Wilhelminenberg

Verwirrung um angeblichen Tod im Heim

19. Oktober 2011, 16:18

Behördensprecher Thomas Vecsey: "Es gibt kein Opfer"

Wien - Bei der Staatsanwaltschaft Wien war und ist im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen das 1977 aufgelassene Kinderheim im Schloss Wilhelminenberg kein Verfahren wegen Mordverdachts anhängig. "Es gibt kein Opfer", stellte Behördensprecher Thomas Vecsey am Mittwochnachmittag klar.

Der Wiener Rechtsanwalt Johannes Öhlböck, der ehemalige Zöglinge des Kinderheims vertritt, hatte am Dienstag in einer Pressekonferenz vor zahlreichen Medienvertretern erklärt, in dem Heim wären zwischen 1948 und 1953 "Kinder zu Tode gekommen". Die Tageszeitung "Kurier" berichtete zudem über einen "Todesfall", wobei sich der Artikel auf ein Interview mit einer ehemaligen Heiminsassin stützte, die von einer eigenen Wahrnehmung berichtete, derzufolge eine Lehrerin ein Mädchen namens Franziska schwer verprügelt habe.

Das Mädchen sei dann "regungslos am Klassenboden gelegen", so der "Kurier". "Die ist ganz blass geworden. Mein Gott, wenn jemand atmet..., dann sieht man ja wie sich der Brustkorb bewegt... Da war nix", zitierte die Zeitung die Zeugin. Die Rettung sei gekommen, habe das Mädchen auf eine Trage gelegt, wobei Körper und Kopf mit einem Tuch bedeckt gewesen seien. Sie habe Franziska danach nie mehr gesehen, so die mittlerweile 69-jährige Frau.

Keine Erwähnung von Kapitalverbrechen

Die daraufhin von zahlreichen Journalisten kontaktierte Anklagebehörde, die von den Vorwürfen der 69-Jährigen bereits im Sommer 2010 erfahren hatte, hielt daraufhin noch einmal in ihren Akten Nachschau und stellte am Mittwoch fest, dass die Frau in ihren damaligen Angaben von keinem dezidierten Todesfall berichtet hatte. Diese habe teilweise am eigenen Leib verspürte Misshandlungen und sexuelle Übergriffe geschildert, aber von keinem Kapitalverbrechen erzählt, so Behördensprecher Vecsey: "Ende September 2010 sind daher die Ermittlungen wegen Verjährung eingestellt worden."

Die erhobenen Vorwürfe hatten sich auch gegen jene Erzieherin gerichtet, die während des Unterrichts das Mädchen namens Franziska - der Familienname ist unbekannt - geschlagen haben soll. Der namentlich bekannten Verdächtigen wurde laut Vecsey in diesem Kontext nicht unterstellt, das Kind zu Tode gebracht zu haben, weshalb auch in ihrem Fall mit Verfahrenseinstellung vorzugehen war, da die geschilderte Form der Misshandlung ebenfalls längst verjährt war.

Keine Ermittlungen bei Verjährung

Unterdessen berichtete der "Kurier" am Mittwochnachmittag auf seiner Website und in einer Aussendung von einer "Wende" und von einem "Todesfall, der keiner war". Und weiter: "Das totgeglaubte Heimkind lebt." Dazu der Sprecher der Staatsanwaltschaft: "Ob das so ist, entzieht sich unserer Kenntnis." Die "Kurier"-Angaben, gegen die prügelnde Lehrerin habe es 2010 ein "Ermittlungsverfahren" gegeben, ließ Vecsey nicht gelten: Bei erwiesener Verjährung würden keine weiteren Ermittlungsschritte gesetzt, die Staatsanwaltschaft sei daher gar nicht näher an die Erzieherin herangetreten. (APA)

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Belibaste
00
21.10.2011, 11:36

