Richtungswechsel eines Ministers

"Ein Töchterle der Zeit"

19. Oktober 2011, 17:33

Als Dekan war der Minister noch strikt gegen Gebühren

Wien - "Studiengebühren müssen her, daran lässt der von der ÖVP nominierte Wissenschaftsminister seit seiner Angelobung keinen Zweifel. "Ich bin ein Befürworter und habe mich da auch nicht geändert", betonte Karlheinz Töchterle etwa in einem Interview mit dem Standard.

Das stimmt so nicht ganz. Töchterle hatte in dieser Frage eine ganz andere Perspektive. Noch im Jahr 2000, als Schwarz-Blau dazu ansetzte, Studiengebühren einzuführen, war das Fakultätskollegium der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Uni Innsbruck vehement gegen Studiengebühren.

In der Resolution, die immer noch online ist, verurteilte Töchterle im Namen der Fakultät die Wiedereinführung von Studiengebühren "aufs Schärfste".

Erstens sei die "Vorgangsweise zur Durchführung bildungspolitischer Maßnahmen ohne Diskussion mit den Betroffenen" und "ohne Konsens mit den Sozialpartnern" passiert. Die Vorgangsweise sei außerdem "undemokratisch und überfallsartig, da kurz zuvor eine Einführung von allgemeinen Studiengebühren noch verneint wurde". Auch inhaltlich wurde gegen die Gebühren argumentiert: Die Inhalte der "sogenannten Bildungsmaßnahmen" seien "bildungsfeindlich" und würden "finanzielle Eliten" bevorzugen. Studiengebühren "führen zur Reduktion der ohnehin schon geringen Akademikerquote in Österreich". Sie würden außerdem lediglich der Budgetkonsolidierung dienen, "junge Leute aber zu Schuldnern machen". Fazit und Punkt drei: "Die Fakultät lehnt daher eine Einführung der Gebühren ab". Gezeichnet vom Dekan persönlich: Prof. Dr. Karlheinz Töchterle.

Karl Öllinger, Grüner Abgeordneter, kommentierte den Meinungswandel des Wissenschaftsministers mit: "Die Forderung nach Studiengebühren ist ein Töchterle der Zeit!" (nik, DER STANDARD, Printausgabe, 20.10.2011)

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1 2
I would prefer not to
00
21.10.2011, 22:56

Hallo Uwe,
ich finde es echt cool, dass die PR Abteilung der Uni IBK hier so prompt antwortet.

Apropos Wendehälse.

Wie kommt eigentlich Daniel S. der "Pressesprecher" der Uni brennt Bewegung in IBK zu einem Job in der Propaganda-Abteilung der Uni?

http://is.gd/v3P4vN

uwe_steger1
00
25.10.2011, 08:13
Knapp vorbei ist auch daneben

Hier antwortet nicht die PR-Abteilung von irgendwem, sondern Uwe Steger. Kaum zu glauben, aber ich habe ja auch eine eigene Meinung ;-). Im Gegensatz zu vielen anderen agiere ich hier ja sogar mit meinem wirklichen Namen, was im übrigen auch dazu gehört, wenn man eine Meinung hat.
Wenn es um unser Büro geht, dann ist es so, dass wir engagierten Studierenden immer wieder einladen, im Rahmen von Praktika bei uns mitzuarbeiten. Wenn jemand so gut medial agiert, wie "uni brennt" in Ibk , dann ist so jemand doch ein Gewinn. Im Übrigen ging die Bewegung nicht gegen die Uni, sondern gegen die (Nicht-)Bildungspolitik.

I would prefer not to
00
25.10.2011, 17:03

Ich finde es toll, dass du hier unter deinem eigenem Namen hier postest.
Allerdings muss man auch Menschen verstehen, die das nicht wollen, da Repressalien leider nicht ausgeschlossen werden können.

Klar, dass de Uni solche Leute ins Boot holen will (hab mich da schlecht ausgedrückt.)
Warum diese Leute das machen, bleibt offen.

