Telekom-Affäre

Hochegger sieht keine Schuld bei sich

20. Oktober 2011, 12:02

Gier der Eliten als Auslöser des Skandals - Lobbyist plaudert freimütig über intensive Kontakte auch zu SPÖ und Grünen

Wien - Der Lobbyist Peter Hochegger hat sein Schweigen gebrochen - und bringt jetzt auch die SPÖ in Zusammenhang mit der Telekom-Affäre. Er selbst sieht sich strafrechtlich unschuldig, gibt aber moralische Fehler zu. Auslöser für die ganzen Skandale sei "das System", indem sich Eliten, "angetrieben von maßloser Gier, mit Kontakten und Wissensvorsprung", persönliche Vorteile verschaffen, meinte Hochegger im Interview mit dem Magazin "News".

Hochegger betonte, dass der Skandal rund um Schmiergeldzahlungen bei der teilstaatlichen Telekom Austria nicht nur ein Problem der ehemaligen schwarz-blauen-Regierung sei, sondern alle Parteien betreffe. Demnach hat die Lobbying-Zusammenarbeit bei der Telekom mit der SPÖ begonnen "und zwar mit Heinz Lederer", der in den 90er Jahren in der Kommunikationsstelle der SPÖ tätig war.

"Beziehungen zur SPÖ"

"Lederer hat angeboten, für die Telekom die Beziehungen zur SPÖ zu pflegen. Wir haben uns auf rund 100.000 Euro im Jahr geeinigt, in Summe etwa 700.000 Euro von 2006 bis 2007", wird Hochegger zitiert. Der Nutzen von Lederer bestand demnach darin, dass er "enge vertrauliche Beziehungen zum SP-Klubobmann Josef Cap und zum Parteichef Alfred Gusenbauer" pflegte. Lederer habe der Telekom vertrauliche Gespräche zu den beiden Spitzenpolitikern vermittelt.

Die SPÖ soll auch Einfluss auf die Bestellung der Telekom-Kontroll-Kommission genommen haben, deren regulative Vorgaben für die Telekomanbieter bares Geld wert sind. Hier habe er im Sinne der Telekom einen SPÖ-Politiker als Mitglied vorgeschlagen, der dann auch das Rennen gemacht habe. Hocheggers Honorare von der Telekom sieht er als "gerechtfertigt" an, schließlich habe er dem Unternehmen viele Vorteile verschafft, weil "die Kosten-Nutzen-Relation für die Telekom hervorragend war." Hochegger grenzt aber ein: "Wenn ich mir heute im Nachhinein anschaue, warum ich das gemacht habe, dann war das natürlich eine unheilige Motivation."

Lederer sieht alles anders

Heinz Lederer sieht das im Gespräch mit der Austria Presseagentur ganz anders. Zum einen seien die von Hochegger genannten Summen "nicht nachvollziehbar", zum anderen sei es mitnichten seine Aufgabe gewesen, "vertraute" Kontakte zu SPÖ-Politikern herzustellen. Und Geldflüsse zu Parteien habe es keinesfalls gegeben, erklärte der frühere SP-Kommunikationschef.

Hocheggers Firma sei doch schon in den 90er Jahren und damit während einer rot-schwarzen Regierung als "zweitgrößte PR-Agentur Österreichs" tätig gewesen und habe schon damals die Mobilkom unter deren Chef Hans Sundt betreut. Nach dem Wechsel Sundts in die Festnetz-Sparte der Telekom sei deren Zusammenarbeit fortgeführt worden. Seine, Lederers, Dienste zwecks Kontaktpflege zur SPÖ seien vor diesem Hintergrund wahrlich nicht gefragt gewesen, argumentiert Lederer.

Die Herstellung von Kontakten zur Politik sei allenfalls eine "geringe Aufgabe" gewesen - nicht aber Organisation und Durchführung "irgendwelcher vertraulichen Gespräche", auch nicht im Sinne der Telekom, hält er denn auch fest. Und er habe sich Hochegger sicher nicht als Kontaktmann zur SPÖ angedient.