Vielleicht könnten die Zeitungen einmal selbst recherchieren lassen, statt dumpf abzuschreiben. Ab 1945 war es angeblich ein für erholungsbedürftige Kinder und ehemalige KZ-Häftlinge. Wer war der Betreiber, wie lief dort alles ab - Kinder und Erwachsene in einem Haus? Zwischen 1981 und 1977 war es ein Heim für Sonderschülerinnen. Dass damals misshandelt wurde, dürfte außer Zweifel stehen. Die angeblichen Massenvergewaltigungen scheinen nur zwei Personen bemerkt zu haben. Wurden schon damals arbeitende Ärzte, Rettungskräfte, oder andere interviewt? Man kann schließlich nicht nur die Leute fragen, die etwas behaupten, oder Leute die auch irgendwo Erzieher waren, sondern man muss auch Zeugen suchen die es wissen müssen.

merci cherie
01
21.10.2011, 10:10
"Das totgeglaubte Heimkind lebt." Dazu der Sprecher der Staatsanwaltschaft: "Ob das so ist, entzieht sich unserer Kenntnis."

hier wird in den diversen medien haargespalten, wer wann was zu protokoll gegeben hat oder nicht und daraus werden dann abenteuerliche Schlagzeilen kreiert, die mit der realität (meinetwegen auch der vermeintlichen) nicht mehr viel zu tun haben.
Kann man sich bitte hinsetzen und ein paar Akten ausgraben und dann was vernünftiges darüber schreiben?! - oder es bleiben lassen...?!

Behördensprecher Thomas Vecsey: "Es gibt kein Opfer" - heißt eigentlich: Es gibt keine Anzeige aus dem Jahr 2010, aber offensichtlich eine Aussage aus dem Jahr 2011, erst neulich. Kann man dem also bitte jetzt nachgehen bevor man 100 sinnlose Artikel schreibt?

BK W. Shoyssel
00
20.10.2011, 13:51
"war ... kein Verfahren wegen Mordverdachts anhängig"

Ja, genau darum geht es ja. Man muss erst einmal schauen, welche Kinder dort auf "normale" Weise verstorben sind. Und dann diese Fälle nachrecherchieren. (Totenbeschauprotokolle, Obduktionsprotokolle, .....)
Und eine "Franziska", die mit der Rettung in den Jahren 1948 - 53 abtransportiert wurde, wird man doch noch finden und vielleicht auch noch exhumieren können, um das zu überprüfen.

Mord verjährt übrigens nicht.

verteilerkreis
00
20.10.2011, 16:01
Sie haben vollkommen recht!

über jede Spitalsbehandlung wird Protokoll geführt, wenn damals verletzte Kinder mit der Rettung (wie Zeugen berichten) in ein Spital gebracht wurden, dann mussten auch vor 50 Jahren darüber von Ärzten Krankengeschichten angelegt worden sein. Auch für Obduktionen sind Mediziner zuständig.
Da wir nach den veröffentlichten Berichten der letzten Tage nicht davon ausgehen können, dass das noch lebende Nazierzieher-Gesindel des Heims Selbstanzeige einreichen wird, ist man auf schriftliche Dokumente angewiesen, die es in den Krankenanstalten geben muss. Man muss sich aber überwinden, mit der Suche zu beginnen.

RichardRoe
01
20.10.2011, 16:08

Für alle medizinischen Dokumente gilt eine gesetzliche Aufbewahrungsfrist von 99 Jahren !!

trugschlusskadenz
01
21.10.2011, 09:01
richtig, richard!

erwähnte aufbewahrungsfrist gilt natürlich auch für ehemals gefälschte dokumente, deren chancen auf wahrheitsnahe korrekturen heute gering einzuschätzen sind.

