Prophylaxe

Beim Wandern Höhenkrankheit vermeiden

20. Oktober 2011, 11:04
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    foto: apa/georg hochmuth

    Profibergsteiger, wie Gerlinde Kaltenbrunner, sind mit den Symptomen der Höhenkrankheit vertraut.

Medikamente und ein langsamer Aufstieg beugen vor - Fehleinschätzung der Symptome ist häufig

Wiesbaden - Bereits ab einer Höhe von 2500 Metern über Normalnull können Bergsteiger eine - mitunter lebensgefährliche - Höhenkrankheit entwickeln. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) empfiehlt, sich vor einer Gebirgstour vom Arzt beraten zu lassen. Medikamente können einer Höhenkrankheit vorbeugen.

Da mit zunehmender Höhe der Luftdruck sinkt, nimmt der Körper über die Atmung am Berg weniger Sauerstoff auf. Dies kann zu Kopfschmerzen, Appetitverlust, Erbrechen, Abgeschlagenheit, Benommenheit oder Schlafstörungen führen. Die Symptome stellen sich meist in den ersten drei Tagen nach dem Aufstieg ein. „Viele Wanderer verwechseln sie mit den Folgen der körperlichen Anstrengung", erläutert Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel, „sie sind jedoch klassische Anzeichen einer Höhenkrankheit."

Überwinden Bergsteiger weniger als 500 Höhenmeter pro Tag, gehen sie kein Risiko ein. Bei diesem leichten Anstieg stellt sich der Körper auf die verminderte Sauerstoffzufuhr ein. Doch je rascher der Anstieg, desto eher erkranken Wanderer. Auch mit zunehmender Höhe steigt das Risiko: „Bei Aufenthalten über 4000 Metern erkranken zwei Drittel aller Bergwanderer", sagt Fölsch. Bei einer akuten Höhenkrankheit sammelt sich Wasser im Gewebe, so dass sich Ödeme in Gehirn und Lunge bilden können. Unbehandelt führt dies innerhalb weniger Tage zum Tode. „Todesfälle durch Höhenkrankheit sind nicht selten die Folge einer Fehleinschätzung der Symptome", warnt der Internist.

Kortison oder Acetazolamid

Vorbeugen lassen sich die Symptome durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Medikamente wie Dexamethason, ein Kortikosteroid. Es schützt auch bei raschen Aufstiegen vor einer Höhenkrankheit. Jedoch sind relativ hohe Dosierungen erforderlich. „Dies führt vor allem nach dem Ende der Therapie zu Problemen", erläutert Professor Fölsch. Einige Patienten entwickeln Symptome einer Depression. Eine wirksame Alternative ist Acetazolamid. Dieser Wirkstoff steigert in der Niere die Harnbildung und wirkt so der Wassereinlagerung in Lunge und Gehirn entgegen. Es ist bei kurzfristiger Einnahme gut verträglich. Die häufigsten Nebenwirkungen in klinischen Studien mit Bergwanderern waren Harndrang und ein leichtes Kribbeln in den Fingerspitzen. Grundsätzlich sollten diese Medikamente aber nur nach ärztlicher Konsultation eingenommen werden.

Doch Bergsteiger sollten sich auch ungeachtet der Medikamente vorbereiten und vor allem ausreichend trinken - jedoch keinen Alkohol. Ebenso müssen sie auf Medikamente wie das Hustenmittel Codein verzichten, das die Atmung verlangsamt. „Und wenn die Beschwerden sich unter Rast oder Ruhelage nicht bessern, ist in jedem Fall ein Abstieg auf unter 2 500 Meter erforderlich", sagt Fölsch. Alpine Touristen sollten sich vor Reisen ins Hochgebirge ärztlich untersuchen lassen, rät die DGIM. Menschen mit Herzkreislauf- oder Lungenkrankheiten sollten Aufenthalte in mehr als 2 000 Metern Höhe gänzlich meiden.

