Angriff der PKK in der Türkei

Politischer Sabotageakt

Markus Bernath, 19. Oktober 2011, 18:57

Vielleicht wird aus der Nacht von Hakkari der Beginn einer politischen Emanzipation der Kurden von ihrer Untergrundarmee

Es hat sich lange angedeutet: Seit Monaten greift die kurdische Arbeiterpartei PKK Soldaten wie Zivilisten in der Türkei im Rhythmus von Tagen an. Nach dem Bombenanschlag im Regierungsviertel von Ankara im September und einem besonders verlustreichen Überfall auf einen Trupp rastender Soldaten im Juli hat der Angriff von Mittwochnacht der Geduld der türkischen Regierung ein Ende gesetzt. Jetzt wird wieder Krieg geführt. So war das wohl auch gedacht.

Die PKK hat ihre Serie von Überfällen in der Grenzprovinz Hakkari genau auf den Tag gelegt, an dem in Ankara die neue Verfassungskommission ihre Arbeit beginnen sollte. Das ist kein Zufall. Die Führer der Untergrundarmee versuchen ganz offensichtlich, das wichtigste politische Projekt des Landes sabotieren. Mit einer neuen Verfassung wollen Parlament und Regierung die Zeit der Vormundschaft durch das Militär hinter sich lassen und den türkischen Staatsbürger neu definieren. Und zwar so, dass sich die Minderheiten im Land - in erster Linie die rund 20 Millionen Kurden - erstmals wirklich in der türkischen Republik wiederfinden.

Jetzt haben erst einmal wieder die Generäle das Sagen und die politische Führung, die Vergeltung für die neuen Toten ankündigt. Die große Rechtsreform kann so nicht gelingen.

Seit Jahren drehen sich die Akteure der Kurdenfrage im Kreis. Es ist ein Quartett des Unvermögens: die PKK, die unklare Signale gibt, was sie will und wer gerade etwas will - Abdullah Öcalan, der inhaftierte Chef der Terrororganisation, oder Murat Karayilan, der Militärführer im Nordirak; die Kurdenpartei, die sich bisher nicht von der Gewalt der Untergrundarmee distanzieren wollte; die Regierung von Premierminister Tayyip Erdogan, die mutige Schritte begann und den Kurden politischen Freiraum verschaffte, dann aber stockte; die Staatsinstitutionen von Militär und Justiz, die anscheinend oft auf eigene Rechnung die Kurdenfrage lösen wollen.

Wie schon 2008 ist die türkische Armee nun wieder im Nordirak und bekämpft ihren größten Gegner. Eine neue Wendung gibt es dennoch: Die Kurdenpartei BDP hat klarer als je zuvor ihre Empörung über die Angriffsserie der PKK ausgedrückt. Es kann ein Anfang sein. Vielleicht wird aus der Nacht von Hakkari der Beginn einer politischen Emanzipation der Kurden von ihrer Untergrundarmee.  (DER STANDARD, Printausgabe, 20.10.2011)

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21 Postings
kurd_beobachter
 
12
16.12.2011, 18:39
"Mit einer neuen Verfassung wollen Parlament und Regierung die Zeit der Vormundschaft durch das Militär hinter sich lassen und den türkischen Staatsbürger neu definieren."

dass stimmt schon mal nicht !

die ersten 3 artikel der türkischen verfassung.
(jeder bürger der türkei ist ein türke ...) sind laut CHP MHP UND AUCH AKP UNANTASTBAR !!!!!!

also bittttteeeee ... türkisch lernen ... und interviews der parteimitglieder lesen ! ....

MfG

Flamara
00
23.10.2011, 01:52

Das sind die letzten Strampler einer Organisation, die dem Untergang geweiht ist. Mag sein, dass die PKK lange Zeit für die Rechte der Kurden "gekämpft" hat, aber inzwischen wird sie nur noch von außen gesteuert und ausgenutzt. Sonst würde nicht die AKP mit diesem Ergebnis die Regierung stellen. Die PKK tritt nicht mehr für die Interessen der Kurden ein. Was sowieso schwierig ist, sie wird ja nicht gewählt, gell ^^

Dr. Durchblick
 
00
24.10.2011, 00:32
achso??

das wird schon seit jahren behauptet und jedesmal schlägt die PKK dann noch härter zu.....
in der türkei glauben viel die PKK könnte besiegt werden indem man sie militärisch besiegt aber jedes mal wenn die Türkei der PKK eins auswischen will werden nur Zivilisten bestraft, solange man sich selbst belügt indem man sagt das die PKK keine Unterstützung aus der Bevölkerung bekommt wird man sie nie besiegen und die BDP hat ihre stimmen verdoppelt, anstatt ständig ohne die kurden zu entscheiden was gut für sie ist sollte man einmal zur Abwechslung auf die Leute hören welche die Kurden gewählt haben, nähmlich die BDP.....umso mehr die Türkei die BDP bestrafft umso mehr sympathisanten gewinnt sie...

