"Wetter-Set"

Riskante Arzneimittelkombinationen im Netz

20. Oktober 2011, 12:03

Österreichischer Apothekerverband warnt vor willkürlichen Arzneimittel-Sets, wie sie von Versandapotheken angeboten werden

Wien - Es klingt verlockend, kann aber gesundheitsgefährdend sein: das "Wetter-Set" mit Aspirin Complex Granulat, Rhino Spray plus und Wick Formel 44 Plus Hustenlöser Sirup wird auf der Homepage der Versandapotheke " zur Rose", die mit dem DM Drogeriemarkt kooperiert, derzeit groß beworben. "Billiger im Set heißt risikoreich für die Gesundheit. Dieses Set ist jenseits von Gut und Böse. Die Kombination ist pharmakologisch äußerst bedenklich. Wir fordern, dass die zuständigen Gesundheitsbehörden diesem Wahnsinn ein Ende machen und solche Angebote verbieten", sagt heute, Donnerstag, Österreichs Apothekerverbandspräsident Friedemann Bachleitner-Hofmann aus aktuellem Anlass.

Kein Versandhandel der Welt kann die Beratung durch einen Fachmann ersetzen. Das gilt im Besonderen für Arzneimittel. "Die Beratung über Wirkung, Wechsel- und Nebenwirkungen ist Kernkompetenz von uns Apothekern. Das kann durch nichts ersetzt werden. Kein Apotheker würde eine derartige Kombination an seine Patienten abgeben", ist sich Bachleitner-Hofmann sicher. Dem Versandhandel gehe es mit solchen "Sets" offenbar nur um die Ausweitung des Umsatzes. Die Gesundheit des Kunden scheint zweitrangig zu sein. Im Übrigen brauche es auch keinen zusätzlichen "Vertrieb" von Medikamenten in Österreich. "Wir versorgen mit unseren 1.300 öffentlichen Apotheken das Land flächendeckend und rund um die Uhr", so der Apothekerverbandschef.

Bei Bluthochdruck-Patienten und schlecht eingestelltem Blutdruck kann die gleichzeitige Einnahme von Rhino Spray und Aspirin Complex beispielsweise zu einer Blutdruck-Krise führen. Apotheker warnen vor unkontrollierter Selbstmedikation und empfehlen eine persönliche pharmazeutische Beratung durch Arzneimittelexperten. "Ich würde mir wünschen, dass die Konsumentenschützer auch einmal pharmazeutisch bedenkliche Set-Angebote von Versandapotheken genau unter die Lupe nehmen. Das 'Wetter-Set' schreit geradezu danach", regt Bachleitner-Hofmann an. (red)

 

nik.2008
23
20.10.2011, 12:26

Schön, dass die Apothekerkammer uns beschützen möchte. In Wirklichkeit geht es um das große Geschäft - und die Internetapotheken mischen den Markt preislich ordentlich auf. Ich arbeite in einem Unternehmen wo es eine Kooperation mit dem Betriebsrat und mehreren Apotheken gibt. Wir bekommen hier 15-20 % Rabatt - Artikel können direkt in der Apotheke abgeholt werden, oder werden 1x in der Woche an alle Mitarbeiter zugestellt. Also man sieht, die Handelsspanne dürfte sehr groß sein bei 15-20 % Rabatt. Also die Preise reduzieren, dann werden die Leute auch nicht zu Internetapotheken abwandern, wo es ohnedies nur rezeptfreie Medikamente geben darf.

nik.2008
10
20.10.2011, 12:29

.. (Fortsetzung). Außerdem gibt es immer noch die Eigenverantwortung des Menschen. Wenn ich mich nicht auskenn, dann muß ich halt fragen. Kein Mensch geht in den Wald und pflückt irgendwelche Pilze und ißt sie wenn er keine Ahnung hat. So ist es auch mit Medikamenten. Daher von meiner Seite aus - ja zu Internetapotheken, wenn diese entsprechend kontrolliert sind (also im europäischen Raum) - siehe DocMorris & Co.