Stimmt, die Proteste richteten sich nicht gegen die Uni.
Blöd nur, dass die Unileitungen (auch in Innsbruck) nicht nur die Anliegen der Studierenden nicht unterstützten, sondern die Besetzer auch massiv bekämpften, anstatt sich auf deren Seite zu stellen.

uwe_steger1
00
27.10.2011, 13:58

Ich kann nur meine Erfahrungen an der Uni Innsbruck wiedergeben: Hier hat es keine "Repressalien" gegen Studierende gegeben, die sich bei "uni brennt" engagiert haben. Auch stimmt es nicht, dass die Unileitung die BesetzerInnen bekämpft hat. Man wollte Lösungen finden, um den Vorlesungsbetrieb wieder herzustellen. Dies hat letztlich auch zur Bereitstellung eines Raumes und der Finanzierung einer eigenen Lehrveranstaltungsreihe geführt. Das war mehr als an den meisten anderen Unis.
Warum engagierte Studierende bei uns mitarbeiten ist auch kein Geheimnis: Wissenschaft und Universität bieten viele interessante Themen und ausserdem ist das eine Möglichkeit, der kritisierten Verschulung zu entkommen und einmal praktisch etwas umzusetzen.

O5
01
20.10.2011, 14:14

Ein typischer ÖVPler halt, genau wie die Gestalten von der AG: immer brav das sagen was sie Leute hören wollen, aber sobald es wirklich um die Entscheidung geht auf ÖVP-Linie umschwenken. Erstaunlich dass es noch immer Leute gibt die sich von dieser Partei verarschen lassen.

Aung San Suu Tschi
 
01
20.10.2011, 11:51
Politischer Opportunismus und akademische excellency schließen sich aus

Wissenschaftsminister, die ihre Hauptaufgabe in der Bekämpfung der Studierenden sehen und sich weigern, den Studierenden zu HELFEN;

Wissenschaftsminister, die sich angesichts der EU-unterdurchschnittlichen öst. Akademikerrate von 19 % nicht in den Boden genieren;

Wissenschaftsminister, die durch dieses Verhalten den Forschungsstandort Österreich diskreditieren;

Wissenschaftsminister, die kein einziges Wort zur Forschungsförderung verlieren;

SCHADEN unserem Land und sind Feinde akademischer Exzellenz. Sie setzen sich nicht für die Heranbildung einer Geisteselite (die sich ständig erneuern muss) ein, sondern befürworten de facto das Beibehalten von alten Besitzständen.

Das führt in den Abgrund, den Verfall und trägt zur Verblödung bei.

sebastian deissler
04
20.10.2011, 09:52
ÖVP-Bildungs bzw. Wissenschaftsminister ist ein Marionettenjob sondergleichen

Und jedes Jahr sind es die selben Inhalte und die gleichen Methoden. Es wird von einer Finanzspritze (Unimilliarde) für die Unis gesprochen, danach werden sie aber kaputtgespart (80 Millionen) und der "Wissenschaftsminister" versucht als Lösung Studiengebühren einzuführen. Es ist doch jeden Herbst dasselbe: unterfinanzierte Unis+Studiengebührendiskussion! Seit Gehrer ist im Ministerium nichts besser geworden. Dank dem Parlament wurden die Studiengebühren aber zurückgedrängt und die haben in unserer Demokratie nunmal das sagen und nicht der rechte Herr Mayer.

trollvottel
00
20.10.2011, 11:50

Jemand, der seinen Eid - die Universität immer nach Kräften zu unterstützen - ernst nimmt, KANN einen Job als ÖVP-installierter Bildungsvernichter nicht annehmen.

Marq
02
20.10.2011, 04:33

Interessant wäre eine Äußerung des Ministers zu diesem eklatanten Gegensatz seiner damaligen und heutigen Forderungen und Begründungen in Bezug auf Studiengebühren, besonders in Bezug auf die Bildungsfeindlichkeit und die Bevorzugung finanzieller Eliten durch Studiengebühren sowie die genaue Auflistung welche Gruppen denn seiner Meinung nach Studiengebühren bezahlen sollten, welche nicht, bzw. welcher/welchen die Studiengebühren erlassen werden sollten und welche durch soziale Maßnahmen in welcher Höhe denn in welcher Anzahl gefördert werden sollten und ob Studiengebühren mit oder ohne Studienplatzbeschränkung einhergehen sollten und falls ja in welcher Höhe und durch wen vorgegeben und definiert.

