Ein Ruck und die Nase sitzt wieder

  • Italiens scheidender Premier Berlusconi erlitt nach einem Angriff mit einer Souvenir-Miniatur des Mailänder Doms einen Nasenbeinbruch.
    foto: reuters/giampiero sposito

    Italiens scheidender Premier Berlusconi erlitt nach einem Angriff mit einer Souvenir-Miniatur des Mailänder Doms einen Nasenbeinbruch.

Ganz so einfach wie Filme es oft vermuten lassen, ist die Korrektur einer gebrochenen, schiefen Nase nicht

In Filmen sind gebrochene Nasen keine Seltenheit. Hier ein Schlag ins Gesicht, dort ein bisschen Nasenbluten - und dann: ein Ruck und schon sitzt die Nase wieder dort, wo sie hingehört. Das in Actionfilmen immer wieder zelebrierte eigenhändige Zurechtrücken der gebrochenen Nase gehört seit jeher zu Filmen mit starken Helden, nicht aber in die Realität. "Der Mensch tendiert nicht dazu in der Lage zu sein, sich solche Schmerzen selbst zuzufügen", weiß Gerd Rasp, Vorstand der Universitätsklinik für HNO in Salzburg. Von der eigenhändigen Begradigung durch Fingerdruck rät Rasp ab. Man riskiere bei einem Trauma an der Nase auch immer einen Vagusreflex - die Senkung der Pulsfrequenz bis hin zur Bewusstlosigkeit. Ein Bruch ist keine triviale Angelegenheit, deshalb werden Schiefstände der Nase immer unter Narkose korrigiert. Einen eigenhändige oder unterlassene Korrektur der Nase kann dauerhafte Beeinträchtigungen mit sich bringen - unter anderem auf das Riechen, Schmecken oder Schlafen.

Häufigste Ursache: Gewalteinwirkung

Als vorspringender Körperteil ist die Nase prädestiniert für Verletzungen. Am häufigsten entstehen Nasenbeinfrakturen durch Gewalteinwirkung und durch Sportunfälle, Tendenz steigend. "Wir beobachten eine kontinuierliche Zunahme dieser Verletzungen - vor allem nach den Wochenenden sind Frakturen der Nase keine Seltenheit", weiß Rasp.

Grundsätzlich wird zwischen einer offenen und geschlossenen Nasenbeinfraktur unterschieden. Von einem offenen Bruch wird gesprochen, wenn ein Zugang zum Knochen besteht - das kann innerhalb der Nase sein oder außerhalb. "Bei einem Bruch der außen offen ist, existiert meistens eine Platzwunde. Besteht der offene Zugang zum Knochen in der Nase sieht man das nur indirekt - in Form von Nasenbluten", so der HNO-Mediziner. Hauptsymptom der Nasenbeinfraktur sind Schmerzen und die Veränderung der Form - neben einer Schwellung aufgrund eines Hämatoms kann ein Schiefstand oder das Einsinken des Nasenrückens vorliegen. Zudem kann die Beweglichkeit der Nase und die Nasenatmung eingeschränkt sein, der Geruchsinn vermindert sein und die Nase bluten. Wenn mehrere Tage nach der Verletzung noch starke Schmerzen vorhanden sind und das Gefühl einer verstopften Nase besteht, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Schnäuzverbot

Bereits bei Verdacht auf eine Nasenbeinfraktur sollte sich der Betroffene nicht mehr die Nase schnäuzen. Niesen und Schnäuzen bauen einen hohen intranasalen Druck auf, durch den das Sekret aus der Nase in die Augenhöhlen oder sogar ins Gehirn gelangen kann, sofern durch den Bruch eine Öffnung in diese Richtung besteht. "Das mit Keimen kontaminierte Sekret kann in der Folge zu Infektionen führen - bis hin zu einer Hirnhautentzündung", erklärt Rasp die Auswirkungen. Da sich Niesen nicht verhindern lässt, sollte der Mund dabei zumindest weit geöffnet sein. Als Alternative zum Schnäuzen empfiehlt sich das Abtupfen des Nasensekrets.

Prellung oder Bruch?

Die Diagnose stützt sich primär auf die Anamnese: Im Arzt-Patienten-Gespräch wird der Unfallvorgang geklärt und die Beschwerden geschildert. Die Unterscheidung zwischen Prellung und Bruch lässt sich von Laien nicht treffen und stellt selbst Mediziner manchmal vor eine Herausforderung. Bei Verdacht auf einen Bruch sollte daher ein HNO-Arzt aufgesucht werden. "Je jünger der Mensch ist, desto kräftiger ist die Knochenhaut. Ein gebrochener Knochen kann von der festen Knochenhaut derart in Form gehalten werden, dass man den Bruch weder sieht noch tastet", so der Mediziner. Deshalb gehören Röntgenaufnahmen zur Standardprozedur in der Diagnostik.

Ein unkomplizierter Nasenbruch ohne Fehlstellung heilt in rund zwei Wochen. Besteht eine Fehlstellung der Nase, wird diese unter Narkose binnen zehn Tagen an den rechten Platz gerückt. "Meistens wird sie aufgerichtet, weil sie eingedrückt ist - das machen Mediziner mit einem stumpfen Instrument von innen. Da dieser Vorgang schmerzhaft ist, muss er während einer Kurznarkose gemacht werden", erklärt Rasp. Bei zusätzlicher Verletzung der Haut, wie etwa bei offenen Brüchen, muss diese, falls erforderlich, desinfiziert und genäht werden. Warten Betroffene mit dem Artzbesuch länger als zehn Tage, kann die Nase meist nicht mehr repositioniert werden. Die Fehlstellung ist dann oft bereits so gefestigt, dass eine Korrektur nur mehr mittels aufwendiger plastischer Operation möglich ist. Selbiges gilt für funktionale optische Beeinträchtigungen nach eigenhändiger Nasenbegradigung. Und ob "heldenhaftes" eigenhändiges Zurechtrücken der Nase und Schönheits-Operation zusammenpassen, ist wohl fraglich. (urs, derStandard.at, 09.11.2011)

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