Aufstockung

Barroso: Weitere Länder könnten EU-Hilfe benötigen

Thomas Mayer, 19. Oktober 2011, 19:06

Debatte über Rettungsfonds: Wirkung soll auf zwei Billionen steigen

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso schließt nicht aus, dass nach Irland, Portugal und Griechenland weitere Länder den Eurorettungsschirm brauchen könnten. Der Gipfel der Staats- und Regierungschefs der Währungsunion am Sonntag müsse daher umfassende Antworten auf die Krise finden, forderte Barroso am Mittwoch.

Die Äußerungen Barrosos stehen vor dem Hintergrund der Debatten über eine Ausweitung der Schlagkraft des Rettungsschirms. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat eine Aufstockung der Wirkung des Rettungsfonds von derzeit 440 Milliarden auf eine Billion Euro ins Spiel gebracht. Laut Guardian sollen es sogar 2000 Milliarden Euro werden. Nach Schäubles Vorstellungen soll der Rettungsfonds nicht aufgestockt werden, sondern vielmehr Staatsanleihen angeschlagener Länder versichern und so mehr Wirkung zeigen.

 

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Brüssel - Wird die Interventionsmasse des eben erst durch alle siebzehn nationalen Parlamente der Euroländer verabschiedeten Eurorettungsfonds (EFSF) mittels finanztechnischer Hebel ("leverage") am kommenden Wochenende gleich wieder aufgestockt? Werden die Staats- und Regierungschefs der Währungsunion beim Gipfel dafür sorgen, dass für die absturzgefährdeten Euroländer dann nicht nur, wie vereinbart, 440 Milliarden Euro als "Schirm" zur Verfügung stehen, sondern ein Vielfaches davon - bis zu 2000 Milliarden Euro?

Diese Kernfragen rückten am Mittwoch - 48 Stunden vor dem auf drei Arbeitstage angesetzten EU/Euro-Gipfel am kommenden Wochenende ins Zentrum hitziger Debatten zwischen den Hauptstädten. Angefeuert wurde diese noch von EU-Kommissionschef José Manuel Barroso in Brüssel.

In einer Pressekonferenz machte er Mittwoch deutlich, dass er erwarte, weitere schuldengeplagte Länder könnten schon demnächst unter den Eurorettungsschirm schlüpfen und Kredithilfen erhalten. "Derzeit" habe man Griechenland, Portugal und Irland, aber "ich schließe nicht aus, dass auch andere Länder in den Genuss des Rettungsschirms gelangen", erklärte er, ohne Italien oder Spanien beim Namen zu nennen.

Derzeit werde intensiv über ein Gesamtpaket zur Lösung der Krise verhandelt, für die Banken, den EFSF wie auch für Griechenland, so der Kommissionspräsident. Zuvor hatte der Guardian gemeldet, dass Deutschland und Frankreich sich bereits auf ein Modell der "Hebelung" der EFSF-Mittel geeinigt hätten: Demnach würde der EFSF nicht als Bank agieren, die den Kauf von Staatsanleihen durch Investoren finanziert (was die Europäische Zentralbank ablehnte). Aber der Rettungsfonds könnte als Versicherer für Staatsanleihen auftreten und so auf den Märkten bis zu zwei Billionen Euro an Hilfen an Euroländer mobilisieren.

In Verhandlerkreisen in Berlin und in der EU-Kommission wurde dies umgehend dementiert. Allerdings hatte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble selbst eine solche EFSF-Hebelung bis zu 1000 Milliarden Euro genannt.

In Wien zeigte sich Finanzministerin Maria Fekter zwar in Sachen Hebelung gesprächsbereit. Sie schloss aber aus, dass das tatsächliche Volumen des Fonds nochmal aufgestockt werden könnte.

Vorbehalte kündigte auch die SPD im deutschen Bundestag an, wenn durch die Hebelwirkung das Verlustrisiko für die Staaten steige. Die SPD will notfalls den Bundestag neuerlich befassen.

Die Aussagen von Kommissionspräsident Barroso zum EFSF konnten jedoch, so unklar sie waren, als direkte Antwort auf die Herabstufung Spaniens durch die Ratingagentur Moody's gewertet werden. Diese setzte die Kreditwürdigkeit des Landes um zwei Stufen runter. Barroso sagte, er vermeide generell Kommentare zu Ratingagenturen, aber er erwarte "am Sonntag klare Antworten, (...) um allen Ländern der Eurozone und Spanien Garantien zu liefern".