chaimele
00
20.10.2011, 16:37
wow, ein auskenner! gratulation! und sie wissen natürlich über den betriebsrat,

welcher inhaltsstoff eines freiverkäuflichen medikamentes sich mit einem anderen nicht verträgt und nebenwirkungen hat.
mein gott, immer dieses "die bösen apotheken verdienen soviel" und die internetapotheke ist sooo gut. schwachsinn, die operieren in einem grauen bereich, wo es um gesundheit geht, ja, auch ihre. und ehrlich, der pilzvergleich ist das dämlichste in dieser beziehung, was ich je lesen durfte.

Nee-Chee
00
21.10.2011, 10:53
Die "Risiken und Nebenwirkungen"

stehen meiner Erinnerung nach im Beipackzettel. Die meisten Menschen sind des Lesens mächtig.
BTW der einzige Apotheker, der mich je vor den magenschädlichen Nebenwirkungen eines Aspirin gewarnt hat, war in einer englischen Drogeriekette, die Aspirin um 3 Cent pro Stück verkaufen (soviel zu den Margen :-)

nik.2008
00
20.10.2011, 16:46

ich schrieb, dass es über unseren betriebsrat eine kooperation mit apotheken gibt, auf welcher alle mitarbeiter unseres konzerns einen nachlaß von 15-20 % bekommen. deshalb auch meine aussage, dass bei derartigen rabatten die apothekenspanne recht anschaulich sein muß, denn auch bei diesem nachlaß werden die einzelnen apotheken gut verdienen. die wenigsten kaufen medikamente nach packungsfarbe - also haben die leute diese medikamente schon gehabt bzw. verschrieben bekommen - außerdem handelt es sich um mündige erwachsene. apotheken sind nicht schlecht - aber wenn mir wer rabatt einräumt, dann gehe ich auch dort hin!

Medikamentologe
00
21.10.2011, 09:10
dann geh mal

zu deinem doc u frag ihn, ob er dir 20 % Rabatt gibt? Oder deinen Rechtsanwalt oder deinen Architekten?
Ihr Geizistgeil-Mentalität Typen wollt jede Dienstleistung (und um die geht es) auch noch geschenkt?
Qualität kostet u hier findet einfach eine Querfinanzierung statt, der rezeptpflichtige Umsatz ist nicht mehr kostendeckend (am Land tw Dauerbereitschaft die nicht vergütet wird!!!!)
Und dass eine große Apo mit Rabatten um sich wirft u die Kleinen da oft nicht mitkönnen...wer nichts vom Geschäft versteht, machts über den Preis!

nik.2008
00
21.10.2011, 09:26

als Apotheker/Mitarbeiter würde ich es auch anders sehen. Ich benötige allerdings für meine Medikamente und hom. Arzneien keine Beratung. Wir sprechen hier auch nicht von dubiosen Internetapotheken, sondern von Apotheken welche einer Personengruppe 15-20% Rabatt einräumen, da man mit einem Schlag über den Betriebsrat an ein Mitarbeiterpotential von 600 Leuten herankommt. Gut für die Mitarbeiter/Apotheke. Aber selbst unsere kleine Landapotheke lebt nicht schlecht und bietet jeden (außer Rezepte) 3% Gutschrift die mittels Gutschein einmal im halben Jahr ausbezahlt wird. Es ist ein Geschäft wie jedes anderes! Und Rechtsanwälte geben übrigens auch Rabatt, 20 % sind in der Branche durchaus üblich. Versicherungen bekommen sogar 30%.

M L3
00
27.10.2011, 16:32
Für homöopatische Arzneine (Placebos) benötigt man natürlich keine Beratung

Ich hätte aber jetzt auch nicht gewußt, daß die im Artikel beschriebene Kombination von Erkältungsmedikamenten gefährlich ist.

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