Salzburg: Landestheatergeld für die freie Szene

19. Oktober 2011, 17:19

Umschichtung rettet das Kulturbudget, nicht aber das Lungauer Kulturhaus

Salzburg - Die Hiobsbotschaft für die Salzburger Kulturszene kommt aus dem südlichsten Bezirk des Landes: Die Gemeindevertretung der Lungauer Bezirkshauptstadt Tamsweg hat den Bau eines Kulturzentrums abgeblasen. Das Kulturhaus "Kubus 1024" hätte der kulturelle Nahversorger im Lungau werden sollen; ein Bezirk, der bis heute nicht einmal über ein Kino verfügt.

Die Gemeinde dürfe sich nicht sämtlichen finanziellen Handlungsspielraum durch das Sonderprojekt "Kubus" nehmen, argumentiert die ÖVP-Mehrheit in Tamsweg den Rückzieher. Die Schadenssumme ist groß: 660.000 Euro seien in den jahrelangen Vorarbeiten bereits geflossen, hat Thomas Randisek, Geschäftsführer beim Dachverband Salzburger Kulturstätten, errechnet.

Kritik kommt auch vom Finanz- und -kulturreferenten des Landes, David Brenner (SPÖ). Der Investitionskostenzuschuss des Landes für das 8,3 Millionen Projekt wäre mit 80 Prozent wesentlich höher als bei vergleichbaren Projekten gelegen.

Minus-Mann

Brenner - einst Hoffnungsträger der Kulturszene - sieht sich inzwischen jedoch selbst massiver Kritik ausgesetzt: "Seit seinem Amtsantritt im Dezember 2007 hat es Brenner noch kein einziges Mal geschafft, ein Plus vor das freie Kulturbudget zu schreiben", heißt es vonseiten des Kulturstättendachverbandes.

Der jüngste Budgettrick Brenners stößt den Kultureinrichtungen besonders sauer auf. Ein für 2012 vorgesehenes lineares Minus von acht Prozent hätte das mit 4,6 Millionen für alle zeitgenössischen Kulturstätten ohnehin niedrige Kulturbudget um weitere 370.000 Euro geschrumpft. Als Ausgleich hat Brenner 300.000 Euro aus den Rücklagen des Landestheaters aufgelöst und im Budget gegengerechnet.

Applaus für die Aktion gibt es vonseiten der 75 im Dachverband organisierten Kultureinrichtungen keinen. "Wieso nimmt man nicht mehr von den gebunkerten Millionen", lautet die Frage an Brenner. Laut Dachverband sitze das Landestheater auf Rücklagen in der Höhe von 8,7 Millionen.

Konkret schlagen die Kulturstätten vor, die für 2012 geplante Erhöhung der Rundfunk-Landesabgabe zweckgebunden für die freie Kulturszene zu verwenden. Zudem müsse das Kulturbudget transparenter werden, denn das Land "gibt seine Kulturförderkriterien und -schwerpunkte nicht öffentlich bekannt".   (Thomas Neuhold / DER STANDARD, Printausgabe, 20.10.2011)

horseoncowboy
00
19.10.2011, 20:42
das haus ist unter der leitung von herrn maldegehm sowieso zu einen ebenbild seiner stuttgarter tätigkeit verkommen

anspruchslos aber mit einen hang zu einen totalitären führungsstil. unterhaltung statt kunst. warum man mit kulturgeldern "sound of music" produziern darf ist mehr als fragwürdig, ein abzug der gelder mehr als gerechtfertig. besser wäre es die rücklagen die das theater auf den rücken seiner künstler und mitarbeiter über die jahre gesammelt hat vom land zurückzufordern und kreativen jungen einrichtungen zukommen zu lassen.

Keikobad
00
20.10.2011, 09:02
Stimme zu

Dem kann man nur zustimmen. Welchen PR-Aufwand das Theater schon seit einiger Zeit allein um Sound of Music betreibt, ist geradezu lächerlich. Mit dem Geld könnten junge Kunstinitiativen Wertvolleres auf die beine stellen.

horseoncowboy
00
20.10.2011, 17:52
...zum pr aufwand für s.of m. kann ich nichts sagen

aber das dieser intentant mehr auf werbung & sensationen setzt als auf ernste künstlerische arbeit ist unübersehbar. s.of m. ist auch offensichtlich nicht für die salzburger sondern für touristen gedacht und sollte daher auch aus den mitteln der tourismuswerbung gefördert werden.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.