Vielmehr habe er inhaltlich gearbeitet, betont Lederer: "Marktstrategie, Marktanalysen, Medienkontakte" hätten dazu gehört, etwa in den Bereichen, auch die Organisation von Events. Er habe auch stets entsprechende "Reportings" abgegeben. "Meine Leistungen sind im Gegensatz zu anderen transparent. Man nennt das ganz deutsch Kommunikationsnetzwerke aufbauen." Geschäftspartner sei Hocheggers Agentur Hochegger.com gewesen, nicht die Firma Valora. Die von Hochegger genannten Summen - der Lobbyist sprach von "etwa 700.000 Euro von 2002 bis 2007" - bezeichnet er als "viel zu hoch".

Dass "insinuiert" werde, er sei fürs "Mauscheln" bezahlt worden, verärgert Lederer, der in Hocheggers Aussagen "gewisse Nebengranaten" zu orten vermeint.

Meischberges "toller Zugang" zur ÖIAG

Im News-Bericht geht Hochegger auch näher auf die Rolle von Walter Meischberger ein, einst Spitzenvertreter der FPÖ und enger Geschäftspartner von Hochegger, etwa bei der Privatisierung der Buwog. "Er hat mir die Raiffeisen Centrobank als Kunden gebracht und war im ORF-Stiftungsrat (...) Er hatte auch einen tollen Zugang zur ÖIAG. Ich hatte mehrmals wahrgenommen, dass er von allen ÖVP-Ministern, auch von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, immer freundlichst begrüßt wurde", so Hochegger.

Kontakte soll es auch zur ehemaligen Grünen Spitzenpolitikerin Monika Langthaler gegeben haben. "Langthaler hat nicht nur beste Konktakte zu den Grünen, sondern auch zur ÖVP Niederösterreich. Sie war sicher eine wertvolle Kommunikationsplattform für die Telekom", so Hochegger. Der Lobbyist behauptet außerdem, "immer beste Kontakte" zur Grünen Abgeordneten Gabriela Moser gehabt zu haben. Sowohl Moser als auch Langthaler weisen am Donnerstag die Vorwürfe zurück. Sie sehen diese im Zusammenhang mit den Diskussionen über einen möglichen Vorsitz Mosers im geplanten U-Ausschuss. (siehe dazu auch: "Grüne weisen Hochegger-Vorwürfe zurück").

Wenig ergiebiger Gorbach

Hochegger nimmt im Interview mit News auch zu seinen Kontakten mit dem ehemaligen Vizekanzler Hubert Gorbach (FPÖ/BZÖ) im Interview Stellung. Demnach wurde Gorbach von der Telekom Austria zu Hochegger geschickt, damit ihm dieser dabei behilflich ist, den Weg in die Selbstständigkeit nach der Politikerkarriere zu schaffen. Allerdings habe sich die Zusammenarbeit mit Gorbach als wenig ergiebig herausgestellt.

Zu seiner jetzigen Situation meinte Hochegger, der einst einer der mächtigsten PR-Chefs des Landes war: "Heute bin ich fast Privatmensch, hab Zeit für mich. Es geht mir einigermaßen gut." (APA/red)

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News

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johannes mayer1
00
23.10.2011, 11:58
Das nächste Mal sagt der Bankräuber zum Richter, das System ist schuld!!!!

Den ihn als Bankräuber trifft keine Schuld!

Albert Wittwer
00
21.10.2011, 20:39
darf ein Hehler

die Moral und Gier der Diebe kritisieren? Nicht einmal, wenn er so gut frisiert ist, wie ein Chef-Lobbyist.

