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Der private Haus- und Wohnungstausch verzeichnet rasante Zuwächse. Zahlreiche Online-Plattformen bieten Vermittung an, z. B.: www.homelink.at oder www.intervac-homeexchange.com. Üblicherweise zahlt man eine jährliche Mitgliedsgebühr, um die Datenbank einsehen und das eigene Angebot online zu stellen. Alles weitere regelt man mit dem Tauschpartner individuell. Die Agenturen stellen standardisierte Verträge zur Verfügung und werden im Konfliktfall eingeschaltet.
Foto: Palmera / pixelio.de
Eigentlich ist es wie ein Blind Date. Mit ähnlichen Unsicherheiten und ähnlicher Nervosität. Je näher man dem vereinbarten Ort kommt, desto intensiver schaut man sich um. Was das wohl für eine Gegend ist? Was da für Leute wohnen? Wo man hier wohl morgens das Brot kauft?
Dann steht man vor einer unbekannten Haustür an einem unbekannten Ort. Zückt den Schlüssel, der ein paar Tage zuvor im Postkastl lag. Fremd fühlt er sich an in der Hand, aber wider Erwarten passt er auf Anhieb. Ein erster Blick ins Stiegenhaus. Verwitterter Stuck, ein blinder Spiegel, verzierte alte Türen: Das lässt sich gut an. Während daheim eben jemand das eigene Haustor aufsperrt, mit dem Schlüssel, den man selbst vor einer Woche weggeschickt hat. Ja, genau hier muss er angekommen sein, denn eben geht man am Postkastl vorbei. Erster Stock, zweiter Stock, dritter Stock, die Holzstiege knarrt. Dann steht man in einer fremden Wohnung - die in den nächsten Wochen die eigene sein wird.
Wohnungstausch ist eine aufregende Sache. Im Prinzip ist die Idee naheliegend: Die Wiener Familie macht Urlaub in Paris, die Pariser Familie in Wien, wieso tauschen die nicht einfach ihre Wohnungen, statt beide im Hotel einzuchecken? Zumal der Urlaub dann nicht bloß umsonst wäre, sondern in vielerlei Hinsicht auch angenehmer. Weil man direkt eintauchen kann in den Alltag, statt im Reiseführer nachzuschauen - auf dem Markt einkaufen und kochen kann, statt am Frühstücksbuffet zu sitzen, und mit den Nachbarn reden statt mit der Hotelrezeptionistin.
Doch so richtig funktionieren kann die Idee erst, seit es Online-Plattformen gibt. Denn nur da findet man in der Vielzahl der theoretisch Reisewilligen jene, deren Alltag man tatsächlich praktisch ausprobieren will. Womit wir beim Kern der Sache wären: Wer ist der richtige Tauschpartner? Was macht ihn aus, und woran erkennt man ihn? Bei dieser Frage kann man recht schnell ins Grundsätzliche abgleiten, wenn man sich in die Datenbanken einklinkt und zaghaft Anfragen auszuschicken beginnt.
Selbstverständlich kann man sich zunächst einmal an praktischen Kriterien anhalten: an den Reiseterminen, der Anzahl der Schlafplätze. Pensionistenpaare werden eher mit anderen Pensionistenpaaren tauschen, und eine Familie mit kleinen Kindern eher mit einer anderen. Das verhindert einerseits, dass Babys Nippesfiguren kaputtmachen, und andererseits, dass Rentner sich über schmale Leitern in Hochbetten hinaufquälen müssen. Wer Katzen hat, holt sich nicht ausgerechnet einen Katzenallergiker in die Wohnung, und wer Höhenangst hat, wird nicht in einen Wolkenkratzer ziehen.
Aber sonst? Sonst ist alles offen. Ob sich die irische Ethnologieprofessorin vielleicht für unser Wiener Leben interessiert? Ob die portugiesischen Anwälte unsere Wohnung zu schmuddelig finden, und die Göteborger Sozialarbeiter zu spießig? Dann kommt ein Angebot aus Paris. Das hatte man eigentlich nicht auf dem Radar. Andererseits: Warum nicht Paris?
