Lokalanästhetikum wirkt gegen Nervenschmerzen

20. Oktober 2011, 09:28

Lidocainpflaster reduziert die mechanische Überempfindlichkeit im Rahmen des neuropathischen Schmerzes

Wien - Neuropathische Schmerzen sind besonders quälend und sprechen oft schlecht auf herkömmliche Schmerzmittel an. Zwei neue Untersuchungen legen nahe, dass die genaueTypisierung des neuropathischen Schmerzes Voraussagen erlauben könnte, welche Patienten auf eine Lokaltherapie mit Lidocain ansprechen und welche nicht.

„Lidocain wirkt offenbar am besten gegen die mechanische Überempfindlichkeit im Rahmen des neuropathischen Schmerzes", so Burkhard Gustorff, Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft, über die in „Expert Opinion on Pharmacotherapy" (Early Online) publizierten experimentellen Untersuchungen.

Die Wirksamkeit eines mit 5 Prozent Lidocain präparierten Pflasters wurde in diesen Studien in experimentellen Modellen für peripheren neuropathischen Schmerz untersucht. Dabei wurde bei gesunden Probanden an einer kleinen Hautstelle künstlich Schmerz erzeugt: einmal durch UV-Bestrahlung in Form eines künstlichen Sonnenbrandes, das andere Mal - an einer anderen Körperstelle - mit dem Chilischoten-Wirkstoff Capsaicin, der in kleinsten Mengen in die Haut injiziert wurde. Jeder Proband erhielt ein Pflaster auf den Oberschenkel (UV-Bestrahlung) und eines auf den Oberarm (Capsaicin-Injektion) sowie zur Kontrolle auf der anderen Körperhälfte zwei Placebo-Pflaster, die kein Lidocain enthielten. Das Lidocain war so niedrig dosiert, dass sich die behandelten Hautstellen für die Probanden nicht „taub" anfühlen. Anschließend wurden diese mit Nadelstichen beziehungsweise Kälte gereizt.

Rein lokale Wirkung

Das Lidocain-Pflaster zeigte im Vergleich zu Placebo eine deutliche Wirkung. Die Überempfindlichkeit gegenüber Nadelstichen war im Capsaicin-Modell um 53 Prozent und im Sonnenbrand-Modell um 84 Prozent reduziert. Auch die Empfindlichkeit gegenüber Kältereizen war signifikant herabgesetzt.

Andere Aspekte der Schmerzwahrnehmung bzw. der Hautreaktion auf UV-Licht wurden nicht verändert. So wurde der unmittelbar durch die Caspaicin-Injektionen verursachte Schmerz ebenso wenig reduziert wie die Hautrötung infolge des künstlichen Sonnenbrandes.

Die Autoren schließen aus diesen Ergebnissen, dass Lidocain offenbar am besten gegen die mechanische Überempfindlichkeit im Rahmen des neuropathischen Schmerzes hilft. Auch zeigt die Studie, dass Lidocain eine rein lokale Wirkung besitzt und nicht in den Körper aufgenommen wird. Die Studie legt nahe, dass Patienten mit bestimmten Schmerztypen auf Lidocain ansprechen, andere weniger oder nicht.

Herkömmliche Analgetika haben sich bei neuropathischen Schmerzen nicht bewährt. Wirksam sind die gegen Epilepsie eingesetzten Antikonvulsiva, sowie bestimmte Antidepressiva. Allerdings werden diese nicht von allen Patienten gut vertragen. Es besteht daher großer Bedarf nach alternativen, therapeutischen Strategien. Als solche rücken zunehmend lokale Behandlungen in den Mittelpunkt des Interesses. Dazu zählt Lidocain, das auch als Lokalanästhetikum vor kleinen operativen Eingriffen verwendet wird. (red)

Quelle: Burkhard Gustorff, David Hauer, Johannes Thaler, Astrid Seis & Julia Draxler: Antihyperalgesic efficacy of 5% lidocaine medicated plaster in capsaicin and sunburn pain models - two randomized, double-blinded, placebo-controlled crossover trials in healthy volunteers; Expert Opin. Pharmacother. [Early Online]

Micha Do
 
00
23.10.2011, 17:09
Daß die Packung ein paar Hundert (!)€ kostet schreibt er allerdings nicht dazu. Deswegen bezahlts auch Kasse nicht.

Wirken tut es recht gut, habe ich ausprobiert.

Er staunt
00
21.10.2011, 01:45

Wirklich neu ist diese Erkenntnis aber auch nicht, sonst würde es in den Staaten wohl nicht schon seit mindestens einem Jahrzehnt in jedem besseren Supermarkt für ein paar Dollar Lidocain-Spray zur Schmerzlinderung bei Sonnenbrand, Verbrennungen, Abschürfungen etc. geben...

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