RichardRoe
00
21.10.2011, 18:28

Nun, diagnostische Dokumente kann man nicht so leicht fälschen. Klar, so mancher Befund kann als Märchen verstanden werden, meist liest sich der dann auch so, aber ein Röntgenbild ist nun mal ein Röntgenbild. Ausserdem müsste da eine ganze Kompanie an Fälschern unterwegs gewesen sein, vom Arzt in der Notaufnahme über protokollführende Schwestern bis hin zum Obduzenten. Kaum glaublich, dass sie diese ganze Kette im Griff hatten. Ist ja auch heute so, Kinder werden mit eindeutigen Verletzungen bzw Symptomen eingeliefert, es wird korrekt behandelt und aufgezeichnet, aber magischerweise wird keine Anzeige erstattet. Weils, je nach Arzt, 'eh nix bringt', 'das Kind unnötig verstört' oder schlicht 'zu mühsam ist'.

Rosa Stahl
12
20.10.2011, 12:59

na so ein Glück, sie ist nicht tot. Sie wurde nur schwer verprügelt. Alles paletti.

susi strolcher
01
20.10.2011, 12:35
wenn man von mord spricht

sollte es dann nicht wenigstens einen namen und einen totenschein geben? wenn es in diesem zeitraum todesfälle oder unaufgeklärte vermisstenfälle gegeben hat, dann sollte man die genau überprüfen. aber bis jetzt fußt alles nur darauf, dass ein kleines mädchen gesehen hat, wie ein anderes nicht näher bekanntes kleines mädchen geprügelt wurde,sich nicht gerührt hat und weggebracht wurde. das allein reicht in keinem land für mordermittlungen. wenn es zu diesem zeitpunkt keine aufzeichnungen zu todesfällen oder bis heute vermissten kindern gibt, was soll da bitte die staatsanwaltschaft unternehmen?

die Großmutter
00
20.10.2011, 15:34

Die Todesfälle überprüfen, die Ärzte die Totenscheine ausgestellt haben auch.

verteilerkreis
00
20.10.2011, 16:26
und jene polizeilichen Anzeigen ausheben,

die von Medizinern gemacht werden mussten, wenn schwerverletzte, misshandelte Kinder mit der Rettung in ein Spital eingeliefert werden - jedes Krankenhaus muss in Verdachtsfällen Anzeige erstatten

Fritz Wunderlich
00
20.10.2011, 10:56

zwischen 48 und 53? völlig unklar
http://derstandard.at/131872604... lminenberg

der standard selbst schreibt:
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss zu einem Heim für erholungsbedürftige Kinder und ehemalige KZ-Häftlinge umfunktioniert. In den 60er Jahren diente es als Heim für Sonderschülerinnen. In dieser Zeit soll es auch zum Missbrauch gekommen sein, den zwei ehemalige Zöglinge nun publik gemacht haben.

dh, die jetzige aussage der 69jährigen bezieht sich auf ein erholungsheim, in dem sie mißbraucht wurde und eine lehrerin ein mädchen totprügelte??
was jetzt???

kann endlich jemand diese widersprüche klären, oder ist das postmoderne denken im standard dazu unfähig??????

Proconsul
10
20.10.2011, 14:04
Geh,

was wirklich war interssiert doch eh keinen, Hauptsache Rücktrittsforderungen an Häupl!!

mag2412
02
20.10.2011, 10:26
zwecks nachvollziehbarkeit sei noch eines gesagt

wir haben in den 90er jahren einen mann im zuge der psychiatriereform bei uns aufgenommen. dieser mann war etwa 20 jahre lang "insasse" einer psychiatrischen anstalt, weil er geistig behindert ist. er selbst konnte über sich keine auskünfte erteilen.
nachdem er sich bei uns eingelebt hatte und ein sachwalter alle notwendigen bürokratischen dinge in angriff genommen hatte (wiederbeschaffung der dokumente) stellte sich heraus, dass er vermutlich kein österreichischer staatsbürger war.
daraufhin wurde ein ausweisungsverfahren gegen ihn angestrengt. ;-) solange er weggesperrt war, hat sich darum keine sau gekümmert, als der akt dann wieder geöffnet wurde war auf einmal wichtig festzustellen, dass es keinen rechtsanspruch aufs einsperren gab