Klavier oder WLAN
Es sind subtile Details, die darüber entscheiden, ob man einander findet. Ob man die Kinderzimmerfotos im unaufgeräumten Zustand online stellt oder im aufgeräumten. Ob man eher nach dem Klavier fragt oder nach dem WLAN, nach dem Auto oder nach der Anzahl der Fahrräder. Schließlich geht es ja nicht bloß darum, wo man selbst Urlaub machen will - sondern auch darum, wer im eigenen Bettchen schläft, vom eigenen Tellerchen isst, aus dem eigenen Becherchen trinkt, mit den eigenen Nachbarn plaudert. Es ist eine große Intimität, die hier entsteht - mit Menschen, denen man wahrscheinlich nie persönlich begegnen wird und die man dennoch ziemlich gut kennenlernt.
Denn verräterisch ist eigentlich alles. Das Bücherregal (in Paris sind es Comics und die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung), die Zimmerdekoration der Teenagertochter (spielt in einer Band), der Inhalt der Küchenkasteln (eher für die Mikrowelle), die Fotos auf der Pinnwand (aha, der Kleine muss ein Adoptivsohn aus Afrika sein). Bis einem plötzlich die Frage einschießt: Wie die anderen wohl unser Saddam-Hussein-Poster an der Wand interpretieren?
Ebenso aufschlussreich sind die kleinen Momente, in denen man sich selbst erkennt. Ja, da liegt ein ähnlicher Begrüßungsbrief auf dem Tisch und ebenfalls eine Flasche Wein dazu. Soso, die haben dasselbe Problem mit dem Kabelsalat wie wir und auch keine Lösung. Schau, ruft der fünfjährige Sohn aufgeregt, und kommt mit einem Matchboxauto aus dem Zimmer des fünfjährigen Franzosen: Das hab ich auch! Es ist kein neues Matchboxauto, sondern eines aus den Siebzigerjahren. Es muss also zwei Väter geben, die einst damit gespielt, und zwei Väter, die es irgendwann in einer Dachbodenkiste wiedergefunden haben.Was diese intime Beziehung in Spannung hält, ist die Reziprozität. Oder auch: der Kant'sche Imperativ. Du willst nicht, dass jemand in deinen Schreibtischladen wühlt? Dann hilft es vielleicht, auch die fremden Laden geschlossen zu lassen. Ist es okay, sich Gewand auszuborgen? Das Gefühl sagt: Gummistiefel ja, Pullover nein. Die offene Milch im Kühlschrank wird man konsumieren, die Pralinenpackung eher nicht. Es fühlt sich an, als würde man Fernschach spielen, ohne einander die Spielzüge mitzuteilen. Denn: ständig anrufen und fragen - nein, das gilt nicht.
Selbstverständlich wird man putzen, ehe man wieder abreist; aber nur gerade so viel, wie notwendig ist, um den Zustand wiederherzustellen, den man anfangs vorgefunden hat. Man wird einen freundlichen Abschiedsbrief auf den Küchentisch legen, und im Gegensatz zum Willkommensbrief werden ihn auch die Kinder unterschreiben. Man wird die Bettwäsche in die Waschmaschine stecken und sich dafür entschuldigen, dass es sich mit dem Trocknen nicht ganz ausgegangen ist.
Nein, man weiß immer noch nicht, wer die anderen eigentlich sind. Aber nach der Heimkehr wird man sich wundern, dass sie alles ganz genauso gemacht haben. (Sibylle Hamann/DER STANDARD/Rondo/21.10.2011)
Sibylle Hamann, geboren 1966 in Wien, ist freie Journalistin und Kolumnistin. Von ihr erschien zuletzt: Hamann, Sibylle / Linsinger, Eva: "Weißbuch Frauen / Schwarzbuch Männer . Warum wir einen neuen Geschlechtervertrag brauchen". Deuticke Verlag.
