Die Sonnenseite der Wiener Dächer per Mausklick

20. Oktober 2011, 14:44
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Online-Verzeichnis, wie produktiv ein Dach für Solarenergie ist

Wien - Das Solarpotenzial für jedes einzelne Dach in Wien - und dazu auch gleich der mögliche maximale Ertrag einer Fotovoltaik- oder Solarthermieanlage: Der neu adaptierte Solarpotenzialkataster, den Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne), der bei der 9. Österreichischen Photovoltaik-Tagung im Haus der Wirtschaftskammer präsentiert wurde, spielt jetzt wirklich alle Stückerln.

Der Kataster ist auf der Homepage der Stadt Wien unter dem Stichwort "Umweltgut" zu finden und ist mit dem digitalen Stadtplan beziehungsweise mit den Luftbildern der Stadt verknüpft. Schon seit einem Jahr wurde hier für jedes Dach die Solareignung farblich dargestellt - je dunkeloranger desto besser. Neuerdings kann jedes Objekt allerdings auch angeklickt werden, und es poppen Zusatzinformationen auf: wie viel der Dachfläche gut oder sehr gut für solare Nutzung geeignet ist (in Quadratmetern) und auch welcher theoretische maximale Ertrag in Kilowattstunden pro Jahr zu erwarten wäre, wenn Anlagen für Sonnenstrom oder solare Wärmeerzeugung installiert würden.

Fernwärme-Warnung

Dazu kommen aber auch noch ergänzende Informationen: ob das Objekt etwa im Versorgungsgebiet der Fernwärme liegt - denn dann gibt es keine Förderung für solarthermische Anlagen. Oder ob das Gebäude beispielsweise in einer Schutzzone steht und die Errichtung einer derartigen Anlage unter Umständen nicht so leicht möglich wäre.

"Diese Angaben sind natürlich das theoretische Potenzial, das tatsächlich nur in den seltensten Fällen voll ausgeschöpft werden kann", wird dazu im Büro der Energiestadträtin Vassilakou betont. "Wer eine Anlage errichten will, muss natürlich trotzdem eine genaue spezifische Kalkulation erstellen. Der Kataster ist in erster Linie ein Instrument, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welches große Potenzial in der Stadt überhaupt vorhanden ist." Der Kataster basiert auf einer Auswertung von hochauflösenden "Airborne Laserscanning"-Daten - die entsprechenden Laserscan-Flüge wurden 2007 durchgeführt.

Genaue Eignung wird berechnet

Wird nun im Kataster beispielsweise das Dach von vier Reihenhäusern in Wien-Mauer angeklickt, die in guter Nord-Süd-Lage stehen, zeigt sich, dass auf dieser Dachfläche ein theoretisches Potenzial von insgesamt mehr als 55.000 Kilowattstunden Solarstrom pro Jahr schlummert. Wobei allerdings nur die Hälfte der Dachfläche - die nach Süden ausgerichtete - wirklich "sehr gut" geeignet wäre.

Zum Vergleich: Ein Wiener Durchschnittshaushalt verbraucht pro Jahr rund 2500 Kilowattstunden Strom. Österreichweit liegt der Schnitt unter anderem wegen des höheren Einfamilienhaus-Anteiles bei rund 3500 Kilowattstunden pro Jahr.

Die Wiener Förderung für Fotovoltaik-Anlagen wurde übrigens vor kurzem von 1400 auf 1000 Euro pro Kilowatt peak (kWp) reduziert. "Wir wollen damit eine Überförderung vermeiden", heißt es dazu im Büro Vassilakou. Denn: "Die Preise für Solarmodule sind inzwischen drastisch gefallen. Vor fünf Jahren haben PV-Module im Vergleich zu heute noch mehr als doppelt so viel gekostet." Und: In Kombination mit einer Förderung durch den Klimafonds könnten auch künftig 1300 Euro pro kWp lukriert werden. Die Wiener Förderung sei in Summe immer noch eine der besten in Österreich. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, Printausgabe, 20.10.2011)

  • Die sonnigen Aussichten der Dächer von Wien im Internet: Das Solarpotenzial eines Bürohauses am Beispiel des künftigen Standard-Standortes in Wien-Landstraße.
    screenshot: wien.gv.at

    Die sonnigen Aussichten der Dächer von Wien im Internet: Das Solarpotenzial eines Bürohauses am Beispiel des künftigen Standard-Standortes in Wien-Landstraße.

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