Nach dem Essen soll man ruh'n

Hermann Sussitz, 20. Oktober 2011, 17:00
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    foto: reuters/michaela rehle

    Nach dem Essen sollst du ruhen, oder 1.000 Schritte tun, besagt ein altes Sprichwort.

Beim Essen ist das Wie genauso wichtig wie das Was - Mehr Zeit und ein Mittagsschlaf können helfen

Der Leistungsanspruch macht auch vor dem Essen nicht Halt. Was der moderne Mensch vertilgt, soll gleichzeitig schmackhaft, gesund und nachhaltig sein. An der Oberfläche bewegt dabei vornehmlich, was gegessen wird. In einer Zeit, wo Lebensmittel jedoch nicht mehr pauschal über den Kamm geschoren werden, wo sich Nahrung hinter Nährstoffen versteckt, wird aber auch die Art, wie  Nahrung verzehrt wird, immer wichtiger. Nur - gerade darauf wird meistens vergessen.

Richtig essen also. Vielen Menschen ist zwar bekannt, dass den idealen Speiseplan ein reichhaltiges Frühstück ausmacht, das Mittagessen leicht und das Abendessen noch bekömmlicher sein sollte, danach leben tun sie aber nicht. Es hakt in der Mitte. Oft genug fällt das Mittagessen buchstäblich unter den Tisch. Wenn überhaupt, so wird diese Mahlzeit in Eile eingenommen. Gegessen wird in der Kantine, im Restaurant ums Eck oder gleich am Arbeitsplatz. Die Genusskomponente kommt dabei ganz klar zu kurz. So macht Essen aber nur halb so viel Spaß.

Schnelles Essen macht das Hirn träge

Wenn man Mittagspause googelt, findet man bezeichnenderweise an vorderster Stelle ein gleichnamiges Wiener Take-away-Restaurant mit Zustellservice. Auf Wikipedia wird es interessanter. Die Enzyklopädie bezeichnet die Mittagspause als "meist unbezahlte Unterbrechung der Arbeitszeit,...die der Erholung und der Einnahme eines Imbisses dient".

Aber wie lässt sich das in Hast mehr verschlungene als gegessene Mittagsmenü mit Erholung in Einklang bringen? Und hat Entspannung in der heutigen Arbeitswelt ihren Platz? Die Antwort könnte Nein lauten, denn dazu ist, unvorstellbar in großen Teilen Europas, der Mittagsschlaf nötig. Der gehört zum richtigen Essen dazu, wie Forscher der Universität Manchester 2006 bestätigen konnten. Die Leistung unserer Gehirnströme nimmt nach dem Essen nämlich rapide ab. "Die bei der Nahrungsaufnahme frei werdende Glucose, ein wichtiges Kohlenhydrat, blockiert jene biochemischen Botenstoffe die uns wach halten", erklärt der Forscher Denis Burdakov.

Die Blockade gilt unter anderem den sogenannten Orexinen. Diese Neuropeptid-Hormone besitzen einen großen Einfluss auf das menschliche Schlaf/Wachverhalten. Unter anderem sorgen sie für eine Erhöhung der Körpertemperatur, Gewichtsverlust, erhöhte Aufmerksamkeit und Wachheit. Die Ausschüttung der Orexine wird nach der Nahrungsaufnahme durch das Sättigungshormon Leptin gehemmt. Was in dieser Phase hilft, ist Schlaf. Er reaktiviert die Neuropeptide und füllt so die Batterien wieder auf.

Dabei muss das Schlafen oder "Dösen" gar nicht lange dauern. 20 bis 30 Minuten sind ideal, der dazu passende Begriff "Power Nap" ist schon länger bekannt. Er stammt aus der IT-Szene des kalifornischen Silicon Valley, welche die erquickende Wirkung eines Kurzschlafs erkannte und dem Nickerchen ein „power" für Kraft vorgestellt hat. "Der Regenerationsgehalt dieser kurzen Spanne erhöht die Leistungsfähigkeit und -freude um ein Vielfaches zur investierten Zeit", erklärt der österreichische Schlafexperte Mario Filoxenides in seinem Gastbeitrag für den Sammelband „Die Zukunft der Arbeit".

In Ruhe genießen

Der Mittagsschlaf macht also auch ökonomisch Sinn. Denn obwohl die im verarbeitenden Gewerbe tätigen Österreicher mit der drittgrößten Arbeitsproduktivität innerhalb der gesamten EU glänzen, verbringen laut einer Studie von Czipin Consulting die Menschen quer über alle Branchen rund 40 Prozent der Arbeitszeit unproduktiv.

Dem eigenen Körper und dem Arbeitgeber zuliebe lohnt sich der Mittagsschlaf also. Praktiziert wird Power-Napping aber nicht: Im nördlichen Europa wurde das Mittagschläfchen schon lange aus dem Alltag verbannt, und der Süden läuft Gefahr, es dem Norden gleichzutun. In Asien wird die Siesta nach dem Mittagsmahl noch verteidigt. Doch auch hier liegt die Betonung auf dem Noch. "In vielen Kulturen - vor allem in Großstädten - sind die natürlichen Rhythmen den sozialen Rhythmen gewichen", erklärt Filoxenides das Phänomen. Das Schlafbedürfnis wird unterdrückt, obwohl Körper und Geist die Erholung dringend bräuchten.