Daneben beraten die Regierungen der beiden wichtigsten Eurostaaten, Deutschland und Frankreich, über die nötige Rekapitalisierung der europäischen Banken bzw. einen weiteren Schuldennachlass für Griechenland.

Berlin will die Schuldenlast von Athen deutlich senken - die Rede ist von einem Schnitt bis zu 60 Prozent. Paris und die EZB sind dagegen. Frankreich will lediglich eine Aufstockung der privaten Gläubigerbeteiligung über die vereinbarten 21 Prozent hinaus.

Zuvor sollen Europas Banken gestärkt werden, indem man ihnen eine Erhöhung des Eigenkapitals auf neun Prozent vorschreibt. Der Thinktank "Open Europe" rechnete Mittwoch vor, dass das Bankensystem in Europa eine Rekapitalisierung zwischen 260 und 372 Milliarden Euro brauchen könnte - Folge der Schuldennachlässe in Griechenland (60 Prozent) und Portugal (25 Prozent). (Thomas Mayer aus Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.10.2011)

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Posting 1 bis 25 von 54
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Josef Peheim
01
24.10.2011, 07:19
Wenn ich`s richtig verstanden habe

besteht der Hebel im Wesentlichen darin, dass nicht jeweils die gesamte Kreditsumme, sondern nur 20% garantiert werden. Es hat jedoch noch nie jemand erklärt, weshalb er daran denkt, dass eine "20%-Garantie"-Anleihe zu gleichen Zinsen an den Mann zu bringen ist wie eine voll versicherte.
Oder begreife ich da etwas nicht?

chaimele
01
20.10.2011, 13:05
bitte, bitte, gibt es niemand der sich erbarmt und dem typ

einen pr- und medientrainer zahlt. jedes mal, wenn er den mund aufmacht, wird das vertrauen in die eu kleiner. und der checkt das nicht mal! traurig, traurig, aber manche SOLLTEN in die frühpension geschickt werden, aber mit der mindestpension.

Rosemarie Brandstötter
 
00
20.10.2011, 07:29
Reiches Slowenien

Gehälter um 500 EURO. Frauen und Mütter machen turnusweise Alten- und Geriativpflege in Österreich. Um das Familieneinkommen aufzubessern Und da kommt das Parlament daher und beschließt weitere Zahlungen an den Rettungsschirm.
Ein richtiger Zündstoff für die Zukunft.

^gutmensch
02
20.10.2011, 07:13
wofür kassieren EU-Politiker

ihr überhöhtes Salär? Wo ist die laufende Kontrolle der Länder?
Das Herr Barroso sich überhaupt noch an die Öffenlichkeit traut, sein Versagen eingestehend.

monopoly
02
20.10.2011, 06:37

dieser neoliberale schwächling gehört entfernt!

Mr. Spock (der echte)
02
20.10.2011, 02:17
Und woher kommt das Geld?

1) Die Notenpresse wird angeworfen -> Inflation steigt
2) Steuergelder werden fuer den Rueckkauf von Schrott-Staatsanleihen verwendet. Uns bluehen weitere Sparpakete.

Hauptsache ist: Gewinne privatisieren, Verluste verstaatlichen.

blauwal
 
01
20.10.2011, 01:04
baroso

ist das der häuptling der inkompitenten politiker in der eu. der muss wirklich dumm sein. in dieser situation mit solchen aussagen in die öffentlichkeit zu gehen, zeigt einen mangel an intelligenz.

Vormund von Peter W1
01
20.10.2011, 10:07

er ist genau das was die eu will. er hat seine politische karriere bei der MRPP begonnen. das ist eine moaistische (!) arbeiterpartei. also, maximale kontrolle von oben, weg mit marktmechanismen, etc.

aufgeklärtbisheiter
00
20.10.2011, 00:45

Neeiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin, gibts ja nicht. Echt?

Will er damit sagen, daß, Länder ein Problem bekommen, wenn sie Kohle, die sie gar nicht haben, in andere Länder pumpen.

Vormund von Peter W1
00
20.10.2011, 10:08

blödsinn!! die borgen es sich doch nur temporär von anderen und bekommen es natürlich wieder zurück. ist ja nur eine garantie, keine zahlung. also bitte!
fekta erklärt ihnen das.

Michael Seeber
00
19.10.2011, 23:41

manche werden nie verstehen, dass sie durch ihre aussagen eine verschlimmerung der situation provozieren, die sie ja eigentlich verhindern wollen...