Sogenet
00
20.10.2011, 09:36
Fantasie oder Wirklichkeit?

breiter
01
20.10.2011, 07:26
ein Anwalt mit RFS Hintergrund

muss man doch glauben!

www.parlament.gv.at/PAKT/PR/J... index.shtm
www.ulv.ac.at/Archiv/Enquete.pdf

blablabla blablabla
73
19.10.2011, 22:58
verstehe ich nicht,

der Name ist bekannt. Die Person muss zu finden sein. Melderegister etc. Oder wurde sie als vermisst gemeldet.

Nach den Ermittlungen bei dem Luftdruck-Snipper wundert mich aber nichts mehr. Wochenlang wurde von einem LD-Gewehr als Tatwaffe ausgegangen, wobei jedem Laien klar war dass es sich nur um eine Pistole handeln kann, weil ein Gewehr in der Stadt ja sehr auffällig wäre.

anders and
 
00
20.10.2011, 14:05

"beltway sniper" sagt Ihnen nix?

Da wurde wochenlang von einem Auto aus scharf geschossen.

Damals war auch jedem Laien klar, dass das nicht aus dem Auto heraus passiert sein konnte.

pagat ultimo
28
19.10.2011, 23:09

sie haben ihren nick offenbar mit bedacht gewählt.

blablabla blablabla
62
20.10.2011, 00:33
ah, ein Obergscheiter,

Sie glauben wohl in den 70 oder 60 Jahren hat es noch keine Heimlisten, Melderegister etc. gegeben.

Kinder sind einfach verschwunden.

Hirn, einschalten

die Großmutter
00
20.10.2011, 15:37

Nun, die verschwundenen wurden einfach ausgebucht. Wer hat denn schon nachgeforscht.

Gummiknoedel
01
19.10.2011, 22:49
herrschaften, wir haben viel aufzuarbeiten. sehr viel.

Erisian Liberation Front
00
20.10.2011, 10:16
Aber geh

Da wird es wieder einen Bericht einer parteieigenen Historkierkommissiongeben in dem ein paar ausgewählte Bonmots als läßliche aber dem damaligen Zeitgeist entsprechende Sünden angeführt werden.
Dann gibt es eine große Pressekonferenz auf der festgestellt wird, daß die SPÖ nun aber wirklich eine rein rote Weste hat und alle Flecken ab sofort nur mehr bei den anderen zu suchen sind.
Schließlich hat die SPÖ ja schon vor Jahren beschlossen, daß sie die Guten sind jeder der etwas anderes auch nur andenkt ein N azi sei.
Die nannten das damasl die Deutungshoheit über die geschichtliche Auslegung erlangen.

Das hatten wir ja schon mal mit dem "braune Flecken" "Bericht" der SPÖ der ganz zufällig die größten Flecken nicht gefunden hat.

RichardRoe
00
20.10.2011, 09:54

Einiges, einiges ...

Wie kann das im Machtbereich einer Partei passieren, die wenigstens noch damals auf die Jugend setzen konnte und die Organisationen 'Kinderfreunde' und 'Rote Falken' hatte??

Hängt das damit zusammen, dass man die alten Nazis rot umfärben wollte und ihnen halt einen Job gab? Aber was für einen!!

Warum kommt erst nach einiger - zu langer Zeit - heraus, dass sich schon 117 Opfer gemeldet hatten? Gibts doch noch Verantwortliche, die man schützen möchte?

Die Stadt Wien - und möglicherweise nicht nur die alleine - hat da jede Menge Erklärungsbedarf. Ein Kinder-Gulag über 20 oder 30 Jahre hinweg? Und da fällt niemandem was auf?

die Großmutter
00
20.10.2011, 15:39

aufgefallen schon, aber immer verschwiegen.

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