesteht Schröcksnadel. "Wir haben zu viel Wert darauf gelegt, die Leute in drei, vier Disziplinen auszubilden. Da ist oft guter Durchschnitt herausgekommen. Jetzt geht es darum, in zwei Disziplinen wirklich gut zu sein."

Der ÖSV ist finanziell gut aufgestellt. Das heurige Budget beträgt 40 Millionen Euro, um zwei mehr als im Vorjahr. Davon erwirtschaftet und verbraucht die alpine Abteilung am meisten. Insgesamt wird mit der Summe die Arbeit von 350 Sportlern und 192 Betreuern finanziert - in den Sparten Alpin, Nordisch, Biathlon, Snowboard, Freestyle und so weiter. Schröcksnadel verweist darauf, dass 96 Prozent von Sponsoren stammen und nur vier Prozent von der öffentlichen Hand und dass auch die Skispringer dank lukrativer TV-Verträge wesentlich an den Einnahmen beteiligt sind.

Schladming sei Dank

Aber dass das Budget trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten so gut aussieht, ist zu einem wesentlichen Teil der alpinen WM 2013 in Schladming zu verdanken. "Ein großes Glück, dass wir sie haben", betont Schröcksnadel. "Da wollen viele dabei sein. Einige Verträge laufen deshalb auch 2013 aus. Manche sind bis nach den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi gültig." In die WM in Schladming fließen indirekt sehr wohl öffentliche Gelder. Insgesamt werden 290 Millionen Euro von Bund, Land und Gemeinde in die Infrastruktur investiert.

Der Tiroler Schröcksnadel (70), der ja nicht nur den Skipräsidenten macht, sondern auch ein paar Skigebiete sein Eigen nennt, sorgt sich um die Zukunft. Schließlich führte der Wegfall von verpflichtenden Schulskikursen, um deren Wiedereinführung er kämpft, zu einem Rückgang der Schneesportler im Land. Und die Migration führt dazu, dass immer größere Teile der Bevölkerung mit Schnee nichts zu tun haben.

"Diese Leute müssen wir gewinnen", sagt Schröcksnadel, der sich für diesbezügliche Aktionen engagiert. "Man muss investieren, Transport und Skilehrer bezahlen. Dann kommen sicher viele Kinder auf den Geschmack. New School Freestyle ist doch echt cool. Und die Zukunft des Sports sind die Kinder." Naturgemäß sieht Schröcksnadel gar nicht gern, dass Menschen in der kalten Jahreszeit irgendwo hin ans Meer fliegen. "Das ist doch ein großer volkswirtschaftlicher Schaden, da geht viel Geld verloren." (DER STANDARD Printausgabe; 21. Oktober 2011)

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20 Postings
Atheist von Gottes Gnaden
00
29.10.2011, 23:10

die kinder kriegt er über die eltern. wenn eine familie schifahren geht und nur die eltern zahlen und die kinder gratis fahren, dann hat er sowohl die kinder als auch die eltern gewonnen.

global_citizen
00
23.10.2011, 18:13
Klassisches Pistenschifahren ist sozialmedizinisch

klar negativ zu bewerten: einem relativ hohen Verletzungsrisiko steht eine geringe lokomotorische
Kreislaufbelastung gegenüber. Schilanglauf hingegen
hat eine sehr gute Bilanz: geringes Verletzungrisiko
und sinnvolle Kreislaufbelastung. Schifahren wird
auch in der Schweiz oder Österreich zu einer Randsportart und nur große hochwertige
Schigebiete werden überleben, wenn überhaupt.

Violett
00
21.10.2011, 16:39
Er muss auch einsehen, dass

nicht jedes Kind Schifahren WILL,
Schiurlaube teuer sind,
Schiurlaube oft mühsamer als andere Urlaube mit sportlicher Betätigung sind (Ausrüstung, Anreise in verschneite Täler etc.),
die Schirennen weltweit eher zu "Inzuchtveranstaltungen" tendieren (zu viele Rennen und nur wenige Nationen interessierts wirklich),
andere Sportarten genauso schön sein können,
die Wintersportorte meist in kitschiger "Hüttengaudie" ihren Ursprung verloren haben,
usw.
Aber ich geb's zu: Ich finde Fußball spannender (natürlich über Ö hinausgesehen)

Van the Man
02
21.10.2011, 18:30
Inzuchtveranstaltungen

gibt es viele abseits von Fußball. Wen interessiert hierzulande schon Rugby groß, trotzdem große Sportart. Wen interessiert in den Staaten Formel 1. Wen interessiert in Europa Football, Baseball, Basketball...
Skifahren ist halt Österreich, Schweiz, Italien (eigentlich Südtirol), Frankreich, Deutschland vor allem. Was soll's, gibt schlimmere Inzuchtveranstaltungen. Wir brauchen es auf jeden Fall - allein schon für unseren Tourismus eine nicht zu unterschätzende Wirkung.
Fußball ist eh nicht schlecht. Aber ich für meinen Teil schau mir lieber echte Männer an als die Buberln die sich bei jedem Windhauch vor Schmerzen am Boden winden und alle versuchen auszusehen wie der portugiesische Pfau. Ist natürlich Geschmacksache.