Schlafen und Essen, Essen und Schlafen. Die Mittagspause verlangt dringend nach einem Bedeutungswandel. Der Fokus muss auf die Begleitumstände gerichtet werden. Überspitzt formuliert: Ein Schnitzel kann, in Ruhe genossen, für Körper und Geist anregender sein, als ein griechischer Salat, der hastig hinunter geschlungen wird. (derStandard.at, 20.10.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 56
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Salz Burger
00
6.11.2011, 11:18

Ich halte die Sache mit dem reichhaltigen Frühstück für falsch. Es macht müde und träge.

Wenn ich einen wichtigen Termin habe, dann esse ich vorher gar nichts, damit habe ich beste Erfahrungen.
Auch beim täglichen Frühstück bin ich inzwischen auf drei Spiegeleier mit etwas Käse umgestiegen, das mich am wenigsten belastet und leistungsfähig hält.

holeritiooo!
00
31.10.2011, 12:47

hat meine Grossmutter auch immer gesagt! :)

rowdy
10
25.10.2011, 22:16
"das in Hast mehr verschlungene als gegessene Mittagsmenü"

Meine Mittaspause beträgt verordnete 70 Minuten. Mir genügen zum Mittagessen locker 25, ganz entspannt, schmähführen inclusive. Es gibt Möglichkeit für den power nap, wird stark genutzt. Wer nicht zum Zug kommt hat reichlich Zeit sich anderweitig zu entspannen oder sportlich zu betätigen. Von Stress in der Mittagspause kann ich original gar nichts berichten.

Nun, Arbeitszeit und Nachbearbeitung, das ist eine andere Geschichte....

Desmond
00
22.10.2011, 05:41
... Selbst ist der Mann /Frau

... Muss eine schlechte Firma sein, andererseits, könnte man sich auch seine Tätigkeit interessanter gestalten, macht ja keinen Spaß "nur abzusitzen", oder?

nihil obstat
01
21.10.2011, 13:46

Warum soll das Frühstück reichhaltig sein?
Ich krieg vor 10 ausser Espresso gar nichts runter.

Salz Burger
01
21.10.2011, 15:59

Verstehe ich auch nicht. Ich esse meistens erst um 10 Uhr das Frühstück und habe damit gute Erfahrungen.

ganymed05
10
21.10.2011, 14:03

Lass den Espresso weg, dann kriegst was runter!

tan48
01
21.10.2011, 11:07

Solange es nicht verpflichtend wird können die Kollegen gern zu Mittag ein Schläfchen machen, ich geh lieber 30 Minuten früher heim.

Gernot Ziegler
 
00
21.10.2011, 08:53

"Im nördlichen Europa wurde das Mittagschläfchen schon lange aus dem Alltag verbannt,.."

Blödsinn - in Schweden kann man sich in vielen Firmen (z.b. auch in der Linköpinger Uni) durchaus in einen speziellen Ruheraum legen und einmal kürzer schlafen, da sagt keiner was dazu.

Don Gino
118
21.10.2011, 08:41
treffen sich zwei beamte auf dem gang

sagt der eine zum anderen:
konnst du a ned schlofn?

;-D

torch
 
00
3.11.2011, 10:02
... offenbar zwei Verlierer beim Beamtenmikado !

?™ »

denn die, die sich zuerst bewegen verlieren ...

Guido Fawkes
03
21.10.2011, 07:51

standard lesen ersetzt jeden Power Nap :-)

Der Schurke mit der Gurke
34
21.10.2011, 07:42
rund 40 Prozent der Arbeitszeit unproduktiv

Da ist hier im Forum posten aber noch nicht mit eingerechnet.

Der Große von Gegenüber
16
21.10.2011, 06:30

Lieber acht Stunden im Büro
als gar kein Schlaf ....

werwolfi
00
21.10.2011, 00:18

Ich dachte das Schläfchen zur Mittagspause wird in Asien von den Firmen speziell und zunehmend gefördert?

mcjr
00
21.10.2011, 11:27
arbeite schon lange in asien...

... aber von schlafen in der mittagspause keine spur. schade eigentlich!

rowdy
00
25.10.2011, 22:18

asien ist ... irgendwie ... groß. Oder so.

Salz Burger
00
20.10.2011, 23:24

Interessanter Beitrag. Jetzt verstehe ich besser, warum ich nach einem Essen ohne Kohlenhydrate nicht müde werde.

ROTWEISSROT
10
20.10.2011, 22:11
Mach ich eh jeden tag

mein wohlverdientes Mittagsschläfchen

arbeiten is passe -- nun schau ich auf meine gesundheit, 20 jahre arbeiten muss genug sein und ist auch genug

Nathaniel Winerib
223
20.10.2011, 21:37
ich hab das anders in erinnerung_

nachdem essen soll man rauchen oder eine frau gebrauchen. ist beides nicht zu ergattern, lass ihn durch die fingern rattern!

pereswon
00
21.10.2011, 09:46
jaja,...

die gute alte Zeit.

obstbau1
03
21.10.2011, 07:28
Richtig. Und zwar ...

... nach allen drei Hauptmahlzeiten.

theWatcher14
00
21.10.2011, 09:27
obstbau

Was, nur 3 Hauptmahlzeiten? Vormittag, meinst Du wohl.

Alexander Patjomkin
00
20.10.2011, 21:35
Sowas kann man in der Pension machen..

Probier mal in einem Betrieb auf der Drehmaschiene dich ausruhen. So ein Blödsinn..

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