Buntspecht+
01
19.10.2011, 23:32
ablenkungsmanöver...

...die länder brauchen keine finanzhilfe, sondern justizhilfe: steuerhinterzieher und finanztrickser gehören gnadenlos ausgeliefert und deren vermögen beschlagnahmt.

die schnellste faust von mexiko
01
20.10.2011, 11:30
die schuld liegt nicht bei den steuerhinterziehern

oder bei den banken, oder bei sonst jemanden. es ist system-immanent.

die europäische währungsunion erstickt finanziell an den zinsen und zinseszinsen. es ist ein leichtes für ratingagenturen diese sitaution zu verschärfen.

schulden und zinsen sind nur abstrakte werte die unserem wohlergehen konkret gefährlich werden. das ist total absurd!

Schotter Mitzi
21
19.10.2011, 22:49
Auffallend ist,

dass (von Irland abgesehen) die Südländer die besten Verprasser sind und dass sich die ehemaligen Comecon-Staaten durch besondere Disziplin auszeichnen!

der schwitzbär der schwitzt sehr
00
19.10.2011, 22:47
Das alles nutzt nichts

wenn beständig ein Land nach dem anderen im Rating abgewertet wird

Von der angekündigten Lösung dieses Problems ist nix zu sehen

Satzende
01
19.10.2011, 22:44

Barroso: Weitere Länder könnten EU-Hilfe benötigen ja alle

Die belebende Wirkung des Geldes
01
19.10.2011, 22:18
eine Billion Euro

das sind rund 5000 Euro für JEDEN Einwohner des Euroraumes!!!!!

Danke an alle Idis, die für die EU gestimmt haben!

aufgeklärtbisheiter
00
20.10.2011, 00:48

Peanuts. Jeder arbeitende Österreicher steht dem Staat so und so für 56.000 Euro grad.

Tendenz: stark steigend.

Klugscheisser, der 3.
03
19.10.2011, 22:05
Kann bitte mal jemand diesem Baroso den Stecker rausziehen?

Das hält ja keiner mehr aus.
Wie viel Vertrauen bekommt denn der Rettungsschirm von den Anlegern, wenn D un F als letzte für 2.000 Mrd Euro bürgen...
Vor allem mit einem Fuzzi wie Baroso, der immer seinen unausgegorenen Senf dazugeben muss.

Was genau haben Sie vor, Herr Baroso? Oder: von wem werden Sie bezahlt? Also die EU als Ganzes kanns nicht sein.

Aber dass Sie möglichst viel Chaos stiften wollen, damit am Ende keiner merkt wieviel sich die Eliten in PT, SP, IR, IT, GR einstecken, das ist offensichtlich.

Goldfinger
02
19.10.2011, 22:56

tatsächlich - in ein halbleeres Fass Port stecken und nach Hause rudern lassen ist das beste was man mit ihm machen kann.
Eine totale Niete.

Klugscheisser, der 3.
00
19.10.2011, 23:22
Das halbleere Fass Port werd ich Ihnen nicht vergessen! Yepp!

Europa geht pleite, wer geht mit?
 
01
19.10.2011, 20:50
Bald knallt es!

So schaut Politik anno 2011 aus: Staaten werden angesichts ihres Schuldenberges selber genau zu jenen Zockern, gegen die sie so gerne hetzen.

Raus mit dem Geld aus den Banken! Kauft euch was Schönes, legt das Geld in Edelmetallen an, isoliert euer Haus (spart Energie, bald schon sehr wichtig) etc.

Es ist wie beim Schwarzpetern: Wer den Euro hat, wenn es knallt, hat leider Pech gehabt.....

MeinVollerErnst
01
19.10.2011, 20:49
ist doch ganz einfach

alle EU-Länder übertragen die Schulden auf den Rettungsschirm und dann folgt ein Haircut mit 80 % und alle sind ihre Schulden los, oder nicht :-) machen doch die Banken genauso zuerst zocken und dann den Steuerzahler bluten lassen!

Willkomen im Neandertal
02
19.10.2011, 20:44
Beim DKT haben wir uns seinerzeit auch selbst zusätzliches Geld gebastelt

Damit der Laden auch noch läuft, wenn der Kapitalismus längst gekippt ist.

no_milk_today
00
19.10.2011, 22:20

nur das geld? davor wurde noch alles mögliche für quasi-häuser und hotels verwendet, da die zuerst ausgingen

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