ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel hat traditionell ein ausreichendes Budget aufgestellt. Trotzdem sorgt er sich ein bisserl um den Sport im Schnee
Sölden - "Ivica Kostelic finde ich gut. Er ist ein perfekter Skifahrer." Sagt Peter Schröcksnadel, der Präsident des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV). Gut an Kostelic findet Schröcksnadel wohl auch, dass der Mann dem Ruf des Schnees und nicht des Meeres gefolgt ist, obwohl vor seiner Zagreber Haustür quasi die dalmatinische Küste liegt.
Das war aber weniger eine Geschichte mit dem Hintergrund einer spezifischen Struktur, sondern der individuelle Einfall seines Vaters Ante, eines ehemaligen Handballers, der sich in den Kopf gesetzt hatte, aus seinen Kindern Weltklasseskifahrer zu machen. Das ist zweifellos gelungen.
Ivicas Schwester Janica gewann nahezu alles, was es in der alpinen Welt zu gewinnen gibt. Und Ivica amtiert als Gesamt-Weltcupsieger. Wie er sich heuer tut, wird man zum ersten Mal am Wochenende in Sölden sehen können. Der Kroate musste sich im April wieder einmal einer Knieoperation unterziehen und hat Trainingsrückstand.
Die österreichische Skifahrt ist zwar traditionell breit aufgestellt und im Nationencup seit 21 Jahren unbesiegt. Doch der Gesamtweltcup wurde zum bisher letzten Mal 2007 (Nicole Hosp) bzw. 2006 (Benjamin Raich) gewonnen. "Wir haben Fehler gemacht", gesteht Schröcksnadel. "Wir haben zu viel Wert darauf gelegt, die Leute in drei, vier Disziplinen auszubilden. Da ist oft guter Durchschnitt herausgekommen. Jetzt geht es darum, in zwei Disziplinen wirklich gut zu sein."
Der ÖSV ist finanziell gut aufgestellt. Das heurige Budget beträgt 40 Millionen Euro, um zwei mehr als im Vorjahr. Davon erwirtschaftet und verbraucht die alpine Abteilung am meisten. Insgesamt wird mit der Summe die Arbeit von 350 Sportlern und 192 Betreuern finanziert - in den Sparten Alpin, Nordisch, Biathlon, Snowboard, Freestyle und so weiter. Schröcksnadel verweist darauf, dass 96 Prozent von Sponsoren stammen und nur vier Prozent von der öffentlichen Hand und dass auch die Skispringer dank lukrativer TV-Verträge wesentlich an den Einnahmen beteiligt sind.
Schladming sei Dank
Aber dass das Budget trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten so gut aussieht, ist zu einem wesentlichen Teil der alpinen WM 2013 in Schladming zu verdanken. "Ein großes Glück, dass wir sie haben", betont Schröcksnadel. "Da wollen viele dabei sein. Einige Verträge laufen deshalb auch 2013 aus. Manche sind bis nach den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi gültig." In die WM in Schladming fließen indirekt sehr wohl öffentliche Gelder. Insgesamt werden 290 Millionen Euro von Bund, Land und Gemeinde in die Infrastruktur investiert.
Der Tiroler Schröcksnadel (70), der ja nicht nur den Skipräsidenten macht, sondern auch ein paar Skigebiete sein Eigen nennt, sorgt sich um die Zukunft. Schließlich führte der Wegfall von verpflichtenden Schulskikursen, um deren Wiedereinführung er kämpft, zu einem Rückgang der Schneesportler im Land. Und die Migration führt dazu, dass immer größere Teile der Bevölkerung mit Schnee nichts zu tun haben.
"Diese Leute müssen wir gewinnen", sagt Schröcksnadel, der sich für diesbezügliche Aktionen engagiert. "Man muss investieren, Transport und Skilehrer bezahlen. Dann kommen sicher viele Kinder auf den Geschmack. New School Freestyle ist doch echt cool. Und die Zukunft des Sports sind die Kinder." Naturgemäß sieht Schröcksnadel gar nicht gern, dass Menschen in der kalten Jahreszeit irgendwo hin ans Meer fliegen. "Das ist doch ein großer volkswirtschaftlicher Schaden, da geht viel Geld verloren." (DER STANDARD Printausgabe; 21. Oktober 2011)