Zufall zum Mitspielen

20. Oktober 2011, 10:57
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Christian Boltanskis "Chance" in Venedig und im Netz - Von Bert Rebhandl

Nachleben im Netz

Zum Tod des Medientheoretikers Friedrich Kittler

Von Ekkehard Knörer

Gestern starb Friedrich Kittler, dessen Medientheorie weit über den deutschsprachigen Raum hinaus Verbreitung fand und der vor allem in Deutschland eine ganze Schule der Medienwissenschaft ausgeprägt hat. Zu den Nachrufern gehören nun auch Teile der mit Respekt und einer Spur Bösartigkeit so genannten, inzwischen auch etwas in die Jahre gekommenen Kittler-Jugend, etwa der heute bei Springers Welt an vorderer Feuilletonfront tätige Ulf Poschardt, der bei Kittler über "DJ Culture" promovierte. Im akademischen Betrieb wurde Kittler lange, und von manchem sicher bis zuletzt, kritisch beäugt. Sein Hauptwerk, die "Aufschreibesysteme", eines der auch international wichtigsten deutschen Theoriebücher der letzten Jahrzehnte, hatte äußerste Schwierigkeiten bei der Anerkennung als Habilitationsschrift. 

Wie sehr der aus der Germanistik gekommene Medien- und Computermann Kittler bis zuletzt gefragt war, und zwar an sehr unterschiedlichen Orte des Diskursbetriebs, auch und gerade außerhalb rein akademischer Milieus, sieht man nicht zuletzt an der Präsenz im Netz. Es finden sich Videos aus sehr unterschiedlichen Kontexten und zu sehr verschiedenen Anlässen bei Youtube, Vimeo und Co. Umso wichtiger ist das, als man sich das Denken Kittlers kaum ohne den sehr eigenwilligen Duktus seiner mündlichen Rede vorstellen kann, in dem - wie in den geschriebenen Texten - das Apodiktische in ganz eigenem Rhythmus daherkommt. Das jüngste der Videos zeigt den wohl letzten öffentlichen Auftritt des seit einigen Jahren körperlich zusehends fragiler werdenden Denkers beim Abschied vom alten Standort Sophienstraße des Kulturwissenschaftlichen Instituts an der Berliner Humboldt-Universität.

Die älteste Videoaufzeichnung stammt noch aus der Internetsteinzeit, dem Jahr 1993, ist mithin so alt wie die ersten WWW-Browser. Der Vortrag trägt den Titel "Farben und/oder Maschinendenken" und reitet durch die Geistesgeschichte des Abendlands, wie immer bei Kitler in der Absicht der "Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften" (so der Titel eines Sammelbandklassikers):

Friedrich Kittler - Farben und/oder Maschinen denken from de anima on Vimeo.

Die älteste Videoaufzeichnung stammt noch aus der Internetsteinzeit, dem Jahr 1993, ist mithin so alt wie die ersten WWW-Browser. Der Vortrag trägt den Titel "Farben und/oder Maschinendenken" und reitet durch die Geistesgeschichte des Abendlands, wie immer bei Kitler in der Absicht der "Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften" (so der Titel eines Sammelbandklassikers):

Ein drittes noch (eine komplettere Übersicht findet sich in Thomas Grohs Filmtagebuch), eines der Gepräche, das die Kunst- und Architektur-Tausendsassas Hans-Ulrich Obrist und Rem Kohlhaas 2007 in Kassel mit einer ganzen Reihe von Künstlern, Autorinnen und Theoretikern führten:

Friedrich Kittler: Interview-Marathon Deutschland, ARCH+/Rem Koolhaas/Hans Ulrich Obrist/documenta 12 magazines from ARCH+ on Vimeo.

CARGO Film Medien Kultur ist ein Magazin und eine Website. derStandard.at bringt in unregelmäßiger Folge Beiträge aus der Cargo-Redaktion.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Christian Boltanski vor seiner Installation bei der Kunst-Biennale in Venedig.

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