Recht_auf_objektive_Berichterstattung
00
21.10.2011, 18:36
Hier noch mal das Schuldeingeständnis:

"Auslöser für die ganzen Skandale sei "das System", indem sich Eliten, "angetrieben von maßloser Gier, mit Kontakten und Wissensvorsprung", persönliche Vorteile verschaffen, meinte Hochegger im Interview mit dem Magazin "News""

Kalvarienberg
04
21.10.2011, 10:27
Kein Kommentar, sondern:

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Kalvarienberg
00
21.10.2011, 10:25
Drecksack !

Johannes St.
 
00
20.10.2011, 22:31
dürfte sich ziemlich sicher sein, dass ihn seine Freunde nicht im Stich lassen

das hat der Elsner auch lange geglaubt - hoffentlich ist es in dem Fall doch so, dass die Vernunft Einzug hält und alle Verantwortlichen ihre Rechnung präsentiert bekommen....
sonst haben bei der nächsten Wahl die Piraten die Mehrheit und das zu Recht......

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
20.10.2011, 22:29
?

....gierig - gieriger - am hocheggersten....

Loxoceles
01
20.10.2011, 22:24

"Wenn ich mir heute im Nachhinein anschaue, warum ich das gemacht habe, dann war das natürlich eine unheilige Motivation."

Hier sollte die Frage gestellt werden, ob diese Aussage irgendwie eingesteht, dass es sich vielleicht doch um einen zivilrechtlichen Verstoss gegen die guten Sitten handelt?

Betriebsdesaster-facebook.com/betriebsdesaster
01
20.10.2011, 20:43
um für besondere geschäfte gut vorbereitet zu sein ...

... empfehle ich vorzugehen wie die manager im buch betriebsdesaster: http://www.amazon.de/dp/3950322086

besser kann man es nicht machen.

Vermutlich unschuldig
02
20.10.2011, 20:19
Bitte, bitte: Lugner und Katzi sollen den Vorsitz machen!

Weil, passieren tät genau dasselbe und wir hätten wenigstens was zu lachen.

Es is eh alles traurig genug.

miasan afcag
12
20.10.2011, 18:16
korruption und diebstahl von gesellschaftlichem eigentum. und hochegger ist dafür mit verantwortlich.

und was die grünen betrifft: kontakte haben sie wohl gehabt zu diesem herrn, doch vorwurf, dass die grünen geld genommen hätten hab ich keinen gehört.

oder soll man davon ausgehen, dass hochegger "kontakte" zu ihm auch als kriminell einstuft? ;-)

Finn McCool
43
20.10.2011, 15:26
Jetzt geht es Schlag auf Schlag mit den Enthüllungen

Wie Gerüchte bestätigen, haben Peter Pilz und Josef Cap sogar schon einmal einen Eurofighter aus der Nähe gesehen! Mitten am Heldenplatz, am Nationalfeiertag.

Außerdem bei einer OMV-Tankstelle getankt, mit einem Telekom- Festnetztelefon telefoniert und eine Zeitung mit einem Berlakowitsch-Inserat gelesen!!!

Na wenn das kein handfester Skandal ist...

Tschick Tschaikowsk
01
20.10.2011, 15:48

Selten so gelacht.

Stef Hoche
38
20.10.2011, 14:52
komisch

jetzt wo er aufgeflogen ist, schütter er schnell noch die grünen an, ohne jeglichen beweis, und lenkt so von der blau-braunen brut ab...

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
20.10.2011, 22:31

Erst mal nur: zur zeit wird grün braun - in der natur.

ÄäÖöÜüß
11
20.10.2011, 14:49
Ein Erz-Roter Betrieb wie die Telekom (siehe Betriebsratswahl usw.) hat natürlich beste Kontakte zur SPÖ

...wie der Rest der (ehemals) verstaatlichten Betriebe hat man jahrzehntelang rotes Kader-personal ausgebildet die SPÖ unterstützt wo immer es ging.

LOL!
06
20.10.2011, 14:45
"...erkennt keine Schuld bei sich" ist hier ein Schuld-Bekenntnis

In welchen Steuergeld-Skandal ist der Typ nicht verwickelt?

