Unter Beobachtung wegen "instabilen psychischen Zustands"
Kairo - Ein Militärgericht in Ägypten hat den ursprünglich zu einer
Gefängnisstrafe verurteilten, regimekritischen Blogger Maikel Nabil in die
Psychiatrie eingewiesen. Er solle dort wegen eines ihm unterstellten "instabilen
psychischen Zustands" beobachtet werden, bestätigte ein Anwalt Nabils am
Donnerstag der Webseite "ahram". Der 25-Jährige war im April von einem
Militärgericht wegen "Verleumdung der ägyptischen Streitkräfte" zu drei Jahren
Gefängnis verurteilt worden.
Ein anderes Militärgericht hatte in der Vorwoche das Urteil nach
internationalen Protesten aufgehoben und ein neues Verfahren angeordnet. Nabil
blieb allerdings weiter in Haft. Der neue Prozess hätte am Dienstag über die
Bühne gehen sollen. Der Blogger, der seit fast zwei Monaten im Hungerstreik ist,
weigerte sich aber, daran teilzunehmen. Er lehnt es grundsätzlich ab, dass
Zivilisten vor Militärgerichte gestellt werden. Auf Antrag eines - gegen seinen
Willen ernannten - Pflichtverteidigers wies ihn das Militärgericht in die
Psychiatrie ein.
Nabil hatte in seinem Blog unter anderen über Foltervorwürfe von
Demokratie-Aktivisten berichtet, die in der Zeit nach dem Sturz von Präsident
Hosni Mubarak von der Militärpolizei verhaftet worden waren. Er ist einer der
ersten Ägypter seit dem Umsturz, die wegen eines Meinungsdelikts ins Gefängnis
mussten. Seit dem erzwungenen Rücktritt Mubaraks in diesem Februar sind rund 11
000 Ägypter vor Militärgerichte gestellt worden, die meisten von ihnen waren bei
Demonstrationen festgenommen worden. (APA)