Musikrundschau mit Versatzstücken

20. Oktober 2011, 17:31
6 Postings

Neue Alben von Makossa & Megablast, Kool and Together, Björk und Bonnie Prince Billy

MAKOSSA & MEGABLAST Soy Como Soy (Luv Lite / K7)

Aus Versatzstücken real existierender oder gut ausgedachter regionaler Stile montiert das heimische Produzentenduo M&M süffige Tracks, die Helping Hands wie Tony Allen und Gastsänger wie Hubert Tubbs oder Sugar B veredeln. Zum titelgebenden Stück Soy Como Soy mit Cleydys Villalon an der Stimme, tanzt seit dem Sommer jede richtige Party. Würde jemand von elektronischer Soul-Musik sprechen, man wollte nicht widersprechen. Am Freitag, 21.10., präsentieren Makossa & Megablast ihr Album live im Wiener Wuk, ab 20.00. 

KOOL AND TOGETHER Original Recordings 1970-77 (Light In The Attic / Hoanzl)

Unter dem Eindruck von Jimi Hendrix und dem schwarzen Pop des Motown-Labels fanden in den frühen 1970er-Jahren die Sanders-Brüder im Süden von Texas ihre Bestimmung. Sie gründeten Kool and Together und fusionierten ihre Vorlieben zu einem tiefgelegten Funk, aus dessen Gitarrenarbeit deutlich die damals nicht leicht zu ignorierende Psychedelic hervorsticht. Dennoch verhielt man sich konzentriert, nudelte sich nicht ins Nirwana, sondern hielt die Stücke knapp und dicht. Hier liegen nun erstmals alle überlieferten Singles und Demos dieser kaum bekannten Formation auf einem (Doppel-)Album vor. Deeep Sheeet.

BJÖRK Biophilia (Universal)

Vielleicht gibt es da draußen ja einen geheimen Wettkampf zwischen Björk, Joanna Newsom, Soap & Skin und Tori Amos um den Titel der größten Nervensäge im Feen-Pop. Mit Biophilia gelingt der Isländerin Björk zumindest ein Etappensieg. Mittlerweile völlig ins Esoterikparalleluniversum übersiedelt, spannt die Schrulle ihr Publikum mit elektrischer Harfe, linksdrehendem Laptop-Geschnarche und Kinderlied-Pling-Plong auf die Folter. Im dritten Song entdeckt sie Drum and Bass, was 2011 fast schon wieder originell ist, hinterlässt einen ansonsten aber ratlos. Nur die Folterknechte von Abu Ghraib freuen sich - über ein neues Werkzeug. 

BONNIE PRINCE BILLY Wolfroy Goes to Town (Domino)

Will Oldham hat schlecht geträumt, und daraufhin sind ihm die Lieder für Wolfroy Goes To Town eingefallen. Diese pfeifen schwächlich aus dem letzten Loch einer leidlich strapazierten Country-Folk-Schablone, der mittlerweile jede Originalität abhandengekommen ist. Der Prince, man muss es sagen, braucht dringend eine neue Idee. Oder zwei. (flu  / DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2011)

  • Artikelbild
    foto: luv lite
Share if you care.