Flamara
00
24.10.2011, 23:32

Schauen sie "In der TÜrkei glauben viel" hat nichts mit meinem Posting zu tun. In Sachen "Kurdenproblem" gibt es so viele Fortschritte wie noch nie, seien es die Sender, das Erlauben des Sprechen der Sprache u.ä.
Ich sage ja nicht, dass es perfekt ist, aber es werden Schritte in die richtige Richtung gesetzt. Damit will ich nicht sagen, dass die BDP unnötig ist und nicht gewählt wird, sondern die PKK die sich anmaßt für ihre "Bürger" einzutreten, obwohl die Mehrheit "ihrer" Bürger von der PKK nicht vertreten werden möchte.

emanze c
01
23.10.2011, 19:49

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass nicht alle aufstehen und die revolutionäre Bewegung wählen. Große Teile des jüdischen Wien waren sehr wenig problembewusst bis weit in die 30er, große Teile der schwarzen Südstaatenbevölkerung in den 50ern wollte ganz einfach keinen Ärger, viele der Türkeigriechen (Laz) sind zu den assimiliertesten Nationalisten geworden ganz wie viele hohe Nazis keineswegs reine Arier waren oder oft die brennendsten US-Faschisten auch keine weißen, protestantischen Angelsachsen sind. Heißt das diese Verleugner vertreten die "wahren Interessen" der Kurden, bloss weil sie ethnisch Kurden sind? Eine gewagte Sichtweise. Da mögen viele eine ganz andere haben, nämlich die ihrer Unterdrückung Bewußten legitimierter sehen!

emanze c
01
23.10.2011, 19:46

Und nebenbei bemerkt: Es ist eine radikale politische Partei, in einem Kurdengebiet, das seit Jahrzehnten massiver Volksverdummung und Verhetzung durch staatliche Religionsförderung (um von den nationalen Bestrebungen und Ambitionen abzulenken) ausgesetzt war. Dass die Fundirate nun genau in diesen Gebieten wegen dieser Politik extrem hoch ist, wird dem Land Türkei in den nächsten Jahrzehnten wohl nicht mehr behagen -die Geister die man rief.. aber ja, viele haben sich tatsächlich von ethnischem (Unrechts-)Bewusstsein "emanzipieren" (das Bewusstsein vernebeln?) lassen.

Praktisch nirgends auf der Welt ist eine unterdrückte Minderheit unter großem externem Assimilationsdruck geschlossen in ihren Reihen, durchwegs politisch bewusst.

emanze c
00
23.10.2011, 19:43

Sie wird nicht gewählt? Interessant, u.a. Diyarbakir ist eine Hochburg der "Kurdenpartei". Und möglicherweise liegt es auch an der ungewöhnlich hohen Minderheitenhürde fürs Parlament, den säckeweise in der Vergangenheit auf Mülldeponien gefundenen Stimmen genau für die Kurdenpartei, den Ausschlüssen von bereits Gewählten wegen politischer Vorstrafen (wobei komischerweise bei hohen AKPlern inkl. Erdogan über diese Vorstrafen hinweggesehen wird), des wiederholten Verbots der Kurdenparteien, dass sie nicht breiter gewählt sind. Es ist eigentlich erstaunlich, dass trotz aller Widrigkeiten genau gegen diese Partei eine Anzahl von Individuen über Unabhängigenvotum im Parlament sitzen. Es braucht schon ordentlichen Idealismus dieser WählerInnen.

Flamara
00
23.10.2011, 19:58

Sie haben nicht verstanden worauf ich hinaus will. Die PKK erhebt den Anspruch für die Interessen "ihrer Leute" einzutreten, obwohl das nicht mehr stimmt. Dafür gab es so lustige Aktionen wie einen kurdischen Oberhoca zu stellen, der dann am Swimming- Pool mit Bikinimodels erwischt wurde etc.

temporär autonom
 
00
24.10.2011, 12:21

aha, könnens ie mal die urls posten. dieses thema interessiert mich. ein oberhoca also ein obermuezzin, der PKK angehört und in der türkei aggiert und urlaub macht?

bitte erleuchten sie mich mit i(hr)ren erklärungen

Flamara
10
24.10.2011, 23:27

Man nennt ihn den "Cübbeli Ahmet Hoca" googlen könnens sicher selber auch.

