Kaczynski bedauert Merkel-Kritik

19. Oktober 2011, 21:47
  • Artikelbild
    foto: ap/czarek sokolowski

    Angela Merkel und Lech Kaczynski

Oppositionsführer: Aussagen über deutsche Kanzlerin schadeten seiner Partei PiS

Warschau - Der polnische Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski hat nach der Niederlage seiner rechtskonservativen Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) bei der Parlamentswahl in der vergangenen Woche Fehler eingeräumt. Dazu zählte er in einem Interview mit der Zeitung "Rzeczpospolita" auch seine Aussagen über die deutsche Kanzlerin Angela Merkel.

"Das hat uns geschadet, darüber haben wir schon Untersuchungen", erklärte Kaczynski. Der Ex-Ministerpräsident hatte Merkel in einem kurz vor der Wahl veröffentlichten Buch vorgeworfen, sie verlange von Polen eine "Unterordnung". Außerdem erklärte Kaczynski, Merkels Wahl zur Bundeskanzlerin sei "kein Zufall" gewesen. Eine Erläuterung dieser Aussage verweigerte er. Die Interpretation von Kommentatoren, seiner Ansicht nach sei die Politikerin mit Hilfe alter Stasi-Seilschaften an die Macht gekommen, wollte Kaczynski weder bestätigen noch dementieren.

Einen weiteren Fehler sieht Kaczynski im Engagement von PiS-Politikern für einen mutmaßlichen Fußball-Rowdy. Sie hatten den landesweit bekannten Fan mit dem Pseudonym "Staruch" in der Untersuchungshaft besucht, weil er angeblich von der Polizei geschlagen worden war. "Ich werfe ihnen das nicht vor, aber ich stelle fest, dass das ein Fehler war", sagte Kaczynski. Der Wahlspot der rechtsliberalen Regierungspartei "Bürgerplattform" (PO) von Ministerpräsident Donald Tusk, der eine Verbindung zwischen der PiS und gewaltbereiten Fußballfans suggerierte, sei auch wegen des Gefängnisbesuches sehr erfolgreich gewesen, so der Parteivorsitzende.

Einen dritten Fehler der PiS und mit ihr verbundener Kreise sieht Kaczynski "in sensationellen Veröffentlichungen über die Smolensk-Katastrophe, die nicht durch neue Tatsachen belegt waren". Damit sprach er die Ausgabe der Zeitung "Gazeta Polska codzienna" vom Wahlwochenende an, die in der Titelgeschichte behauptete, der Absturz eines Regierungsflugzeuges im April 2010 sei ein "Attentat" gewesen. Auch PO-Politiker erklärten, dieser Artikel habe ihre Anhänger mobilisiert, zur Wahl zu gehen.

Wie schon nach der Wahlniederlage 2007 machte Jaroslaw Kaczynski auch die Medien für das Wahlergebnis verantwortlich, die seiner Ansicht nach in der Mehrzahl auf der Seite der PO stünden. Die "Bürgerplattform" verfüge über einen "unglaublich starken medialen Abwehrschirm". Deshalb drängen Themen wie die "Krise der Staatsfinanzen" oder die sogenannte Glücksspielaffäre der PO nicht zu den Wählern vor, so Kaczynski.

Gerüchten über eine mögliche Spaltung der PiS widersprach der Parteivorsitzende. Es habe zwar Reibungspunkte mit dem Europa-Abgeordneten und Ex-Justizminister Zbigniew Ziobro gegeben, "aber niemand hat im Moment die Absicht, ihn aus der Partei zu entfernen", so Kaczynski. Gleichzeitig wäre es "Ausdruck eines totalen Wahnsinns", falls sich Ziobro für die Gründung einer eigenen Partei entschließen würde.

Die PiS erreichte bei der Parlamentswahl 29,9 Prozent der Stimmen und landete damit zum zweiten Mal deutlich hinter der "Bürgerplattform", die 39,2 Prozent wählten. In den Wochen vor der Wahl hatte sich ein wesentlich knapperes Ergebnis angedeutet, weil die PiS in Umfragen aufholte. Die PO wird voraussichtlich ihre Regierungskoalition mit der Bauernpartei PSL fortsetzen. (APA)

 

Kommentar posten
18 Postings
Bitte drei Bier!
03
20.10.2011, 16:54
Vielleicht macht er ja vor der nächsten Wahl den gleichen Fehler.