Panzerverband
12
19.10.2011, 23:35
Dh darf sich innerhalb eines Jahrzehnts

nicht weiterentwickeln bzw seine Meinung überdenken?

aeff
00
20.10.2011, 13:53
Keine Frage aber

"Ich bin ein Befürworter und habe mich da auch nicht geändert", betonte Karlheinz Töchterle etwa in einem Interview mit dem Standard.
Ist dann halt eine glatte Lüge.
Und damit disqualifiziert er sich normalerweise für den Job.
Er macht aber den Job für die ÖVP und verglichen mit anderen in der Truppe ist er er ein Pfurz im Wind.

Hans Funkelfels
03
20.10.2011, 00:26

Seine Meinung zu ändern ist gut und schön. Die Partei zu wechseln ist schon etwas mit Vorsichtig zu genießen. Die Meinung mit dem Parteiwechsel zu ändern, das ist mies.

der schwitzbär der schwitzt sehr
07
19.10.2011, 23:32
Wes Brot ich eß

dessen Töchterle ich bin

T. Lurker
00
19.10.2011, 23:28
"Die Rache des Journalisten ist das Archiv"

Ich hoffe einigermassen richtig zitiert zu haben.

Das Zitat stammt - glaube ich - von Robert Hochner.

Hans Funkelfels
00
20.10.2011, 00:27

Heutzutage googelt man alles:

http://www.google.at/search?q=... das+Archiv

Top spin
00
19.10.2011, 21:52

wer es von euch noch nicht wusste: wer sich für die politik entscheidet ist entweder ein engel der die welt verbessern will oder ein kalter mensch der anstand und charakter hinter sich lässt. oder man kommt direkt vom paintball spielen.

LGL
02
19.10.2011, 20:19
KHT wird wohl Andreas Kchol für seinen "Tochter der Zeit"- Sager noch oft verfluchen ...

LGL
00
20.10.2011, 07:44
Veritas filicula temporis

Steverino
01
19.10.2011, 20:00

Frei nach Konrad Adenauer:"Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern."

uwe_steger1
43
19.10.2011, 18:27
Kritik ja - aber nicht unfair

Karlheinz Töchterle hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er persönlich für sozial abfederte Studiengebühren ist. Er war damals Fakultätsvorsitzender (nicht Dekan) und hat den Mehrheitsbeschluss des Gremiums (=Fakultätsversammlung) entsprechend seines Amtes veröffentlicht. Man kann im Hinblick auf Studiengebühren anderer Meinung sein als er, man kann ihm aber nicht vorwerfen, ein "Wendehals" zu sein. Gerade seine klaren Standpunkte sowie seine Offenheit, Diskussionsbereitschaft und Handschlagqualität haben auch die Studierenden der Innsbrucker "uni brennt"-Bewegung geschätzt - trotz der inhaltlichen Unterschiede.

Der Mons
00
19.10.2011, 22:29

da hat er recht der uwe - auch wenn ich mir die hände reib, dass dem kht der schaß jetzt um die ohren fliegt. selber schuld wenn er kein programm hat außer der studiengebührennebelbombe. :P

Radio Eriwan
02
19.10.2011, 19:00
Ohne Kommentar

Politisch engagiert war Karlheinz Töchterle schon länger, etwa als Gemeinderat in Telfes im Stubai. Auch in die überregionale Politik wollte der 61-Jährige schon länger, etwa als Landtagsabgeordneter oder als Spitzenkandidat für die EU-Wahl, in beiden Fällen für die Grünen, oder als ÖVP-Wissenschaftsminister beim letzten Wechsel im Ressort Anfang 2010.

LGL
00
20.10.2011, 07:45
ubi bene ibi filicula

Radio Eriwan
00
20.10.2011, 11:33
Ein Gefangener seiner selbst.

Hans Funkelfels
34
19.10.2011, 18:54

verfasst live aus der Töchterle PR-Abteilung?

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