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die armut der wohnungstauscher kotzt mich echt an. wer wenn nicht wir soll denn noch die wirtschaft in gang bringen? hotels nagen am hungertuch und wir tun wohungentauschen und selber kochen. gehts noch?
und ich weiß nicht, welche die richtige ist:
a) Sie halten Konsum ernsthaft für eine Bürgerpflicht.
b) Sie wollten ironisch sein.
c) Sie sind ein Troll.
Könnten Sie mir bitte bei der Auslegung behilflich sein? Vielen Dank!
Unsere 5 koepfige Familie haben das vor etwa 20 Jahren (oh gott so lang her!) gemacht. Einmal nach Norddeutschland, einmal in die Bretagne, einmal nach Holland.
Damals waren das halt dicke Kataloge mit kleinen Schwarz-Weiss Fotos und Telefonnummern. Hat trotztdem wunderbar funktioniert.
In Holland hab ich gelernt wie man einen C64 mit Kasettenlaufwerk bedient und mit hunderten Spinnen ein Haus teilt, in Deutschland wie man mit Fliegenklatschen Hornissen jagt und in Frankreich wie man Schnecken isst und was diese Teletext/Internet Mischung war die die Franzosen schon vor dem World Wide Web benutzten.
Unvergessliche Erfahrungen - kann ich nur waermstens Empfehlen!
Wir haben das 3x gemacht, L.A. (bei Whoopi Goldberg um die Ecke), Florida (da war's ein Strandhaus) und Sardinien, jeweils mit Kindern. Sehr positiv. Man kriegt jedenfalls eine Idee davon, wie die Bewohner selbst leben und sich fühlen. Ist aber natürlich Geschmackssache. Persönlich bin ich kein allzugrosser Fan von Hotels.
Wer aber eine tägl. gereinigte Suite mit Schampus und Kaviar oder so will, kriegt das ja auch, so er das Geld hat ...
gulasch? guter witz...sie verwöhnen die doch nicht ernsthaft mit gulasch oder? scheisse pur und dafür noch ein danke bekommen, dass ist erhabenheit...wenn sie jämmerlich mit gulasch daherkommen müssen sind sie nicht oberschicht sondern billiger möchtegern abklatsch...tz tz die möchtegern reichen werdens nie lernen...GULASCH...pfff wo komm ma da hin? am ende bekommen die auch noch fließend wasser in der wohnung? lächerlich...
... könnte das damit zusammenhängen, dass ich ein messie bin?
(natürlich, die wohnung wäre danach angerammelt voll, aber voll antiker schätze, die ich im laufe der zeit den diversen mülltonnen entwunden hätte)
Ja das klappt ganz gut. Ich habe meine Innenstadt Wohnung, in der ich sowieso nur übernachte getauscht.
Da ist das Risiko wirklich gering.
Ein Saddam-Hussein-Poster würde ich aber nicht unbedingt aufhängen...schon gar nicht wenn ich jemanden in meiner Wohnung wohne lasse.
Was macht das denn wirklich an deiner Wand?
saddam hussein an der wand ... kommt sicher gut :)
oder auch 7.358 polaroids mit ausgekratzen augen an der wand ... in einem kabinett, wo die fensterscheiben seit jahren mit alten illustrierten zugeklebt sind und die lampenschirme aus einem undefinierbaren material gemacht sind! :)
..das war ein telefonbuchdicker katalog und hat blendend funktioniert. meine eltern haben in den späten 90ern ihre wohnung an der wiener stadtgrenze 2 mal mit leuten in den usa getauscht, war jedesmal grossartig! der auswahlprozess war aufwendig und mühsam, aber es hat derart problemlos funktioniert, das war fast schon umheimlich. neben der wohnung auch die autos getauscht und so einmal in florida am strand und einmal im villenviertel von LA gewohnt, jeweils mit 2 kindern. wenn man genug zeit für die kommunikation verwendet hält sich das risiko wohl auch in grenzen..wär ich nicht grad in einer wg ich würde das wieder mal probieren! :)
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