Fehlendes Unrechtsbewusstsein und Einsicht ist das wichtigste forensische Indiz für Kriminalität und narzisstische Persönlichkeitsstörungen. Dazu kommt die reflexhafte Neigung zur Denunzation und Opfer-Täter-Umkehr. Gewöhnlich eine typisch rechtsextreme Verhaltensweise.

Peinlich! Peinlich! Peinlich!

Friedrich60
02
20.10.2011, 14:41

Dieses ganze Geld, das hier geflossen ist ist Euer und mein Geld. Ich bin einverstanden, daß dieses Geld soziale Gerechtigkeit schafft und Infrastruktur. Aber mir wird speiübel, daß sich korrupte Dandies dieses Geld stattdessen gegenseitig zuschieben. Das gehört zurückgeführt ins Volksvermögen.

Ariel Proman
02
20.10.2011, 14:18

Was ihn moralisch über alle Staatsbediensteten stellt ist, dass sich Hochegger nicht mit verlogen grinsender Miene einer wahlberechtigten Öffentlichkeit präsentiert um sich von dieser in einen politischen Posten hieven zu lassen.
Hochegger ist käuflich und er darf das sein.
Ein Vertreter des Volkes nicht.
Wer einen Hochegger einkauft, weiß dass er nicht Mahatma Ghandi bekommt.
Von Gaston Glock erwartet sich auch niemand Gummientchen.
Ich verstehe diese naive Hysterie um seine moralische Integrität nicht. Der Mann macht sein Ding und bedient einen blühenden Markt von korrumpierten, machtgeilen Amateurpolitikern.

Maria Johanna
04
20.10.2011, 15:29
Verzeihung

Verzeihung, aber sie sitzen da einem sehr durchsichtigen Gag auf.
Es ist nicht erlaubt Schmiergeld zu verschieben! Das hat auch nix mit Moral zu tun. Was man dem Herrn Hochegger zum Vorwurf macht, das ist ganz einfach Beihilfe zu Korruption!
Mit Moral aber auch mit dem Strafrecht (Verleumdung) hat etwas zu tun was er jetzt macht: Das reihum Anschwärzen in der Hoffnung, dass in all dem Nebel und der gestifteten Verwirrung, die Tatsachen und tatsächlichen Tatbestände untergehen.
Man sollte auch in Richtung Gründung einer kriminellen Vereinigung ermitteln.
Unaufgeregt weiter ermitteln und die Herren vor den Richter stellen. Es darf angenommen werden, dass man inzwischen genug an Fakten vorliegen hat, dass eine Anklage gerechtfertigt ist.

CEEIT
01
20.10.2011, 17:15
Wurde dafü in Österreich schon mal jemand verurteilt?

nach Ihrer Argumentation müsste man die Vertreter der IV, WKO, ÖGB, Arbeiterkammer, alle LW-Kammern und unzählige Vereine etc. einsperren.

Warum gehen denn Mensdorfs, Grasser, Meischberger, Strasser, Plech uvm. mehr mit Ihren - es gilt die Unchuldsvermutung - ergaunerten Millionen spazieren?

Nashwin_Fuller
 
00
20.10.2011, 14:14
Selbstverständlich steckt die SPÖ genauso drin.

Auch wenn man alles, was dieser Herr so erzählt, mit Vorsicht genießen sollte:
Es ist ja wohl kaum vorstellbar, dass einer der wichtigsten Lobbyisten des Landes die größte Partei des Landes einfach so übergeht.

Und an die Unkorrumpierbarkeit der SPÖ kann nach all den vielen, vielen Skandal der Vergangenheit wohl niemand mehr glauben.

clara77
01
20.10.2011, 14:04

Und wer bekommt seine Rechnung für dieses Interview?

erkelteter tiger
13
20.10.2011, 14:22
da haben schwarz blau nochmal zusammenlegen müssen

Erisian Liberation Front
00
20.10.2011, 14:04
Es kommt Schlechtwetter

Die grünen Krampfposter sind so aggressiv....

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