Festspielaffäre

Staatsanwaltschaft Salzburg plant zwei Anklagen

20. Oktober 2011, 16:07

Gegen Ex-Geschäftsführer der Osterfestspiele und ehemaligen Technischen Direktor der Sommerfestspiele

Fast zwei Jahre hat die Staatsanwaltschaft Salzburg in der Causa "Osterfestspielaffäre" wegen ungereimter Geldflüsse von rund zwei Millionen Euro ermittelt. Jetzt liegt ein "Vorhabensbericht" der Behörde auf dem Tisch, in dem festgehalten ist, dass der ehemalige Geschäftsführer der Osterfestspiele, Michael Dewitte (45), und der ehemalige Technische Direktor der Sommerfestspiele, Klaus K. (51), wegen des Verdachtes der Untreue bzw. der Beitragstäterschaft angeklagt werden sollen. Die Staatsanwaltschaft geht vorerst von einem Gesamtschaden in der Höhe von 657.000 Euro aus, bestätigte Mediensprecherin Barbara Feichtinger am Donnerstag.

 

Der Vorhabensbericht der Staatsanwaltschaft muss noch von der Oberstaatsanwaltschaft Linz und dem Justizministerium in Wien abgesegnet werden. Es können auch noch Ermittlungsergänzungen angeordnet werden. Wann der Bericht wieder retour nach Salzburg kommt, darüber kann nur spekuliert werden. Der Akt umfasst 19 Bände. Möglicherweise könne sie die Anklage vor Weihnachten verkünden, sagte Feichtinger.

Daneben weitere Verfahrenseinstellungen

Ermittelt wurde gegen insgesamt 14 Verdächtige. Die Malversationen bei den Osterfestspielen samt Verstrickungen mit den Sommerfestspielen sollen im Zeitraum von 1997 bis Dezember 2009 erfolgt sein.

Gegen sechs Beschuldigte wurde das Strafverfahren bereits eingestellt. Bei diesen Personen handelt es sich um den ehemaligen Zwei-Prozent-Eigentümer der Osterfestspiele und dessen Kanzleipartner, weiters einen Geschäftsführer einer Wiener Steuerberatungskanzlei, eine ehemalige Buchhalterin der Osterfestspiele, den mittlerweile pensionierten Kaufmännischen Direktor der Salzburger Festspiele und die Protokollchefin der Salzburger Festspiele.

Die Anklagebehörde hat nun weitere Verfahrenseinstellungen vor: Diese betreffen eine Angehörige Dewittes und ein Ehepaar aus Niederösterreich, das mit Klaus K. befreundet war. Weiters wurde das Strafverfahren gegen drei Geschäftsführer zweier Zulieferfirmen wegen des Verdachtes der betrügerischen Krida zulasten des Salzburger Festspielfonds ausgelagert.

Die Anklagepunkte

Der Ex-Geschäftsführer der Osterfestspiele wird als Hauptverdächtiger geführt. Ihm lastet die Staatsanwaltschaft das Vergehen der Untreue mit einem Schaden von 615.000 Euro zulasten der Osterfestspiele an. Diesen Betrag habe er als Geschäftsführer widerrechtlich verwendet - für sich und teilweise auch für den damaligen Technischen Direktor Klaus K. In diesen Betrag inbegriffen ist auch die dubiose "Provisionszahlung" von 300.000 Euro aus einer Spende des russischen Mäzens Igor Vidyaev. Weiters soll sich Dewitte ungerechtfertigt als Geschäftsführer des "European Art Forum" angemeldet haben, obwohl Tätigkeiten für diesen Verein grundsätzlich ehrenamtlich erfolgten. Für den Verein sei ein Schaden in der Höhe von 35.666 Euro wegen der zu leistenden Abgaben- und Sozialversicherungsbeiträge entstanden, lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Dem ehemaligen Technischen Direktor wirft die Staatsanwalt Beitragstäterschaft zur Untreue in der Höhe von zumindest 300.000 Euro vor. Dabei handelt es sich wieder um die Provisionszahlung aus der Vidyaev-Stiftung. Diese Summe ging nicht an den Verein der Förderer der Osterfestspiele, sondern Dewitte soll sich den Betrag an eine Briefkastenfirma mit Sitz in Belize in der Karibik weitergeleitet haben. Klaus K. habe die Briefkastenfirma gegründet und Konten zur Transferierung der Gelder eingerichtet, heißt es. Vidyaev hatte den Osterfestspielen eine Spende über insgesamt 2,5 Mio. Euro zugesagt. Er überwies in einer ersten Tranche 800.000 Euro, davon soll sich Dewitte die Provision abgezweigt haben.

Ermittlungen  noch nicht abgeschlossen

Der Vorhabensbericht wurde aufgrund des vorliegenden konkreten Ermittlungskomplexes erstellt. Die Staatsanwaltschaft hat in der Causa "Festspielaffäre" ihre Ermittlungen aber noch nicht abgeschlossen. Überprüft werden noch Reisekostenabrechnungen in der Höhe von 521.000 Euro, die Dewitte möglicherweise entgegen seines Dienstvertrages widerrechtlich gestellt hat. "Wir müssen noch Buchhaltungsunterlagen beiziehen", sagte Feichtinger. Auch im Fall Klaus K. sollen noch weitere Vorwürfe geprüft werden.

Die lange Verfahrensdauer rechtfertigte Feichtinger mit mehreren, umfangreichen Rechtshilfeersuchen. Jenes an die Schweiz habe einen längeren Zeitraum in Anspruch genommen. Es betraf wiederum die Provision von 300.000 Euro, die im Kreis geschickt worden sei. Zudem waren auch Hausdurchsuchungen und Kontoauskünfte notwendig, sagte die Staatsanwältin. Die Rolle der Zulieferfirmen müsse ebenfalls noch einer Detailüberprüfung unterzogen werden.   (APA)

Schicke Schickse
05
20.10.2011, 17:02
Und was ist mit den politischen "Verantwortungsträgern"?

Offenbar tragen diese "Träger" gar nichts.
Schon gar keine Verantwortung.
Die hocken nur in irgendwelchen Gremien (sicher nicht gratis) und machen etwas. Nämlich sich wichtig.
Diese Pseudoverantwortlichen, die letztlich für gar nichts verantwortlich sind und unter deren "Verantwortung" korrupte Sauhaufen entstehen können, sind ein Merkmal österreichischer Politik, das längst eliminiert werden sollte.

Plombenzieher
05
20.10.2011, 16:39
Ermittlungen und Anklagen überall ohne Ende!

Aber wo bleiben die Resultate?
Von Grasser bis Strasser und CO!!!

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