Das Feilschen im Handel geht weiter

19. Oktober 2011, 20:48
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Start der Gehaltsverhandlungen für 520.000 Handelsangestellte. Die Gewerkschaft verlangt zumindest mehr als drei Prozent höhere Löhne

Am Mittwoch starteten die Gehaltsverhandlungen für 520.000 Handelsangestellte. Neuer Chefverhandler der Arbeitgeber ist Peter Buchmüller - er trifft am 9. November die Gewerkschafter zur zweiten Runde.

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Wien - Mehr als drei Prozent höhere Löhne: Zumindest das muss aus Sicht der Gewerkschaft für die 520.000 Angestellten des Handels im kommenden Jahr drinnen sein.

Für die Bewertung des Abschlusses wird die Inflationsrate von Oktober 2010 bis September 2011 in Höhe von 2,8 Prozent herangezogen. Neben monetären Forderungen wird heuer vor allem um Interessen der Frauen gerungen. Entscheidender Knackpunkt dabei ist die volle Anrechnung der Karenzzeit als Berufsjahre.

Nach sechs Stunden wurden die am Mittwoch begonnenen Verhandlungen für drei Wochen unterbrochen. Gewerkschafter Manfred Wolf spricht von konstruktiven, offenen Gesprächen. Die Arbeitgeber hätten ernsthafte Bereitschaft gezeigt, sich des Karenz-Themas anzunehmen, sagt er. "Ziel ist ein Gesamtpaket. Einen Abtausch Geld gegen unsere Karenzforderung wird es nicht geben." Konkrete Zahlen für ein Lohnerhöhung seien in der ersten Runde nicht genannt worden.

Neuer Chefverhandler auf Arbeitgeberseite ist nach einer einstimmigen Wahl des sozialpolitischen Ausschusses am Mittwoch Peter Buchmüller. Der 57-Jährige ist Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Salzburg. Er betreibt zwei Adeg-Märkte und verhandelt zum dritten Mal mit. Ambitionen, dem neuen Klubchef der ÖVP Wien, Fritz Aichinger als Bundesobmann nachzufolgen, habe er, wie er sagt, nicht.

Zweiter Mann an der Front ist der bundesweite Geschäftsführer der Sparte, Rene Tritscher. An ihrer Seite haben die Chefverhandler jeder Fraktion jeweils mehr als ein Dutzend Experten. Bei den Arbeitgebern sind unter anderem Personalchefs großer Handelskonzerne mit dabei.

Duelle rund um den Handel gibt es derzeit nicht nur unter den Sozialpartnern. Auch Marktforscher überbieten sich mit konträren Studien. Die KMU Forschung im Auftrag der Wirtschaftskammer malt düstere Bilder der Finanzkraft der Betriebe. Laut Daten der Arbeiterkammer wiederum erfreut sich die Branche bester Gesundheit - was Regioplan in einer aktuellen Studie nun unterstreicht: Die Österreicher hätten sich die Kauflaune von der Krise bisher nicht verderben lassen. Auch heuer und im kommenden Jahr müsse man sich um den Handel keine Sorgen machen. Regioplan erwartet für 2011 ein nominelles Wachstum von gut drei Prozent.

Florierende Umsätze sieht auch der Wiener Einkaufscenter-Betreiber Richard Lugner. Er spricht von zwölf Prozent mehr Umsatz bis Jahresende. Potenzial für eine gute Lohnerhöhung sei sicher gegeben, sagt er. Mit der Forderung der Gewerkschaft nach der vollen Anrechnung der Karenz habe er im übrigen kein Problem.  (vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.10.2011)

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