asdf 1234
00
21.10.2011, 17:50
Was Sie aufzählen,

das sind teils Fehler, welche man/frau im Tourismus macht, im Glauben, der Gast wolle das so. Möglich, dass sich hier manches schön langsam ändert. Was Sie, weder der Wirt ändern können, das sind die Anreisezeiten. Wie auch?

rotes Herz
00
21.10.2011, 13:51

Wenn der gute Herr meint die Kinder sind wichtig, sollte er sich für die Abschaffung der Familien-Strafzuschläge der Gastronomie und Bergbahnen einsetzen - Stichwort Feriensonder(hoch)preise

chrigu
00
21.10.2011, 11:51

Die Fehler sind offenbar im Nachwuchs passiert, weil mit wenigen Ausnahmen momentan keine starken JuniorInnen da sind. Beispiel Herren-Slalom-Team: Mit Ausnahme von Hirscher sind alle über 30 und im Weltcup weit und breit keiner, der den Sprung unter die ersten 20 der WC-Liste schaffen könnte.

alexia1
 
00
21.10.2011, 11:51
Toll, toll, toll

Kostelic ist wirklich klasse, aber ich denke, seine Zeit ist langsam vorbei...er ist nicht mehr der Jüngste. Ich freue mich auf jeden Fall auf den Winter und den Ski Weltcup...bin selber in ski amade zum Skifahren und kann da die Abfahrt wieder live sehen...Ich drücke euch allen ganz fest die Daumen!

1116er
00
21.10.2011, 11:42
...ein großer volkswirtschaftlicher Schaden...

wenn die leute weniger ski fahren.

aber ein großer ökologischer gewinn!

CGLFP2001
02
21.10.2011, 12:33

Nicht wirklich... Die Einheimischen gehen nicht mehr auf die Piste, dafür kommen die Gäste per Flugzeug, Auto oder anderen CO2-Schleudern von viel weiter her. Ökologische Gesamtkosten: Steigend.

helmut wiesel
01
21.10.2011, 10:15

die dalmatinische Küste quasi vor der Haustür Zagrebs?
das steht auch nur da, weils dramaturgisch passt.

Hairy Tongue
22
21.10.2011, 09:53

sei mir net bös, liftkaiser. aber das problem ist nicht, dass die leut am schifahren keinen geschmack finden. sie finden nur das nötige kleingeld auf ihren bankkonten nicht.

um einen tausender fahr ich zu zweit 10 tage auf die kanaren im februar/märz. da hat's 25 grad, pools, strand, sportprogramm, leihfahrräder, etc. um denselben tausender hab ich zum schifahren noch nichtmal die ausrüstung angeschafft und ausgeliehen, geschweigedenn ein sündteures tiroler abzockerhotel gebucht oder eine abzockerliftkarte erstanden.

man müsst förmlich blöd sein, im winter noch auf schiurlaub zu fahren. da fress ich mein geld lieber, als dass ichs diesn schlu...schei... in den rachen werf.

Mode Biller
00
21.10.2011, 14:33
Wieso Abzockerei?

Man *erwartet* beschneite Pisten, keine Wartezeiten, 100+ Liftanlagen, 500+ Pistenkilometer, Hotels mit "Wellnessbereich", etcpp. Die Leistungs- und damit die Preisspirale hat sich einfach entsprechend weiter gedreht.

helmut wiesel
01
21.10.2011, 10:20

ok. ich notiere:
ich bin blöd.
ich finds auch teuer.
aber es taugt ma halt.

Habauchahnung
00
21.10.2011, 08:21
das is mir lieber

Als dauern rapid, austria oder red
bull im orf vorgrsetzt zu
bekommen

Shagga Son of Dolf
 
10
20.10.2011, 19:00
alle jahre wieder.

Naja Juhu jetzt geht des wieder los.

Hairy Tongue
51
20.10.2011, 17:48

volckswirtschofftlicher schodn my ass!

Van the Man
01
21.10.2011, 11:57
Einen Weitblick

wie ein Maulwurf - Gratulation!
Wieviel verdient Österreich wohl am Wintersport Tourismus im Jahr? Auch wenn Sie es nicht wahrhaben wollen - Skifahren wird nicht nur im ORF übertragen, sondern zb auch bei den Deutschen. Und dass sich hin und wieder ein Deutscher in ein österr. Hotel verirrt und eine Liftkarte kauft, davon Umsatzsteuer eingehoben wird, sollte kein allzu großes Geheimnis sein. Auch die Events in Kitz, Schladming usw. deren Erfolg zu großen Teilen von einem erfolgreichen österr. Verband abhängen sind nicht wirklich werbeunwirksam.

Hairy Tongue
10
24.10.2011, 11:01

my ass, sagte ich!

Hairy Tongue
51
20.10.2011, 17:46

eliminierts die vier prozent, die von meinen steuergeldern kommen, und ihr hörts von mir kein wort mehr. dann könnts in frieden eure mugln runterbrettln, meinetwegen des ganze jahr über, ihr figuren!

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