temporär autonom
 
00
11.11.2011, 13:01
lassen sie religion bei solchen sachen raus!

checks noch immer nicht. hab mir jetzt im google die sachen angeschaut. es geht also um einen muezzin. ist das korrekt?

dieser typ war mit ne frau in einem swimmingpool? auch korrekt?

jetzt meine frage: was hat das
1) mit der pkk zu tun?
2) mit interessen der kurden?

ist dieser muezzin pro kurdisch? wenn ja, was sollte seine aufenthalt in einem swimmingpool mit der ganzen bemühung der kurden für selbstbestimmung zusammenhängen?

ersthaft, es wäre genau so blödsinn, wie wennman hier von dem muezzin erzählen würde, der AKP nah war, und in seinem sektencenter sowohl die männer als auch frauen zu oralsexpraktiken mit ihm selbst gezwungen hat?

da sind apfel, dort sind vollpfosten! beides unvergleichbar! lassen sie religion aussen vor!

mistvieh666
 
00
21.10.2011, 18:47

das problem ist doch wohl, dass das jetzt seit 30 jahren so dahingeht, oder von mir aus noch laenger.
oh, noch was fuer gutmenschen:
http://en.wikipedia.org/wiki/Kurd... h_refugees
in syrien, das wir jetzt ja als naechstes ganz dringend begutmenscheln und bemenschenrechteln wollen leben derzeit 200_000 kurdische fluechtlinge. was dran beachtenswert ist, ist doch wohl, dass es offenbar noch viel, viel schrecklichere laender in dieser gegend gibt als das schreckliche syrien.

asiti azadi
36
20.10.2011, 13:40
nur türkische Quellen

Herr Bernath spricht genau wie ein durchschnittlicher Journalist aus der Türkei, ich glaube er verfolgt die Geschehnisse nur aus der türkischen Medien besonders von Taraf, man erwartet sich von einem Journalisten aus Westen etwas mehr Objektivität. Die Gründe warum die PKK angreifft werden überhaupt nicht erwähnt, es wurden kurdische Freiheitskämpfer ermordert (trotz des einseitigen Waffenstillstandes), kurdische Lokalpolitiker werden ständig verhaftet ( zuletzt lag die Zahl bei 4000) Luftangriffe auf zivile Bevölkerung in Südkurdistan, das sind nur einige Gründe, Herr Bernath soll auch hin und wieder die Nachrichten von Firatnews konsumieren um seine Objektivität zu bewahren...

turko58
82
20.10.2011, 18:06

Vertrauen sie die Nachrichten von Firatenews? Laut Firatnews wurden 18 Stützpunkte angegriffen (obwohl es 8 sind) und 81 Soldaten gefallen (in Wirklichkeit: 24 Märtyrer). Freiheitskämpfer ist das ernst??
Sie stellen die Terroristen, die 24 Familien zersört haben, die größten Verräter als Friedenskämpfer dar!? Mir fehlen die Worte. Sie brauchen eine Gehirntransplantation.

asiti azadi
21
21.10.2011, 12:14

die transplantation würde ihnen sicher besser tun, vielleicht würden sie ja die sachen dort stehen besser interpretieren, es ist immer wieder bemerkenswert zu sehen, dass die türken nicht türkisch können ;)

turko58
12
21.10.2011, 16:56

Ihr Problem ist, dass sie Pkk und Kurden nicht unterscheiden können.
Pkk=Terrororganistation. Pkk vertretet nicht die Kurden. (Die Organisation und ihre Nachfolger werden unter anderen von der Türkei, der EU und den USA als terroristische Vereinigung eingestuft. Seit dem 30. Mai 2008 ist die PKK auf der Drogenhandelsliste des Foreign Narcotics Kingpin Designation Act in den USA).

Kohlhaas1
51
20.10.2011, 13:18
Nachdem was Erdogan dazu sagte vertraue ich auf die türkische Politik.

Interessant ist, dass Liebermann genau das angekündigt hat.

temporär autonom
 
15
20.10.2011, 08:15
da ist orf beitrag viel ausgeglichener und

weniger subjektiver.

s: orf
d: 19.10.2011
u: http://goo.gl/osa2B

Sir100
Raphael Spötta
65
20.10.2011, 11:20

wenn man Objektivität will, sollte man vielleicht keinen Artikel lesen, wo "Meinung" drüber steht. ;)

OrangeJuice
40
19.10.2011, 20:55
...

Interessanter Beitrag ++

Kubilay Aslan
82
19.10.2011, 20:50
Die Untergrundarmee Al-Qaida scheint zivilisierter vorzugehen als die PKK

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