Quelle: Dumont et al: Efficacy and harm of pharmacological prevention of acute mountain sickness: quantitative systematic review BMJ 321: 267
doi: 10.1136/bmj.321.7256.267

 

 

Kommentar posten
10 Postings
Angelika70
00
20.10.2011, 14:51

Als ich vor kurzem mit meinem Motorrad den Col de la Bonette überquerte (2800 m) fühlte ich mich oben einfach mies. Kopfschmerzen, Appetitverlust, Abgeschlagenheit und Benommenheit verleideten mir die Pause und ich bin schnell runter Richtung Nizza.

Kann es sein, dass das erste Anzeichen der Höhe waren?

Micha Do
 
00
23.10.2011, 16:30
Höchstwahrscheinlich ja. Wobei die Geschwindigkeit des 'Aufstiegs' mit dem Motorrad sicher mit"Schuld" war.

Unterschiedliche Menschen sind auch unterschiedlich empfindlich.- Es gibt welche, da fängt's bei 2500 m an, andere haben kaum Probleme, fast egal wie hoch. Aber sogar Andenbewohner und Tibeter können höhenkrank werden.. Sie sind nur über Generationen angepasster und trainierter. Und in der "Todeszone" in der die Anpassung des Menschen nicht mehr funktionieren KANN, leben auch diese Leute nicht dauerhaft.
MfG

Angelika70
00
25.10.2011, 08:19

danke!

naihoit
03
20.10.2011, 12:53
Von Lima (Meeresniveau) in einem Tag auf > 5000 m,

viele brauchten Sauerstoff, andere tranken Koka-Tee, das half auch, besser und dauerhafter.

Lall
00
20.10.2011, 17:10

Genau, damit bin ich in den Anden auch ganz gut gefahren.

Micha Do
 
00
23.10.2011, 16:48
Was auch noch hilft:

NIX rauchen, damit das Hb möglichst nicht vom CO aus dem Rauch besetzt ist, viele rote Blutkörperchen, kräftige Atemmuskulatur. Das bei manchen so beliebte Erythropoetin spritzen ist nur vordergründig g'scheit, erhöht nämlich bloß die Thrombosegefahr.

Micha Do
 
00
23.10.2011, 16:16
Naja, was Sie damit erreichen, ist weniger von den Symptomen zu merken, die Atmung wird von Koka beschleunigt, aber das passiert in der Höhe sowieso.

Ein Lungenoedem verhindern Sie damit nicht. Da hilft nur langsam aufsteigen. Medikamente können ein wenig helfen aber kaum verhindern. Wenn Sie eines haben- und erst recht beim Hirnoedem können Sie nur so schnell wie möglich unter 2500. Wenn das nicht rasch genug geht, sterben Sie. Ein Flieger in ein Höhenlager ist der größte Unfug, den Sie machen können.. Nach langsamem Austieg in Form von Trecking hatte ich auch auf über 5700 in Tibet überhaupt kein Problem. zurückgekommen bin ich mit über 20 Hb und 55 Hkt.(Nur für die Mediziner hier.)
Übrigens ist die Frage Azetazolamid oder Dexamethason eher eine Philosophiefrage weil praktisch alles in der Höhenmedizin off Label verwendet wird. Besser: langsam gehen und VIEL trinken.

normalistdasdicht
00
20.10.2011, 14:38
> 5000 m an einem Tag ?

das geht sich aber nur aus, wenn man z b nach arequipa fliegt und sich dann gleich mit dem jeep auf den misti bringen läßt. oder es schafft an einem tag über huancayo in das huascaran basislager zu fahren ??

Kra Wuzikabuzi
00
20.10.2011, 14:07
genau das hab ich blöderweise gemacht

flieger von lima nach la paz, mate de coca war für die würscht...
unbedingt - wenns zeitlich passt - zug oder bus nehmen.

Kra Wuzikabuzi
00
20.10.2011, 11:48
wünsche ich nicht mal meinen feinden

in la paz erlebt. schlimm.
in cusco sind die touristen auch wie fliegen umgefallen.

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