Umschichtung rettet das Kulturbudget, nicht aber das Lungauer Kulturhaus
Salzburg - Die Hiobsbotschaft für die Salzburger Kulturszene kommt aus
dem südlichsten Bezirk des Landes: Die Gemeindevertretung der Lungauer
Bezirkshauptstadt Tamsweg hat den Bau eines Kulturzentrums abgeblasen.
Das Kulturhaus "Kubus 1024" hätte der kulturelle Nahversorger im Lungau
werden sollen; ein Bezirk, der bis heute nicht einmal über ein Kino
verfügt.
Die Gemeinde dürfe sich nicht sämtlichen finanziellen Handlungsspielraum
durch das Sonderprojekt "Kubus" nehmen, argumentiert die ÖVP-Mehrheit in
Tamsweg den Rückzieher. Die Schadenssumme ist groß: 660.000 Euro seien
in den jahrelangen Vorarbeiten bereits geflossen, hat Thomas Randisek,
Geschäftsführer beim Dachverband Salzburger Kulturstätten, errechnet.
Kritik kommt auch vom Finanz- und -kulturreferenten des Landes, David
Brenner (SPÖ). Der Investitionskostenzuschuss des Landes für das 8,3
Millionen Projekt wäre mit 80 Prozent wesentlich höher als bei
vergleichbaren Projekten gelegen.
Minus-Mann
Brenner - einst Hoffnungsträger der Kulturszene - sieht sich inzwischen
jedoch selbst massiver Kritik ausgesetzt: "Seit seinem Amtsantritt im
Dezember 2007 hat es Brenner noch kein einziges Mal geschafft, ein Plus
vor das freie Kulturbudget zu schreiben", heißt es vonseiten des
Kulturstättendachverbandes.
Der jüngste Budgettrick Brenners stößt den Kultureinrichtungen besonders
sauer auf. Ein für 2012 vorgesehenes lineares Minus von acht Prozent
hätte das mit 4,6 Millionen für alle zeitgenössischen Kulturstätten
ohnehin niedrige Kulturbudget um weitere 370.000 Euro geschrumpft. Als
Ausgleich hat Brenner 300.000 Euro aus den Rücklagen des Landestheaters
aufgelöst und im Budget gegengerechnet.
Applaus für die Aktion gibt es vonseiten der 75 im Dachverband
organisierten Kultureinrichtungen keinen. "Wieso nimmt man nicht mehr
von den gebunkerten Millionen", lautet die Frage an Brenner. Laut
Dachverband sitze das Landestheater auf Rücklagen in der Höhe von 8,7
Millionen.
Konkret schlagen die Kulturstätten vor, die für 2012 geplante Erhöhung
der Rundfunk-Landesabgabe zweckgebunden für die freie Kulturszene zu
verwenden. Zudem müsse das Kulturbudget transparenter werden, denn das
Land "gibt seine Kulturförderkriterien und -schwerpunkte nicht
öffentlich bekannt". (Thomas Neuhold / DER STANDARD, Printausgabe, 20.10.2011)