Noch besser: Er verschwindet aus der Politik und wird Kartoffelbauer.

L' Observateur
00
20.10.2011, 12:19
Interessant: einer der wenigen Politiker, die noch in iher Funktion sind, und der die richtigen Schlüsse zieht!

Fragt sich nur, ob diesen Erkenntnissen auch Taten folgen werden.
Daß öffentlich eigene Fehler eingestanden werden, und nicht nur immer die anderen an allem Schuld sind, ist ein erfrischendes und positives Zeichen dafür, daß Politiker auch anders als bei uns agieren können.

siu
01
20.10.2011, 16:02
das ist dann aber doch nicht allzu gut observiert...

also er hat die wahl verloren, weil er merkel kritisiert hat (wobei er nicht die absurde kritik an merkel in frage stellt, sondern nur sagt, diese kritik, die er nie zurückgenommen hat, habe stimmen gekostet), weil ein paar seiner partei sich mit einem rowdy getroffen hätten, und doch vor allem auch wegen der presse, die immer so gemein zu ihm ist.

natürlich hat er nicht verloren, weil die wähler sein programm nicht mögen, oder ihn nicht mögen.

sowas nenne ich ganz und gar nicht "die richtigen schlüsse ziehen".

die pis hat ganz einfach ein rückwärtsgewandtes programm, das nicht mit dem modernen polen kompatibel ist.

tomasz
01
20.10.2011, 12:47

Dies ist aber in seinem Fall das allererste Mal.
Bis jetzt waren immer die bösen Medien, ominöse Verschwörungen, Russland, Deutschland etc. schuld.

Marlon62
00
20.10.2011, 11:55
schadeten seiner Partei PiS

Mit diesem Parteinamen hätte er im deutschsprachigen Raum überhaupt kein Leiberl gerissen.

widiwutsch
01
20.10.2011, 11:54
Wenigstens ist er auf seine Art ein grader Michel.

Polen dürfte zu seiner Nicht-Wahl jedenfalls zu gratulieren sein.

fischkopp
01
20.10.2011, 11:27

Die Überschrift ist ein wenig irreführend: er bedauert nur sich selbst, weil seine "Kritik" vom Wähler nicht honoriert wurde.

Kontrahent1
14
20.10.2011, 11:13
Jetzt noch den Bruder

aus der königlichen Grablegung im Wawel entfernen und dann ist alles wieder gut;-)

Jürgen Rembremerding
02
20.10.2011, 11:41
"Grablege" ist das Wort!

Kontrahent1
00
20.10.2011, 13:08
Danke!

your mother
23
20.10.2011, 11:00
Kaczynski bedauert Merkel-Kritik

Und wir bedauern Polen für Kaczynski.

Wilhelm Guschlbauer
00
20.10.2011, 11:58
An Blödsinn können die Brüder sagen!

Meine polnischen Freunde in Frankreich und Kanada waren über das Bruderpaar immer bestürzt. Der Überlebende holt anscheinend für beide nach.

super1
02
19.10.2011, 23:51
29,9 Prozent

Hat HC Strache nicht auch soviel?

Polen ist noch nicht verloren. Aber Österreich?

Roter Baron
00
20.10.2011, 08:10

für österreich lautet der spruch:
ich weiche der gewalt

Langp
011
19.10.2011, 23:15

Er bedauert Schweinerein, nachdem er erkannt hat, daß diese ihm Schaden gestiftet haben.
Soviel fehlfundierte Einsicht ist schon verblüffend.

muppetbasher
312
19.10.2011, 21:39
Die Ober-Kartoffel Katschinsky ist einer von denen,

die wir in Europa nicht mehr brauchen.
Dieses Revisionisten-Gelaber geht uns nur mehr auf die Nerven!
Und seine Entschuldigung glaubt ihm eh keiner mehr!

byron sully
01
20.10.2011, 15:07

seine zeit als spitzenpolitiker dürfte ohnehin zum glück bald abgelaufen sein, denk ich.

Caches Clay
04
20.10.2011, 10:29

Lesen sie den Artikel. Entschuldigt hat er sich nicht, er bedauert diverse Dinge nur weil sie ihm Stimmen gekostet haben.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.